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Verabschiedung von Direktorin Lenz in der Liebfrauenschule: "Diese Schule hat viele Frauen stark gemacht"

Verabschiedung von Direktorin Lenz in der Liebfrauenschule : "Diese Schule hat viele Frauen stark gemacht"

Wenn eine Schulleiterin sagt, dass sie überhaupt nicht gerne in den Ruhestand geht, dann muss sie ihre Schule lieben. Brigitte Lenz ist so eine Schulleiterin.

Nach fast 19 Jahren nahm die 65-Jährige gestern als Direktorin der Erzbischöflichen Liebfrauenschule in der Südstadt im Rahmen einer Messe in der Elisabethkirche und eines anschließenden Festaktes in der Schulaula an der Königstraße Abschied von ihren Schülerinnen, Kollegen und den Eltern.

Ihre Wehmut kann Lenz kaum verbergen, als sie kurz vor dem Festakt in der Aula ein letztes Mal mit Schulträgervertreter Prälat Gerd Bachner ihr Direktorenzimmer betritt. "Ja, ich habe meine Arbeit getan", sagt sie und lässt den Blick durch den hellen Raum schweifen. Ein halbes Leben liegt hinter ihr. Viele Mädchengenerationen hat die studierte Germanistin und Historikerin zum Abitur geführt. "Ich habe meinen Beruf als Lehrerin über alles geliebt", sagt sie noch einmal. "Diese Schule hat viele Frauen stark gemacht."

Lenz hat der Schule, die 1917 gegründet wurde, ein modernes, junges Gesicht gegeben. Das traditionelle Konzept "Mädchenschule" konnte sich unter ihrer Leitung mit spezifisch auf Mädchen ausgerichteten Lehr- und Lerninhalten als modernes Gymnasium in der Bonner Schullandschaft etablieren: Als jetzt erneut ausgezeichnete MINT-Schule, aber auch durch die Kooperation mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen, besonders der Telekom-Stiftung, die die Durchführung der Junior-Ingenieur-Akademie ermöglicht hat.

"Frau Lenz nimmt jede einzelne Schülerin in den Blick, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Diesem Prinzip sieht sich die Schule auch in Zukunft verpflichtet", würdigte Walburga Kiggen-Freidel, stellvertretende Schulleiterin, die scheidende Direktorin.

Dem Lob schloss sich Schulpflegschaftsvorsitzender Rainer Schulte an: "Frau Lenz war die große Konstante im schulpolitischen Auf und Nieder der vergangenen Jahre. Sie zeigte Engagement, Disziplin, Beharrlichkeit angesichts aller bildungspolitischen Widrigkeiten und hatte das breiteste Kreuz der ganzen Schulgemeinschaft."

Er habe größten Respekt vor ihrer Zivilcourage, die sie jederzeit und vor allem immer im Kampf um ihre Schülerinnen gezeigt habe. Die Schülersprecherinnen Johanna Deutsch und Pauline Führ hatten extra für ihre Direktorin gedichtet: "Wir wünschen Ihnen alles Liebe dieser Welt, Sie sind unbezahlbar! Unsere Chefin, unser Held!"

Die Hände in den Schoß legen wird Lenz ab heute sicherlich nicht. Die Mutter zweier erwachsener Kinder will sich vor allem um ihre Enkel kümmern. Auch habe die Frauenunion in ihrer Heimat Brühl angefragt, ob sie den Vorsitz übernehmen wolle. "Das werde ich wohl tun", sagt sie. Am 1. Februar wird Mechthild Wolber aus Neuss die Nachfolge von Lenz an der Liebfrauenschule antreten.