Kommentar zu Puppenkönig in Bonn: Einheitsbrei als Folge

Kommentar zu Puppenkönig in Bonn : Einheitsbrei als Folge

Voraussichtlich im November wird das Bonner Traditionshaus Puppenkönig an der Gangolfstraße schließen. 2013 hatte das 1873 in Köln gegründete Unternehmen noch sein 100-jähriges Bestehen gefeiert, jetzt ist die letzte Runde eingeläutet.

Mit Puppenkönig schließt wieder ein Traditionsgeschäft in der Bonner Innenstadt. Das ist schade. Wir und mit uns sicherlich viele andere Menschen verbinden mit Puppenkönig zahlreiche schöne Erinnerungen an die eigene Kindheit, an die Zeit, als man dann für den Nachwuchs in den Regalen stöberte und ganz aktuell an den letzten Weihnachtseinkauf für die Enkelkinder. Damals wie heute stehen Kinder mit sehnsüchtigen Blicken vor den Schaufenstern und können sich an den Spielwaren nicht sattsehen.

Wie zuvor bei Carthaus, der Buchhandlung Bouvier oder dem Metropol-Kino ist das Bedauern über die bevorstehende Schließung von Puppenkönig bei den meisten sicher groß. Zwar will Inhaber Alfred Westenhöfer sich zu den Gründen derzeit nicht öffentlich äußern. Aber seine Klagen in der Vergangenheit über die wachsende Konkurrenz des Internethandels lassen ahnen, woher der Wind weht. Das Problem ist bekannt: Viele nehmen gerne die fachliche Beratung des Einzelhandels in Anspruch und kaufen am Ende nicht zuletzt wegen der oft günstigeren Preise doch im Internet oder beim Discounter ein.

Das ist in Bonn nicht anders als in den meisten anderen Städten. Die Folge: In den besten Einkaufslagen siedeln sich immer mehr Filialketten an, die die teuren Mieten zahlen können. Dass Puppenkönig so lange in der Innenstadt bestehen konnte, hatte sicher auch damit zu tun, dass die Geschäftsimmobilie sich im Eigentum der Familie befindet.

Handel ist Wandel, das stimmt. Aber die Mietpreisentwicklung in den guten Einkaufslagen befördert einen Einheitsbrei, durch den die Innenstädte sich irgendwann einmal nicht mehr voneinander unterscheiden werden. Das bedauern natürlich die Kunden, aber sie tragen durch ihr Einkaufsverhalten selbst dazu bei. In Bonn tun die Kaufleute übrigens sehr viel, um den Standorthandel aufrecht zu erhalten und die Kundschaft in die Stadt zu locken. Dazu gehören auch die (wenigen) Sonntagsöffnungen im Jahr. Indem Verdi diese so vehement bekämpft, trägt die Gewerkschaft auch einen Teil dazu bei, dass die City an Attraktivität einbüßt.

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