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Zu hoher Altersdurchschnitt: Drei Bonner Chören gehen die Sänger aus

Zu hoher Altersdurchschnitt : Drei Bonner Chören gehen die Sänger aus

Hohes Durchschnittsalter und hohe Fixkosten: Drei Bonner Chöre mussten jetzt die Konsequenzen ziehen. Die Gesangsvereine in Röttgen, Lengsdorf und Dransdorf haben sich aufgelöst.

Zum Abschluss präsentierte sich der Kammerchor Röttgen noch einmal stimmgewaltig: Mit Werken von Mozart und Haydn verabschiedete sich das Ensemble in der Pfarrkirche von seinen Fans und treuen Konzertbesuchern. „Das war schon ein sehr trauriger Tag für alle“, gesteht Christoph Bartscher, der mehr als 20 Jahre lang im Vorstand des Kammerchors Röttgen aktiv war. Aber: „Nach reiflicher Überlegung haben wir entschieden, uns Ende Februar aufzulösen – obwohl der Chor in Röttgen fast 50 Jahre eine feste Institution war. Die Vernunft hat am Ende gesiegt.“ Aufgrund der Altersstruktur und der hohen Fixkosten habe man sich schweren Herzens zu diesem Schritt entschlossen.

Ein weiteres Problem: Den Chören gehen die Sänger aus. „Vor allem die Männerstimmen fehlen“, sagt Bartscher. Zuletzt gehörten dem Kammerchor rund 40 Sänger an, allerdings waren darunter nur zwölf Männer. „Um anspruchsvolle Konzerte zu geben, müssen wir jedoch auf eine gute Besetzung zurückgreifen können“, erklärt er.

Dieses Dilemma kennt man auch im Nachbarort Lengsdorf. Ende 2018 löste sich dort ebenfalls der „Gesangsverein Liederkranz Bonn-Lengsdorf 1862/1876“ auf. „Wir haben zwar noch versucht, diesen Schritt durch eine Kooperation hinauszuzögern, letztendlich hatten wir aber keine andere Wahl“, erklärt der langjährige Vereinsvorsitzende Dieter Joest.

Vor allem die Altersstruktur ist das Problem

Doch nicht allein der fehlende Nachwuchs, sondern vor allem die Altersstruktur des Vereins sei ein Problem gewesen. „Unser Altersdurchschnitt lag bei 80 Jahren. Wir haben einfach keine jungen Sänger gefunden.“ Zum Schluss zählte der Liederkranz gerade einmal 25 Mitglieder. „Vor Jahren hatten wir mehr als 50 Männer“, so Joest. „Für viele Lengsdorfer gehörten die wöchentlichen Proben zum Alltag. Wir hatten Mitglieder, die teilweise 40, 50 oder 60 Jahre dabei waren.“

Zwar würden die öffentlichen „Mitsing-Aktionen“ in Gaststätten stets gut besucht, „an einen Verein will sich heute kaum noch einer binden“, beobachtet Joest. Das bestätigt auch Christoph Bartscher. „Mitglied in einem Chor zu sein, ist eine Kombination aus Freude und Verpflichtung. Man muss sich darauf verlassen können, dass alle regelmäßig kommen.“ Doch genau das könne man heute kaum noch voraussetzen.

„Wir haben wirklich keine Gelegenheit ausgelassen, um für den Kammerchor zu werben. Letztendlich hat alles nicht genutzt“, sagt Bartscher. Zudem gebe es in der Region sehr viele gute Chöre. „Um sich abzuheben, muss man schon einiges leisten“, ergänzt er. Das Repertoire ist ebenfalls oft nicht mehr nach dem Geschmack der Masse. „Heute will das Publikum Pop oder Gospels hören. Da ist es nicht einfach, wenn man sich mit Klassikern positioniert“, konstatiert Joest.

Jahrelang hat der „MGV Frohsinn Bonn-Dransdorf 1921“ ebenso versucht, neue Mitglieder zu gewinnen, um auf Dauer zu überleben. „Aber ohne Erfolg“, resümiert Heinz Günter Klein. In Dransdorf hatte man letztendlich ebenfalls keine andere Wahl, als den Verein Anfang des Jahres aufzulösen, zumal es dort nur noch zwölf aktive Sänger gab. „Das war ein schleichender Prozess, der am Ende tödlich endete“, erklärt Klein. Bei der Mitgliederversammlung hätte sich dann eine überwältigende Mehrheit für die Auflösung entschieden.

In Lengsdorf hat man mittlerweile einen neuen Weg gefunden, um die bestehenden Sozialkontakte nicht aufzugeben. „Wir treffen uns jetzt regelmäßig zum Stammtisch“, sagt der ehemalige Vorsitzende. Allerdings nicht zum Singen, „sondern zum Klaafen“. Das machen die Dransdorfer ebenfalls. Dort gibt es jetzt einmal im Monat einen Stammtisch der ehemaligen „Frohsinn“-Sänger.