Kommentar zum WCCB-Defizit: Eine Aufgabe für den Bund

Kommentar zum WCCB-Defizit : Eine Aufgabe für den Bund

Dass ein Kongresszentrum nicht gewinnbringend zu betreiben ist, überrascht zwar niemanden. Aber neun Millionen Euro sind für eine hoch verschuldete Stadt in Finanznot eine schwere Bürde, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Rund neun Millionen Euro jedes Jahr: So hoch ist der Preis, den Bonn für sein World Conference Center zu zahlen hat. Dass ein Kongresszentrum nicht gewinnbringend zu betreiben ist, überrascht zwar niemanden. Und auch die Dimension des Jahresdefizits hat der GA schon vor Jahren in dieser Größenordnung aufgrund von Schätzwerten vermutet. Aber nun liegen die Planzahlen der Stadt vor, und die werden den einen oder anderen Bürger wohl schockieren. Ehrlicherweise ist dabei auch die Abschreibung erfasst, denn das Gebäude nutzt sich ab, verliert an Wert, muss irgendwann saniert werden.

Neun Millionen Euro sind für eine hoch verschuldete Stadt in Finanznot – eingeschnürt von stetig wachsenden Personalkosten, explodierenden Sozialausgaben und millionenschwerem Sanierungsstau – eine schwere Bürde. Natürlich werfen die Kongresse im WCCB die berühmte Umwegrendite ab. Wie groß der Effekt für Hotels, Gastwirte, Händler, Taxifahrer und andere Branchen jedoch wirklich ist, lässt sich nicht exakt messen.

Die Präsenz der Vereinten Nationen in Bonn kann man andererseits nicht in Euro umrechnen. Als die Bundesregierung 2002 mit der Stadt den Bau des Kongresszentrums vereinbarte, ging es darum, den deutschen UN-Standort zu stärken. Heute wird am Rhein daran gearbeitet, eine Welt, in der Hunger, Unterdrückung, Kriege und Naturzerstörung an der Tagesordnung sind, in kleinen Schritten besser zu machen. Darauf dürfen die Bonner stolz sein. Die Vereinten Nationen sind zudem ein Magnet für andere internationale Organisationen in der Stadt – und machen es dem Bund (hoffentlich) schwerer, einen möglichen Komplettumzug aller Ministerien anzustreben.

Berlin hat für das WCCB schon viel getan. Der Bund gab hohe Millionensummen für die Fertigstellung des Gebäudes und die Rücklage, spendierte die Baugrundstücke und stellte den alten Plenarsaal zur Verfügung. Und ja: Dass die jährliche Belastung für Bonn so hoch ist, hat auch mit dem kostentreibenden Bauskandal um das Kongresszentrum zu tun, den die damalige Stadtspitze mitverschuldet hat. Und trotzdem: Wegen der internationalen Bedeutung des UN-Standorts sollte der Bund auch das jährliche WCCB-Defizit mitfinanzieren. Das wäre ein lohnendes Ziel, mit dem die Stadt in die anstehenden Verhandlungen über einen Bonn-Vertrag als Ergänzung zum Berlin/Bonn-Gesetz gehen könnte.

Mehr von GA BONN