Elvis Presley in Bonn: Ein Büro für den „King of Rock'n'Roll“

Elvis Presley in Bonn : Ein Büro für den „King of Rock'n'Roll“

Die Elvis-Presley-Gesellschaft hat ihre Zentrale in Bonn-Graurheindorf. Es ist der größte deutschsprachige Elvis-Fanclub weltweit. Ein Besuch im King-Büro.

Maria Hesterberg arbeitet mit und für Elvis Presley. Während die 51-Jährige an einer Broschüre arbeitet, läuft im Hintergrund leise eine Ballade des King of Rock'n'Roll. Die Wände ihres Büros sind flächendeckend mit Fotos, Plakaten und Merchandise-Artikeln bedeckt. „Ich brauche das Gefühl, dass ich ganz in diese Welt eintauchen kann“, erklärt sie und ergänzt, „im richtigen Berufsalltag ist meine Welt eine ganz andere, daher brauche ich diese Inspiration.“ Der Alltag als Leiterin des Bildungszentrums der Universitätsklinik Bonn ist an diesem Ort zweitrangig. In ihrem schrill-chaotischen Büro ist sie Koordinatorin, Netzwerkerin und Vorsitzende der Elvis-Presley-Gesellschaft (EPG) und vor allem Fan.

Der Verein ist nach eigenen Angaben der größte deutschsprachige Elvis-Fanclub weltweit. Die Zentrale hat Hesterberg in ihrem Wohnhaus in Bonn-Graurheindorf eingerichtet. Hier entstehen das Mitgliedermagazin „Graceland“, das alle zwei Monate erscheint sowie zahlreiche Angebote für die Fangemeinschaft. Gerade arbeitet sie an der Werbung für das European-Elvis-Festival, das die Gesellschaft seit 2010 zusammen mit der Stadt Bad Nauheim veranstaltet, wo Elvis in den 60ern während seiner Militärzeit lebte.

Stolz zählt sie die Namen vergangener und aktueller Teilnehmer auf, darunter Weggefährten von Elvis wie seinen Freund Jerry Schilling oder seine Musikerkollegen der TCB Band. Bei deren Tour ist die EPG inzwischen für den Verkauf von Merchandise-Artikeln zuständig und wirbt nebenher fleißig neue Mitglieder. „Wir sind nicht die Art Fans, die im weißen Overall und angeklebten Kotletten herumlaufen“, sagt Hesterberg. „Uns geht es um den Künstler Elvis."

Interview mit Priscilla Presley

Das sei auch bei der Kontaktaufnahme für Interviews und Events hilfreich. Noch vor kurzem hätte Hesterberg Priscilla Presley interviewt. Selbst wenn die EPG einen guten Ruf genieße, wäre sie über die Offenheit und Freundlichkeit der Exfrau von Elvis überrascht gewesen. Ihr nächstes Zusammentreffen wird dann im November das Elvis-Konzert mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra in London sein, zu dem die EPG mit einigen Mitgliedern fliegen wird. Priscilla ist Teil dieses ungewöhnlichen Konzertes, bei dem der King auf Leinwand eingespielt wird.

Ein echtes Live-Konzert ihres Idoles ist Maria Hesterberg leider verwehrt geblieben. Nur ein Jahr nachdem die damals Elfjährige die Musik des Amerikaners für sich entdeckte, verstarb er. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, erzählt sie. Dann seien die ganzen negativen Schlagzeilen gekommen und sie hätte sich in der Schule blöde Sprüche anhören müssen. „Es war nicht gerade einfach in den 80ern Fan von Elvis zu sein.“

Ähnlich ging es auch der Bonnerin Erika Broichmann in den 60ern. Für ihre Eltern war Rock’n’Roll und Blues ein rotes Tuch. Das hielt den Fan der ersten Stunde nicht davon ab, das Taschengeld für eine Single zu sparen oder alle Bilder aus Zeitschriften zu sammeln. Als Elvis dann für seinen Militärdienst nach Deutschland kam, war Erika gerade 13 Jahre alt. „Ich habe bitterlich geweint, als mein Vater mich nicht nach Bad Nauheim fahren wollte.“ Am liebsten sei sie getrampt. Es blieb bei Kinobesuchen, wo sie ihr Idol auf der Leinwand erleben konnte. Dafür schwänzte sie auch öfter die letzte Schulstunde.

Mit "Teddybear" war es um sie geschehen

1978 wurde schließlich die Elvis-Presley Gesellschaft gegründet. Zwei Jahre später trat Erikas Tochter Claudia Broichmann dem Verein bei. Nachdem ihre Mutter ihr den Song „Teddybear“ vorgespielt hatte, war es auch um sie geschehen. Mit einer Postkarte im Stiefel und einer Schallplatte ihrer Mutter besuchte sie wiederum ihre Freundin Maria Hesterberg. So wurde auch die heute Vorsitzende der Gesellschaft mit dem Elvis-Virus infiziert. Im Verein seien sie daher auch wie eine große Familie, erzählt Hesterberg.

Eines ihrer Projekte bezeichnen sie daher schon scherzhaft als „Patenkind“: Sammler und Fan Andreas Schröer betrieb bis vor zwei Jahren ein Elvis-Museum in der Düsseldorfer Altstadt, nun sucht er einen neuen Ort für seine Exponate. Vielleicht findet er eine geeignete Location in der Museumsstadt Bonn. Die Zentrale der deutschen Elvis-Fankultur hat hier jedenfalls schon ein Zuhause.

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