Kinderschutzbund sucht Paten: Ehrenamtliche Helfer unterstützen Familien

Kinderschutzbund sucht Paten : Ehrenamtliche Helfer unterstützen Familien

Der Bonner Kinderschutzbund ist auf der Suche nach neuen ehrenamtlichen Bezugspaten. Diese begleiten Familien in ihren Alltag, unterstützen sie aber etwa auch bei Behördengängen.

Berufstätig als Ärztin in Köln und selbst Mutter von drei Kindern im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren, ist der Alltag von Birgit Groten eigentlich straff organisiert. Trotzdem nimmt sie sich regelmäßig Zeit für andere. Seit mittlerweile elf Jahren begleitet und betreut Birgit Groten als ehrenamtliche Bezugspatin des Bonner Kinderschutzbundes Familien, die Hilfe und Unterstützung im Alltag benötigen. "Ich lebe ein privilegiertes Leben und wollte einfach etwas an andere weitergeben", erklärt die Ärztin.

Birgit Groten ist eine von 15 Paten, die vorrangig Familien in Dransdorf begleiten. Der Kontakt entsteht in der Regel über den Eltern-Kind-Treff. "In Gesprächen erfahren wir viel über die Lebenssituation der Menschen und finden schnell heraus, wenn jemand Hilfe braucht. Manchmal werden wir auch um konkrete Unterstützung in speziellen Lebenssituationen gebeten", erklärt Annabelle Lorenz, Erzieherin im Eltern-Kind-Treff. Anfang des Jahres startet nun ein neuer Qualifizierungskurs für ehrenamtliche Bezugspaten. "Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will", sagt Maria Feigen-Herrmann vom Kinderschutzbund. "Ob Studenten, Rentner, Berufstätige, Männer oder Frauen." Allerdings legt der Kinderschutzbund Wert darauf, dass die "Chemie" stimmt. "Wichtigste Voraussetzungen für eine Patenschaft sind Verlässlichkeit, Engagement und Einfühlungsvermögen. Und unsere Paten sollten Zeit haben. Denn oftmals werden die Familien über einen längeren Zeitraum begleitet", so Lorenz.

Birgit Groten hat in den vergangenen elf Jahren drei Familien begleitet. Derzeit besucht sie regelmäßig eine alleinerziehende Mutter mit sieben Kindern. "Ich spiele mit den drei Kleinsten, und wir unternehmen etwas zusammen. Für die Kinder ist es wichtig, dass sie auch einmal im Mittelpunkt stehen. Ich nehme mir einmal in der Woche Zeit für sie", erzählt sie. Nicht ganz so einfach war es in ihrer ersten Familie. Damals kümmerte sie sich um einen autistischen Jungen aus Afrika. "Die Familie war mit dem Kind vollkommen überfordert. Ich habe mich dann darum gekümmert, dass der Junge die notwendige Therapie und Behandlung bekommen hat", erinnert sich Birgit Groten zurück.

Die Einsatzdauer eines Bezugspaten richtet sich nach dem Bedarf in der Familie, sollte aber in der Regel nicht über zwei Jahre hinausgehen. Für viele Familien sind diese freiwilligen Helfer ein "Türöffner" zu anderen sozialen Hilfssystemen, da sie sie beispielsweise auch bei Behördengängen unterstützen und so dazu beitragen, Schwellenängste abzubauen. "Aber es gilt der Leitgedanke Hilfe zur Selbsthilfe", betont Groten. "Manchmal begegnet uns Skepsis, manchmal Dankbarkeit. Für mich als Patin ist diese Arbeit auf jeden Fall sehr erfüllend", ergänzt sie. Ein Gefühl, das auch die 24-jährige Studentin Sarah kennt: "Wenn ich Kinder sehe, die mich mit ihren neugierigen Augen anschauen, dann ist das ein wunderbares Geschenk, wovon ich lange zehren kann. Für mich ist diese Art des ehrenamtlichen Engagements eine ganz tolle Erfahrung."

Wichtig sei allerdings, dass die ehrenamtlichen Helfer Nähe und Distanz pflegen. Aber nicht nur die Familien brauchen Hilfe, manchmal sind auch die Helfer darauf angewiesen. "Wir bieten regelmäßig Teamtreffen und Fallbesprechungen an, damit auch die Paten mit anderen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse reden können", versichert Maria Feigen-Herrmann.

Wer Bezugspate werden möchte und sich für den neuen Qualifizierungskurs Anfang 2020 interessiert, der kann sich bei Ulla Baumgärtner-Schmäing unter der Telefonnummer 02 28/2 49 56 37 melden.

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