Marie-Kahle-Schule und Popfarm erhalten Preis: "Eine solche Prämierung ist eine große Ehre"

Marie-Kahle-Schule und Popfarm erhalten Preis : "Eine solche Prämierung ist eine große Ehre"

Große Freude bei den Schülern: Für das Projekt "Marie Rockt!" haben die Marie-Kahle-Gesamtschule und die Popfarm den mit 10.000 Euro dotierten Preis "Auf dem Weg in das Kinder- und Jugendkulturland NRW" erhalten.

Den überreichte Schulministerin Ute Schäfer gestern in Düsseldorf. Schulleiterin Sabine Kreutzer und Popfarm-Gründer Michael Kernbach waren mit einer Abordnung in der Landeshauptstadt. Mit den beiden sprach Richard Bongartz.

Glückwunsch zum Kulturlandpreis. Was bedeutet das für Sie und die Schüler?

Michael Kernbach: Für uns als Popfarm ist diese Auszeichnung eine besondere Würdigung unserer Bemühungen, als rein private Initiative über den normalen Musikunterricht hinaus zu wirken und junge Kultur zu jungen Menschen zu bringen.

Sabine Kreutzer: Die Popfarm ist ein Traumpartner in diesem Projekt gewesen, und wir freuen uns, dass das große Engagement für Musik und Jugendliche, das sie gezeigt hat, gewürdigt wird.

Wie kamen Sie auf die Idee "Marie Rockt!" und worum ging es?

Kernbach: Inspiriert ist "Marie Rockt!" von dem amerikanischen Spielfilm "School of Rock" mit Jack Black, indem ein Musiker eine Schulklasse in eine Rockproduktion verwandelt. Daraus hat meine Frau ein Konzept für eine Schulprojektwoche geschrieben. Es hat dann aber Jahre gedauert, bis wir mit der Marie-Kahle-Gesamtschule einen Partner gefunden haben, der furchtlos genug war, ein solches Experiment zu wagen. Dass dann gleich die ganze Schule mitmachen würde und obendrein die Schüler die Projekte selbst leiten würden, ist dann in der gemeinschaftlichen Planung des Projekts entstanden.

Wie kam es zur Zusammenarbeit von Schule und Popfarm?

Kernbach: Unser Sohn Paul ist Marie-Kahle-Schüler, und auf einem Elternabend haben wir der Bonner Künstlerin Frau Sidika Kordes von der Idee erzählt. Sie hat uns dann mit der Schulleitung zusammengebracht.

Warum sind Ausdrucksformen wie Musik und Schauspiel für die Schüler wichtig?

Kernbach: Popmusik und Tanz sind Ausdrucksformen der Jugend. Sie bieten einen niederschwelligen Zugang zu Kultur, sie kennen keine Grenzen durch Sprache, Religion oder Hautfarbe. Popmusik ist dadurch ein ideales Tool für Inklusion und Integration. "Marie Rockt!" als Spiegelbild einer kompletten Konzertproduktion hat den Schülern zusätzlich Einblick in zahlreiche Berufe gewährt, die mittelbar und unmittelbar mit Musikkonzerten in Zusammenhang stehen. Vom Tontechniker bis hin zum Security-Dienst wurde alles von den Schülern selbst geleistet.

Kreutzer: Viele Schülerinnen und Schüler denken heute noch gerne an dieses Projekt und fragen, wann wir so etwas noch einmal machen. Wir hatten gemeinsam so viel Spaß, und viele Schülerinnen und Schüler haben sich selbst als wirklich erfolgreich und wichtig in diesem Projekt erlebt. Es war einfach sehr schön zu sehen, was wir gemeinsam alles so schaffen können.

Wie muss man sich vorstellen, dass eine ganze Schule, also 600 Kinder und Jugendliche, einen Konzertbetrieb auf die Beine stellen?

Kernbach: Es ist gigantisches Tohuwabohu, das allerdings durch die exzellente Organisation der Schule und ihrer Lehrer am Ende auf den Punkt zu einem Bild zusammengewachsen ist. Beschreiben lässt sich der Prozess kaum, man muss es einmal erlebt haben.

Kreutzer: Als wir einmal ins kalte Wasser gesprungen waren, mussten wir eben schwimmen.

Nennen Sie ein paar der Arbeitsgruppen.

Kernbach: Es gab natürlich Bands, Rapper und Tänzer, aber auch eine Pressegruppe, Bühnenbilder, Tontechnik, Bühnenbau, Hausmeisterei, Management, Kostencontrolling, Catering usw..

Wie haben sich die Schüler für die einzelnen Arbeitsgruppen gefunden?

Kernbach:´Das Projekt wurde vorgestellt, und jeder konnte sich für eine Gruppe entscheiden.

Wie oft wurde "Marie Rockt!" am Ende aufgeführt, und wer von der Landesregierung hat es sich angeschaut?

Kernbach: Es gab am Schulfest insgesamt drei Vorführungen, die Landesregierung war meines Wissens nach nicht zugegen. Der Preis ist uns für das Konzept und die Ausführung verliehen worden, die wir natürlich umfassend dokumentiert haben.

Kreutzer: Allerdings waren die Bezirksregierung Köln mit unserer Dezernentin Maria Dorn vertreten. Sie war begeistert.

Wie haben Sie die Preisverleihung erlebt?

Kernbach: Eine solche Prämierung ist natürlich eine große Ehre. Der Preis "Auf dem Weg in das Kinder- und Jugendkulturland NRW" wird für besondere Kooperationen zwischen Künstlern, Kulturpädagogen und öffentlichen Einrichtungen verliehen. "Marie Rockt!" ist ganz sicher ein tolles Beispiel dafür, dass so etwas möglich ist und bemerkenswerte Ergebnisse erzielen kann.

Welche weiteren Projekte stehen nun an der Marie-Kahle-Schule an? Vielleicht demnächst auch wieder in Zusammenarbeit mit der Popfarm?

Kernbach: Das nächste gemeinsame Projekt steht bereits im Raum. Anlässlich der Einweihung des neuen Schulgebäudes im Herbst 2016 planen wir miteinander eine Musikrevue. Aber hier stehen wir mit den Planungen noch ganz am Anfang!

Kreutzer: Es wird immer wieder gemeinsame Arbeiten geben. Wir hatten nämlich viel Spaß bei unserer gemeinsamen Arbeit. Und wir haben ja gesehen, dass wir einiges zusammen hinkriegen.

Zur Person

Sabine Kreutzer leitet seit der Gründung 2009 die Marie-Kahle-Gesamtschule. Die 48-Jährige unterrichtet Englisch und Latein.

Michael Kernbach ist Musiker, Autor und Produzent. Der 49-Jährige begann seine Karriere in den 90er Jahren als Bassist und Texter von Guildo Horn. Er textete den Nummer-Eins-Hit "Der Steuersong (Las Kanzlern)" aus der Gerd-Show und ist unter anderem ausgezeichnet mit dem Echo, Viva-Comet und der goldenen Stimmgabel. Seit 2007 leitet er mit seiner Partnerin Anke Beuth die Bonner Popfarm, eine Schule für Rock - und Popmusik.bot

Infos auf www.popfarm.de und www.marie-kahle-gesamtschule.de

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