Beute summiert sich auf 90.000 Euro: Einbruchserie vor Gericht in Bonn

Beute summiert sich auf 90.000 Euro : Einbruchserie vor Gericht in Bonn

Eine mutmaßliche Einbrecherbande muss sich jetzt für elf Delikte vor dem Bonner Landgericht verantworten. Ihre Beute summiert sich auf 90.000 Euro.

Im März 2018 hatten sie noch klassisch angefangen: Einfamilienhäuser wurden ausgekundschaftet, später die Fenster aufgehebelt und alles mitgenommen, was sich bei Hehlern zu klingender Münze machen lässt: Schmuck vor allem, aber auch Fernseher, Kaffeeautomat, Laptop oder antikes Geschirr. Nachdem die drei angeklagten Einbrecher und der Chauffeur des Fluchtautos gleich bei den ersten drei Einstiegen in Bonn, Mehlem und in Köln richtig fette Beute gemacht hatten, verabredeten sie sich regelmäßig, um ihre Geldbeutel zu füllen. Dabei soll ein 43-jähriger Angeklagter, der durchaus einige Erfahrung in dem Metier hatte, die Führungsrolle übernommen haben; seinen eigenen Sohn – 22 Jahre alt – hat er auf die Raubzüge mitgenommen.

Spezialisieren wollten sie sich auf Spielautomaten: „100 Mille die Woche“, hatte der Boss ausgegeben, könnten sie machen. So jedenfalls heißt es in der Anklage der Bonner Staatsanwaltschaft. Vor der Bonner Jugendstrafkammer hat das Quartett, das sich seit gestern unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls verantworten muss, am ersten Prozesstag geschwiegen.

Elf Mal sollen sie innerhalb von drei Monaten zugeschlagen und dabei rund 90.000 Euro erbeutet haben. Der dickste Fisch war die Wohnung einer alleinstehenden Dame, wo sie neben 2535 Euro Bargeld auch ganz erlesenen Weißgold-Schmuck und zahlreiche Uhren im Wert von mehr als 40.000 Euro fanden.

Einer der vier angeklagten Täter ist justizbekannt

Allerdings riss die Glückssträhne des kriminellen Starts dann doch ab. Dafür suchte das Quartett ungewöhnliche Einbruchsorte auf: In einem Wirtshauskeller entwendeten sie Spirituosen im Wert von 2500 Euro oder räumten in einem Getränkehandel 80 Kisten Leergut im Wert von 260 Euro ab.

Im Juli 2018 wurden zwei Angeklagte bei einem Einbruch in ein Café in der Bonner Nordstadt festgenommen: Aus dem Keller des Bistros hatten sie bereits Kisten mit Süßwaren vor die Tür gestellt, um sie dann abzutransportieren. Einem Nachbarn kam der nächtliche „Umzug“ verdächtig vor; er alarmierte die Polizei. Der Fahrer der Bande wurde erst später festgenommen, er war während des Einbruchs hinter dem Steuer des Fluchtfahrzeugs eingeschlafen.

Einer der vier angeklagten Täter ist justizbekannt: Der 21-Jährige war bei zwei hochbewaffneten Raubüberfällen auf Edeka-Märkte beteiligt gewesen und ist bereits im September 2018 wegen schweren Raubes zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Die jetzt angeklagten Einbrüche soll er just während des laufenden Prozesses vor dem Landgericht begangen haben. Und nicht nur das: Der 21-jährige soll auch noch, wie gestern im Prozess bekannt wurde, bei einem Raubüberfall auf einen Taxifahrer im September 2017 mitgemacht haben: Mit einer abgebrochenen Bierflasche hatten sie zu dritt den 70-Jährigen bedroht. Seine Mittäter hatten ihn im Prozess verpfiffen.

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