Ausstellung im Bonner Stadthaus: Einblicke in deutsch-irische Kinderschicksale

Ausstellung im Bonner Stadthaus : Einblicke in deutsch-irische Kinderschicksale

Eine Ausstellung im Stadthaus beleuchtet die „Operation Shamrock“, ein weitgehend unbekanntes Hilfsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Eröffnung waren besondere Gäste gekommen.

Herbert Remmel war neun Jahre alt, als er 1946 nach Irland kam. Allerdings nicht freiwillig. Remmel gehörte zu rund 450 Jungen und Mädchen, die eine besondere deutsch-irische Geschichte erlebt haben. Es sind die Kinder der „Operation Shamrock“ (Deutsch: „Operation Kleeblatt“). Dabei handelte es sich um eine irische Hilfsaktion, bei der deutsche Kinder aus der Not der Nachkriegszeit nach Irland geholt wurden und dort zwischen 1946 und 1949 bei Familien lebten.

Remmel gehört zu 14 dieser Kinder, deren Erlebnisse in einer anderen Kultur mit einer fremden Sprache, weit weg von Zuhause, in einer Ausstellung festhalten sind. Auf Initiative der Deutsch-Irischen Gesellschaft Bonn (DEIRGE) und in Zusammenarbeit mit der Stadt ist die Ausstellung im Foyer des Stadthauses zu sehen.

„Die 'Operation Shamrock' ist ein kaum bekanntes Zeugnis von Mitmenschlichkeit und Humanität“, sagte DEIRGE-Präsident Peter Dietsch bei der Ausstellungseröffnung. Die Iren hätten so etwas wie eine genetische Veranlagung zum Helfen und Geben, meinte Monica Brandis. Die Journalistin hat die Ausstellung konzipiert.

Große Geschichte und kleine Leute

Auf 14 Tafeln hat sie Aussagen und Erlebnisse der damaligen Kinder zusammengetragen. Sie interessiere sich sehr dafür, wie die große Geschichte das Leben der kleinen Leute beeinflusst, so Brandis. Ihren Recherchen nach hätten die Jungen und Mädchen überwiegend gute Erfahrungen in Irland gemacht. Für viele Kinder sei dann auch die Rückkehr nach Deutschland schwierig gewesen. Manche seien gar dauerhaft in Irland geblieben.

Remmel blieb dort bis 1949. Zusammen mit Hans Peter Boden, einem anderen ehemaligen „Operation Shamrock“-Kind, war er nach Bonn gekommen, um zu berichten. Bei der Ankunft 1946 in der irischen Hafenstadt Dún Laoghaire hätten zahlreiche Menschen gewartet, um die deutschen Kinder herzlich zu empfangen, sagte Remmel, heute 82 Jahre alt. Über Zwischenstationen sei er auf einen Bauernhof in der Grafschaft Mayo im Westen des Landes gekommen.

Heimweih als Trauma

Trotz einfacher Verhältnisse sei es ein Traum gewesen, so Remmel. „Ich habe mich nicht als Flüchtling gefühlt und wurde vom ersten Tag an integriert.“ Aber natürlich gab es auch Heimweh. Davon berichtete Boden, heute 79 Jahre alt, sichtlich bewegt. Obgleich auch er gute Erfahrungen in Irland gemacht habe, begleite ihn Heimweh als Trauma sein Leben lang.

Die Ausstellung „Die Kinder der 'Operation Shamrock'“ ist bis Dienstag, 25. Juni, im Stadthausfoyer zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

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