Ab März 2020 mit neuer Kirchenleitung: Dietmar Pistorius wird neuer Superintendent

Ab März 2020 mit neuer Kirchenleitung : Dietmar Pistorius wird neuer Superintendent

Bei der Synode des Kirchenkreises Bonn setzt sich der Troisdorfer Pfarrer gegen die Bonnerin Wibke Janssen durch. Der Pfarrer aus Troisdorf erlangte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und wird im März auf Eckart Wüster folgen.

Dietmar Pistorius (53) ist am Samstag auf der Herbstsynode des evangelischen Kirchenkreises Bonn, für viele überraschend, zum Superintendenten für 58 000 Protestanten im Stadtbezirk Bonn, in Alfter und Bornheim gewählt worden.

Der Troisdorfer Pfarrer erlangte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und wird im März auf Eckart Wüster folgen, der nach 19 Jahren in Ruhestand geht. „Ich freue mich auf die Herausforderung und werde auch mit meiner Mitbewerberin, Pfarrerin Wibke Janssen, gut zusammenarbeiten“, erklärte der vierfache Familienvater. Zuvor hatten sich beide der Synode gestellt und mit pointierter, zuweilen kämpferischer Argumentation einen überzeugenden Eindruck hinterlassen.

80 000 Euro für die Flüchtlingsarbeit

Bei der Befragung durch die Synodalen war spürbar, dass viele Frauen für die schon im Bonner Kreissynodalvorstand mitentscheidende Janssen stimmen würden. Pistorius aus dem Kirchenkreis An Sieg und Rhein wurde mit fordernderen Fragen konfrontiert. „Vielleicht hat mein Blick von außen den Ausschlag gegeben“, sagte der 53-Jährige später. Pistorius hatte sich als erfahrener Gemeindepfarrer mit Zusatzqualifikation Mediator präsentiert. „Ich will die geistliche Leitung übernehmen und nicht Aufsichtsrat sein.“ Dabei wolle er auf eine gute Kooperation mit dem Kreissynodalvorstand und der Landeskirche bauen. „Die Synode bleibt für alles in Steuerungsfunktion.“

Den demografischen Wandel und Mitgliederschwund werde man nicht stoppen können. Aber man müsse die „Kirche als etwas, was über den Sonntagsgottesdienst hinaus allen gehört“, aufstellen. Die 20- bis 35-Jährigen sollen mit neuen Formaten ins Boot geholt werden. „Wir müssen digitaler werden, jeden Sonntag ein Livestream-Gottesdienstangebot haben“, forderte Pistorius. Zur Ökumene wünschte er sich, mit der Katholischen Kirche eine gemeinsame Gottesdienstpraxis für gemischtkonfessionelle Familien zu erreichen. Der katholische Stadtdechant Wolfgang Picken gratulierte in einer Pressemitteilung. „Im Miteinander sind wir als Kirchen besonders stark“, schrieb Picken. „Das bedeutet, wir sollten überall dort zusammenarbeiten, wo es möglich ist, und zugleich aber die Unterschiede respektieren und als Bereicherung verstehen.“

Pistorius versprach, in der Gesellschaft in sozialen Fragen die Stimme der Evangelischen Kirche zu erheben und die Kooperation von Diakonie und Caritas zu stützen. Wie wäre es, wenn der Kirchenkreis 2021 mit kreativen Ideen zum Jahr der Meinungsfreiheit, gegen Rassismus und Antisemitismus erheben würde, fragte er und schlug beim Umweltschutz eine Energiegenossenschaft der drei Bonner Kirchenkreise vor. Auf GA-Nachfrage nach der künftigen Struktur der drei Kirchenkreise antwortete Pistorius, darüber müsse beraten werden. Er sei aber „kein Freund von Megalösungen“. „Bonn muss auch mit den Flächengemeinden der anderen beiden Kirchenkreise solidarisch bleiben.“

Das Kirchenparlament beschloss, die Arbeit von zwei Flüchtlingskoordinatorinnen fortzusetzen. Der Kirchenkreis stellt dafür 2020 und 2021 insgesamt 80.000 Euro bereit. Die Synode verabschiedete einen ausgeglichenen Doppelhaushalt 2020/2021 und wählte als neuen Stellvertreter des Superintendenten Pfarrer Uwe Grieser, als erste Vertreterin für den Kreissynodalvorstand Pfarrerin Caroline Tippmann.

Mehr von GA BONN