Debütroman von Gabi Weber-Körner: Eine Zeitreise durch Dransdorf

Debütroman von Gabi Weber-Körner : Eine Zeitreise durch Dransdorf

Die Ex-Kabarettistin Gabi Weber-Körner erzählt in ihrem Debütroman Geschichten aus ihrem Leben. „Nennen wir's Familienglück. Eine rheinische Chronik“ heißt das Buch.

Als sie ein Kind war, war für Gabi Weber-Körner ganz Dransdorf ein Spielplatz. Verbotene Ausflüge in den Bunker, Spielgefährten in den neuen Siedlungen, Klettern in den Bäumen. Auch deshalb nennt die Autorin den fiktiven Schauplatz ihres Debütromans „Spieldorf“. In diesem Roman „Nennen wir's Familienglück. Eine rheinische Chronik“ erzählt sie die Geschichte einer jungen Frau namens Elisabeth, kurz Lizzy. Und dass die im gleichen Jahr zur Welt kommt wie die Autorin, lässt vermuten, dass Weber-Körner viel von ihrer eigenen Biografie darin untergebracht hat.

Sie holt aber weit aus und berichtet auch von ihren Vorfahren: Das Buch beginnt im Jahr 1880 mit der Geburt von Lizzys Großmutter in besagtem Spieldorf. Die nächsten Jahrzehnte bis zur Geburt der Protagonistin 1952 sind schnell erzählt. Man lernt eine lernunwillige Schülerin kennen, die sich lieber mit den Kindern aus der Sozialbausiedlung als mit Beamtensprösslingen herumtreibt und zur Disco ins Vorgebirge fährt.

Später macht sie eine Ausbildung in einem Hutsalon, weil sie ans Theater möchte, und heiratet ihren Freund, weil sie ein Kind von ihm erwartet.

Gesellschaftskritik und starke Frauen abgebildet

Der Roman ist ein wenig Gesellschaftsbild, auch Gesellschaftskritik, etwa wenn sie die zwei Welten zwischen Hauptstadtbeamtentum und sozialem Brennpunkt darstellt, und vor allem eine Anthologie zum Teil köstlicher Anekdoten. Etwa von der Reise mit einem VW Käfer durch Skandinavien inklusive Kälte, Unwetter und Mückenplage, nur um am Nordkap ein paar Fotos zu machen. Und immer stehen die Frauen der Familie im Mittelpunkt, Urgroßmutter Anna Maria, Großmutter Anna Elisabeth, Mutter Magda und Elisabeth selbst, die später eine Karriere als Kabarettistin macht.

„Das Buch handelt auch von starken Frauen zu jeder Zeit“, sagt Weber-Körner. Und von Männern, gegen die sie sich behaupten müssen, vom cholerischen prügelnden Großvater, vom Großonkel, der das Geld der Familie verspielt, vom konservativen Vater. Dabei bleibt die Autorin auf Distanz, vermittelt – ganz und gar Kabarettistin – eher Lust am pointierten Berichten als an emotionaler Erzählung und Spannungsbogen.

Weber-Körner arbeitete lange als Sozialpädagogin und gründete 1987 das Bonner Frauenkabarett „Die Weberinnen“, beendete diese Laufbahn aber 2014. „Ich habe mir immer vorgenommen, ein Buch zu schreiben über die Entwicklung in meinem Umfeld.“ Da kam ihr der Umstand zugute, dass ihre Eltern und Großeltern nie um eine Geschichte „von früher“ verlegen waren. „Ich finde es wichtig, dass die Alten erzählen, aber viele tun es nicht.“

Das Buch ist im Selbstverlag unter der ISBN-Nummer 978-3748130666 erschienen. An diesem Freitag bietet sie Hauslesungen an, die nächste ist heute ab 19 Uhr, Kontakt unter 02 28/66 95 17 oder per Mail an nc-weberkga@netcologne.de. Weitere Lesungen sind am 25. Januar und am Frauentag, 8. März ebenfalls im eigenen Haus sowie am 14. Februar in der Stadtbücherei Kerpen.