Smart City: Diskussion über digitale Vernetzung der Stadt Bonn

Smart City : Diskussion über digitale Vernetzung der Stadt Bonn

Die Smart-City-Projekte sollen die Stadt digital revolutionieren. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch noch einige Hürden. Ein Knackpunkt ist das Personal.

Es klingt wie ein Geniestreich: Eine einzige App fürs Smartphone könnte schon 2019 das Leben der Bonner vielfältig vereinfachen. Das Programm weiß, wann welche Mülltonne vors Haus gestellt werden muss. Es erinnert an den gebuchten Theaterabend in den Godesberger Kammerspielen. Ja, es warnt sogar, dass der Bus dorthin wegen einer Umleitung fünf Minuten früher als geplant abfährt. Und nebenbei kann man damit auch den nächsten Spanisch-Kurs bei der Volkshochschule buchen, ihn gleich bezahlen sowie über die Zukunft des Frankenbades online abstimmen.

Für Silja Lorenzen ist das alles mehr als Zukunftsmusik. „In Tel Aviv gibt es ein ähnliches Produkt. Innerhalb eines Jahres hatte es jeder zweite Einwohner auf dem Smartphone“, sagt die Konzept-Chefin der Kölner Multimedia-Agentur aduniqe. Mit Förderung der Stadt Bonn, des Digital Hubs und weiterer Partner möchte sie ein „lokales Facebook“ für Bonn aufbauen – vernetzt mit lokalen Partnern wie Stadtwerken, Entsorgungsbetrieben, Veranstaltern – aber maßgeschneidert auf jeden Nutzer. „Wer nicht mit der Bahn fährt, der braucht kein Fahrplanmodul“, sagt sie. Noch fehlt indessen das Geld zur Realisierung des ambitionierten und für Deutschland völlig neuartigen Produktes – ein Betrag im höheren sechsstelligen Bereich.

Das Beispiel der Smart-City-App zeigt: Im Thema digitale Vernetzung im lokalen Umfeld steckt viel Musik drin. Es gibt eine Vielzahl von Ideen und Projekten. Große Würfe, die das Leben der Bonner kurzfristig auf den Kopf stellen, sind indes nicht in der Pipeline. Und der nötige Schutz der Nutzerdaten wird zu einem gravierenden Hemmnis. Zu diesem Ergebnis kam eine Diskussion zu Stand und Akteuren der Smart-City-Idee am Dienstagabend in der Volkshochschule. Unter konstruktiv-kritischer Moderation von Michael Lobeck diskutierten Vertreter von Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft über den Stand der häufig als revolutionär angepriesenen technischen Entwicklungen.

Stadt-Homepage wird neu gestaltet

Sven Hense, Leiter der IT Anwendungen bei der Stadtverwaltung, kündigte für September eine überarbeite Fassung der umfangreichen Seite www.bonn.de an. Vom Informationsportal wolle man verstärkt zur Interaktion übergehen. So werden derzeit alle PDF-Formulare in echte interaktive Formulare umgewandelt, mit denen Bürger künftig viele Anliegen direkt von zu Hause oder aus dem Büro erledigen können. Auch ein elektronisches Bezahlsystem werde integriert. Allerdings werde das System nicht so schlau sein wie technisch möglich, weil beispielsweise Personendaten des Meldewesens nicht in anderen Bereichen genutzt werden dürften.

Ein weiterer Knackpunkt: das Personal. Gerade in Bonn tut sich die Stadt bei der Akquise von IT-Fachleuten schwer und will demnächst neue Wege beschreiten. Letztlich müsse der Stadtrat entscheiden, wie viel Geld in die digitale Stadtverwaltung investiert werden solle. Eva Schweitzer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung warnte vor überzogenen Erwartungen. Der Einbau von Smart Metern zur besseren Kontrolle des Energieverbrauchs bringe Einsparungen von durchschnittlich drei Prozent – die Einbaukosten noch nicht eingerechnet. Im Bereich der Verkehrslenkung sieht sie dagegen großes Potenzial.

Victoria Appelbe, Wirtschaftsförderin der Stadt Bonn, sieht in smarter Digitalisierung einen Standortvorteil bei der Ansiedlung von Unternehmen, da Mitarbeiter digitale Angebote vor Ort zu schätzen wüssten. Allerdings benötigt die Flut der Daten nicht nur große Rechnerkapazitäten und viel Energie. Auch die Sicherheit der Systeme kann niemand garantieren. Die Erfahrungen der letzten zwei, drei Jahre seien „erschreckend“, bekannte Hense.

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