Rathausgespräch der VHS: Diskussion über die Stadtgesellschaft

Rathausgespräch der VHS : Diskussion über die Stadtgesellschaft

"Bonn hat einen großen Wandel hinter sich, und immer wieder werde ich gefragt, wie die Stadt das verkraftet hat", sagte gestern Abend Michael Lobeck auf dem Podium im Alten Rathaus. Beim zweiten Rathausgespräch der Volkshochschule ging es um die Stadtgesellschaft, wie sie sich entwickelt hat und zukünftig entwickeln wird. Wichtigstes Thema war die Gentrifizierung.

Frauke Burgdorff, Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume, konnte von Erfahrungen aus bisherigen Projekten in Köln-Kalk, das von seiner Struktur mit Tannenbusch und Dransdorf zu vergleichen sei, erzählen. "Die Stadtteile brauchen eine echte politische Vertretung, damit die Interessen derer gewahrt sind, die dort wohnen", sagte sie.

An Stadtbaurat Werner Wingenfeld richtete Moderator Lobeck die Frage, wie die Stadt das prognostizierte Bevölkerungswachstum von 11,5 Prozent bis 2030 bewältigen wolle. Lobeck befürchtete, dass im begrenzten Bonner Raum die Wohnungspreise weiter steigen würden.

"Die Stadt hat eine wirkungsvolle Handhabe, wenn sie aktiv in den Markt einsteigt und Immobilien erwirbt", so Wingenfeld. Dadurch könne bezahlbarer Wohnraum angeboten werden. Ein wichtiges Stichwort war die solidarische Stadtgesellschaft, in der Burgdorff jeden Bürger in der Pflicht sah. "Der Einzelne muss nicht nur für sich, sondern auch für das Gemeinwohl sorgen", sagte sie. Dafür bekam sie vom Publikum Applaus.

Nach der Diskussion auf dem Podium kamen die mehr als hundert Teilnehmer zu Wort. So fragte eine Bürgerin, wie es sein könne, dass manche Entscheidungen über Jahre verzögert würden. Stadtbaurat Wingenfeld begründete das mit den vielen verschiedenen Interessen, die sich gegenseitig behinderten. Burgdorff sprach Klartext: "Da muss die Ansage kommen, dass Einzelinteressen hier nicht willkommen sind."

Grundsätzlich müsse in den Beteiligungsverfahren mehr Vertrauen aufgebaut werden. Unverständnis äußerte ein Bürger über die Pläne für das Viktoriakarree. "Das ist der schleichende Verkauf des Tafelsilbers." Wingenfeld verteidigte die bisherigen Prozesse. Damit nicht noch mehr von der Oberzentrumsfunktion an das Umland verloren werde, brauche Bonn ein "attraktives Update". "Ich habe das Gefühl, dass es hier in Bonn nur noch um Festspielhaus und Belanglosigkeiten geht", machte sich ein weitere Frau Luft. Sie vermisste ein Profil an Bonn.

Was ist Gentrifizierung?

Gentrifizierung ist ein schon älteres Schlagwort, das die deutsche Öffentlichkeit aktuell vor allem aus Berlin kennt. Alteingesessene, nicht immer wohlhabende Bürger müssen weichen, wenn Wohlhabende Immobilien kaufen und renovieren. Stadtstrukturen verändern sich, Segregationsprozesse, also eine Entmischung der Vielfalt, schreiten voran.