Auf dem Weg in den Süden: Dutzende Störche legen Rast in Bonn ein

Auf dem Weg in den Süden : Dutzende Störche legen Rast in Bonn ein

In Bonn und der Region lassen sich in diesen Tagen einige Störche auf ihrer Reise in den Süden nieder. Dass man sie zum Teil in immer größeren Gruppen sieht, ist auch ein Zeichen für die steigende Population.

Rund 30 Weißstörche haben sich am Montagmorgen auf einem Hausdach in Bonn-Dransdorf niedergelassen. Nicht die einzige Gruppe, die aktuell in Bonn und der Region beobachtet wird. Die Tiere sind auf dem Weg in den Süden und haben hier eine kurze Rast eingelegt. "30 Tiere auf einmal sind schon eine große Anzahl, vor allem in der Stadt. Das ist ein Zeichen für ein gutes Brutjahr", sagt Heinz Kowalski vom Nabu NRW. Er geht davon aus, dass die Tiere in den kommenden Tagen noch häufiger anzutreffen sind. "Die jungen Störche sind mitunter noch nicht stark genug für den langen Flug in den Süden und kräftigen sich hier noch einmal. Sie sammeln Nahrung auf den Feldern", so Kowalski. Gerade auf den abgeernteten Feldern gibt es viele Mäuse, an die die Störche nun gelangen können.

Die heimischen Weißstörche sind aber schon in den vergangenen Tagen gen Süden aufgebrochen. "Die Störche, die jetzt in Bonn zu sehen sind, sind in der Regel Tiere aus Norddeutschland und den Niederlanden, die auf dem Weg nach Spanien sind", sagt Michael Jöbges, Leiter der AG Weißstörche der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft. Vom Westen Deutschlands ziehen die Tiere weiter über Spanien und Gibraltar bis nach Afrika. "Viele der Tiere überwintern mittlerweile aber auch in Spanien und fliegen nicht mehr weiter." Das liegt auch am reichhaltigen Nahrungsangebot in Spanien. Neben Eicheln bedienen sich die Tiere auf den Müllhalden im südspanischen Extremadura.

"Die Populationen der Westzieher, also der Störche, die die westliche Route in den Süden nehmen, nimmt eindeutig zu. Das ist etwas tolles", sagt Jöbges. Die westliche Route bringt für die Tiere viele Vorteile: ein großes Nahrungsangebot, geringere Distanzen und eben die Möglichkeit, in Spanien zu bleiben. Anders sieht es bei der Ostroute aus, auf der die Tiere aus Ostdeutschland nach Afrika reisen. Diese Tiere fliegen über den Bosporus, durch Israel über den Sudan zum Teil bis nach Südafrika. "Die großen Distanzen und der zum Teil illegale Abschuss der Tiere in einigen Ländern der Ostroute sind für die Tiere problematisch", so Jöbges. Die Population der Ostzieher sei auch daher rückläufig.

Feuchtwiesen helfen bei der Nahrungssuche

Im vergangenen Jahr gab es laut Nabu kein gutes Brutjahr. "Auch wenn immer vom trockenen Sommer und Herbst 2018 die Rede ist, so hat gerade das nasse Frühjahr der Brut nicht gut getan", sagt Kowalski. Dieses Jahr sei dies aber anders. "Wir sind am Ende der Brutzeit, deshalb liegen uns noch keine aktuellen Bestandszahlen vor. Aber die Tendenz sieht sehr gut aus", bestätigt Jöbges. Um die Population auch weiterhin zu steigern, setzt sich der Nabu für den Erhalt und den Anbau von Feuchtwiesen ein. Dort lassen sich Kleinsäuger und Amphibien nieder, von denen sich Störche ernähren. "Nistplätze gibt es genügend in Deutschland, das ist kein Problem. Immer häufiger nisten die Tiere auch in Bäumen", sagt Jöbges.

Viel wichtiger sei es dagegen, das Nahrungsangebot wie eben durch Feuchtwiesen zu fördern. "Als Einzelperson kann man da nicht wirklich viel ausrichten", erklärt Kowalski. Einen Horst auf seinem Dach zu installieren, hält er für unnötig. "Den nehmen die Tiere wahrscheinlich nicht an. Weißstörche brüten gerne zusammen. Wenn sich in direkter Nachbarschaft schon ein Paar niedergelassen hat, ist es wahrscheinlicher, dass sich weitere Paare in der Nähe ansiedeln", so der Nabu-Experte. Heißt für alle Bonner: Genießen Sie in den nächsten Tagen den Anblick der Tiere. Die Einrichtung eines Nistplatzes für ihre Rückkehr lohnt sich nicht. Den Weißstörchen in Westdeutschland geht es auch so wieder gut.

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