Neubau der A 565: Ein Trog für den Tausendfüßler?

Neubau der A 565 : Ein Trog für den Tausendfüßler?

Durch den Neubau des Tausendfüßlers (A 565) zwischen den Anschlussstellen Endenich und Tannenbusch wird es für Verkehrsteilnehmer und Anlieger voraussichtlich ab 2019 zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen.

Das ergibt sich aus einer ersten Präsentation, die Wilfried Caspari vom beauftragten Planungsunternehmen Schüßler am Mittwochabend im Planungsausschuss vorstellte.

Tatsächlich müssen auf der etwa 630 Meter langen Strecke drei Bauwerke erneuert werden: Der eigentliche Tausendfüßler zusammen mit der Anschlussstelle Tannenbusch, die südliche Brücke – nach einer alten Straße auch Dransdorfer Weg genannt – sowie das sogenannte Überwerfungsbauwerk, also der Abschnitt über den Bahngleisen am Propsthof.

Der Aufwand beim Abbruch ist unterschiedlich. Während der eigentliche Tausendfüßler konventionell abgebrochen werden kann, muss am Dransdorfer Weg zunächst die massive Verbundplatte in Teile geschnitten und per Kran ausgehoben werden. Erst danach können die Hohlkästen darunter herausgehoben oder herausgeschoben werden.

Für den Neubau muss zunächst seitlich eine zweispurige Behelfsfahrbahn angelegt werden. Dann werden nacheinander beide Fahrtrichtungen abgerissen und neu aufgebaut. Die Ersatzfahrbahn kann dabei entweder neben der aktuellen Trasse gebaut werden. Denkbar ist auch, eine Fahrtrichtung nach Osten beziehungsweise Westen zu verschieben. Dann könnte zunächst eine neue Fahrbahn errichtet werden. Die Behelfsstraße für die Gegenrichtung würde dann auf der Fläche der bisherigen Trasse entstehen. Für die Behelfstrasse und für die nun beschlossene Verbreiterung von vier auf sechs Spuren wird seitlich deutlich mehr Platz benötigt.

Die sogenannte Mittellage folgt der jetzigen Brückenkonstruktion. Betroffen sind hierbei vor allem Gebäude am Propsthof und in der Siemensstraße sowie das Tierheim.

Wird die Trasse nach Westen verschoben, entstehen ebenfalls Überschneidungen am Propsthof, der Siemensstraße sowie am Tierheim. Auch an der Brühler Straße und am Meisenweg wären Häuser betroffen, die künftig entweder unter der Brücke stehen würden oder ganz weichen müssten.

Bei einer östlichen Verschiebung wären unter anderem Gebäude am Dickobskreuz betroffen. Auch die Abfahrt Tannenbusch über der Brühler Straße wäre tangiert.

Auf der von täglich mehr als 100 000 Fahrzeugen genutzten A 565 werde es während der Bauzeit kaum zu zusätzlichen Verzögerungen kommen, glaubt der zuständige Bereichsleiter bei Straßen NRW, Helmut Frings. Die Autobahn biete schon jetzt nur die Qualitätsstufe F. Das steht für „stehenden Verkehr“. Allerdings müssen die Auf- beziehungsweise Abfahrt Tannenbusch für den Neubau länger gesperrt und neu angelegt werden – mit gravierenden Folgen für die innerstädtische Verkehrsbelastung, weil sich die Betroffenen dann von Endenich beziehungsweise über den Verteilerkreis durch die Innenstadt bewegen müssen.

Die Strecken der Bahn und der Stadtbahn sowie die kreuzenden städtischen Straßen würden für die Bauarbeiten jeweils nur kurzfristig unterbrochen, versprach Frings. Auch der Rheindorfer Bach werde erhalten. Verschiedene Behelfsbrücken werden dafür nötig.

Ob der Neubau wieder als Brücke beziehungsweise Damm realisiert wird oder die Straße in einem Trog mit oder ohne Deckel versenkt wird, ist noch unklar. Zu den Mehrkosten und dem womöglich höheren Zeitbedarf einer sogenannten Tieflage konnten Caspari und Frings am Mittwoch noch keine Angaben machen. Die Versenkung böte Vorteile beim Lärmschutz und der Schadstoffbelastung der Anlieger. Straßen, Bahn und Rheindorfer Bach würden den Autobahntrog dann auf neuen Brücken überqueren.

Bis September will Straßen NRW sich auf eine Trassenführung festlegen und anschließend die Frage des Hoch- oder Tiefbaus klären. Im September 2017 soll dann das Planfeststellungsverfahren beginnen, damit zwei Jahre später die Bauarbeiten starten können. Ende 2021 könnte der Neubau stehen, glaubt Caspari. Die Zeit drängt. Wie berichtet darf der 1959 errichtete Tausendfüßler ab 2022 wegen mangelnder Stabilität nicht mehr befahren werden. Um die Arbeiten zu beschleunigen und mit den übrigen Verkehrsprojekten in der Region abzustimmen, soll ein gesonderter Koordinator bei Straßen NRW in den kommenden Jahren den direkten Kontakt zur Stadtverwaltung sicherstellen.