UN-Campus Bonn: Ehrenamtliches Engagement effektiver machen

UN-Campus Bonn : Ehrenamtliches Engagement effektiver machen

Josefine Ulbrich ist vom UNV-Programm überzeugt. So konnte sie nach dem Studienabschluss aktiv an der Entwicklungsarbeit teilnehmen. Zusammen mit 150 freiwilligen Helfern tauschte sie bei einer Konferenz ihre Erfahrungen aus.

Die Arbeitsbedingungen von Entwicklungshelfern sind hart, wie Andreas Altmann erfahren musste. Er war als Freiwilliger für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Nordwesten Afghanistans, sollte dort Menschen vor Ort in landwirtschaftlichen Angelegenheiten beraten. „Wir hatten aber zehn Wochen lang Stromausfall.“ Selbst kleinste Strecken wurde er mit dem Auto gefahren, aufs Dach seiner Unterkunft durfte er nicht, wegen der Scharfschützen. Nach vier Monaten wurde er evakuiert, weil die Lage kritisch wurde.

Jetzt hat er ein anderes Projekt, es geht um die Folgen des Klimawandels auf den Salomon-Inseln. Aktuell ist er aber in Bonn, er nimmt an der Konferenz „International Volunteering Cooperation Organizations 2016“, kurz IVCO, teil, die auf dem UN-Campus im ehemaligen Abgeordnetenhaus stattfindet. Sie begann am Sonntag mit einem Empfang, bis Mittwoch gibt es Vorträge, Diskussionsrunden und mehr. Dabei trifft er auf rund 150 andere Freiwillige, die für verschiedene Organisationen tätig sind. Veranstaltet wird die Konferenz von der GIZ und dem Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV), die beide Mitglieder des „Forum for Volunteering in Development“ sind.

Volunteers geben der UN ein menschliches Gesicht

„Die Rolle der Freiwilligen wird in Zukunft immer wichtiger werden“, sagte GIZ-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Preuß. Die GIZ arbeite in mehr als 100 Ländern weltweit auf Regierungs-, Bezirks- und Kommunalebene, erreiche aber viele Teile der Bevölkerung nicht. Die würden von den Freiwilligen angesprochen. Die Volunteers gäben den Vereinten Nationen zudem ein menschliches Gesicht, sagte Richard Dictus, Executive Coordinator des Freiwilligenprogramms.

So wie Josefine Ulbrich, die nach ihrem Abschluss in Friedens- und Konfliktstudien in Kasachstan Jugendprogramme ins Leben rief und in Afghanistan in einer Anti-Korruptions-Agentur arbeitete. Wie kam sie dazu? „Nach dem Abschluss wollte ich aktiv an der Entwicklungsarbeit teilnehmen. Das UNV-Programm war ideal: Ich konnte mit Jugendlichen zusammenarbeiten“, sagte sie.

Für Ibrahim Turay aus Sierra Leone war der Bürgerkrieg, der in seinem Land elf Jahre lang wütete, der Antrieb für sein Engagement. „Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen.“ Er habe in einem Camp angefangen, wo den Menschen Unterhaltung und Betreuung fehlten, und ging später als Freiwilliger für die UN nach Somalia. Er wolle dort nachhaltig etwas bewirken, sagte er.

Freiwilligenarbeit in fragilen Ländern schaffen

„Aufgabe der Freiwilligen ist es, die Systeme widerstandsfähiger zu machen, damit sie nicht mehr so fragil sind“, erklärte der „Forum“-Vorsitzende Chris Eaton. Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften durch freiwilliges Engagement gegenüber globalen Risiken ist das Hauptthema der Konferenz. Dafür suche man verantwortungsbewusste Menschen mit bestimmten Fähigkeiten. „Viele wollen als Volunteers teilnehmen. Für uns ist es aber teuer, jemanden im Ausland zu stationieren. Deshalb müssen wir sicher sein, dass es die richtigen sind.“ Die Messlatte dafür sei sehr hoch, fügte Preuß hinzu.

Von der Konferenz erwarten die drei Freiwilligen sich hauptsächlich den Erfahrungsaustausch mit Menschen von anderen Organisationen. „Mich interessiert auch, welche Strategien entwickelt werden können, um Freiwilligenarbeit in fragilen Ländern zu schaffen“, sagte Ulbrich. Turay erhofft sich, neue Netzwerke zu schaffen. Und Altmann hofft, „über Perspektiven diskutieren zu können und darüber, wie man ehrenamtliche Arbeit effektiver machen kann“.

Mehr von GA BONN