Ehepaar Hagen aus Bonn: Ansprüche auf Erbe verjährt - Verschwunden seit 25 Jahren

Verschwundenes Paar aus Bonn : Anspruch auf Erbe von Millionärs-Ehepaar Hagen verjährt

Im Fall des verschwundenen Millionärsehepaars streiten sich Doris Hagens Bruder und ihr Sohn. Die Ansprüche auf das Erbe sind mittlerweile verjährt.

Seit mehr als 25 Jahren sind Winfried und Doris Hagen verschwunden. Der Fall um das Beueler Millionärsehepaar wurde nie aufgeklärt. Ihr Sohn, der schnell als Hauptverdächtiger im Fall seiner 2015 für tot erklärten Eltern galt, wurde Alleinerbe des Vermögens. Seit November befand er sich mit dem Bruder seiner Mutter im Rechtsstreit. Der Bruder zog vor das Bonner Landgericht, und der Sohn legte beim Kölner Oberlandesgericht Berufung ein. Dort wurde nun ein Urteil gefällt: Geltend gemachte Ansprüche auf das großväterliche Erbe, insgesamt rund 100 000 Euro, stehen dem Sohn nicht zu.

Das Geld, um das es nun ging, ist das Erbe von Doris Hagens Vater. Der hatte seinem Sohn - ihrem Bruder - am 12. Dezember 1974 als Vorauserbe seinen Immobilienbesitz in Sankt Augustin übertragen. Er wurde per notarieller Urkunde dazu verpflichtet, Tochter Doris Hagen, beziehungsweise deren Erben, nach seinem Tod zehn Jahre lang monatlich 1000 D-Mark als Ausgleich zu zahlen.

Im Mai 1992 starb der Vater - zwei Jahre später, am 13. Juli 1994, verschwanden seine Tochter und ihr Mann Winfried aus ihrem Haus in Beuel-Heidebergen spurlos. Die beiden wollten zu ihrer Yacht nach Holland fahren, kamen dort jedoch nie an. Die Polizei hatte in dem Anwesen gepackte Reisetaschen gefunden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Ehepaar Hagen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Und für sie steht nach wie die Frage im Raum: War der Sohn darin verwickelt? Der Verdacht hatte sich jedoch nie bestätigt, die Ermittlungen gegen den Sohn waren eingestellt worden. Nachdem seine Eltern für tot erklärt worden waren, hatte er das Millionenerbe angetreten und war ins Ausland gegangen.

Wie der heute 80-jährige Bruder von Doris Hagen schon im Prozess im November versicherte, habe er gleich nach dem Tod seines Vaters einen Dauerauftrag eingerichtet. Damit habe er seiner Schwester Doris nicht nur monatlich die zugesagten 1000 D-Mark überwiesen, sondern sogar 2500 D-Mark, weil er das mit dem Vater kurz vor dessen Tod vereinbart habe. Nach dem Verschwinden seiner Schwester habe er den Dauerauftrag dann geändert und das Geld wie vereinbart bis 2002 auf das Konto seines Neffen als Erben überwiesen. Denn obwohl der im Verdacht stand, etwas mit dem Verschwinden seiner Eltern zu haben, habe er zu ihm gehalten.

Damit habe der Onkel den notariellen Vertrag erfüllt. Doch genau das bestritt der 53-jährige Neffe. Er forderte unter Berücksichtigung des Wertverfalls des Geldes seit 1974 für zehn Jahre die gesamte Summe, und zwar 107 371 Euro. Das Schriftstück erhielt der Onkel Ende Mai vergangenen Jahres als sofortige Zwangsvollstreckung.

Daraufhin reichte der Onkel Klage bei der 1. Zivilkammer des Landgerichts ein, um die Vollstreckung für unzulässig erklären zu lassen. Zudem stellte er einen Antrag auf Einstellung, bis es eine Entscheidung der Richter gab. Das Gericht stellte das Verfahren der Zwangsvollstreckung ein, weil "hinreichende Erfolgsausichten" im Hauptverfahren für den Onkel bestünden. Und schließlich bekam er Recht. Ihm fehlten zwar Belege wie Kontoauszüge, die nur zehn Jahre aufgehoben werden müssen. Allerdings hatte der Onkel eidesstattliche Erklärungen von Ehefrau und Tochter sowie weitere Dokumente überreicht.

Der Streit war aber noch nicht beendet: "Der Sohn legte Berufung beim Oberlandesgericht ein", wie Sprecher Ingo Werner erläutert. Die Richter kamen nun zu dem Schluss, dass die Ansprüche verjährt seien. "Es gibt verschiedene Verjährungsfristen, die bis zu 30 Jahre zurückreichen können", so Werner. In diesem Fall befanden die Richter aber eine Klausel als zutreffend, die für zeitlich wiederkehrende Leistungen gelte - und die betrage nur drei Jahre. Die Zahlungen seien aber schon 2002 abgegolten gewesen. "Warum der Sohn von Doris Hagen die Ansprüche erst so spät stellte, ist unklar", sagt Werner. Der Streitfall sei damit so gut wie abgeschlossen. Denn in ihrem Beschluss haben die Richter die Revision nicht zugelassen. Hiergegen könne der Sohn allenfalls Nichtzulassungsbeschwerde beim nächsthöheren Gericht, dem Bundesgerichtshof, einlegen. Die Frist dafür endet Anfang Oktober.

Aktenzeichen: OLG Köln 19 U 44/19

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