Salafismus: Diese Projekte gegen die Radikalisierung gibt es in Bonn

Salafismus : Diese Projekte gegen die Radikalisierung gibt es in Bonn

Vier Präventions- und Aussteigerprojekte stellen ihre Konzepte gegen die weitere Ausbreitung des Islamismus vor. Die Bonner Vorgehensweise ist in Deutschland einzigartig.

Die Radikalisierung von Jugendlichen bereitet nicht nur Eltern und Angehörigen, sondern auch Schulen, Einrichtungen und Bonner Bürgern große Sorge. Dass besonders der islamistische Extremismus in Europa auf einen immer fruchtbarerem Nährboden fällt, gehört – in Form von Angriffen und Anschlägen – und zugleich weiter steigenden Gefährderzahlen zu den schmerzhaften Erfahrungen der jüngsten Zeit. Seiner Ausbreitung unter Jugendlichen will der Staat bekanntlich vorbeugen.

So auch in Bonn, wo sich auf Einladung der Stabsstelle Integration und des Quartiersmanagements Neu-Tannenbusch im Bildungs- und Familienzentrum „Vielinbusch“ vier Projekte und Anlaufstellen präsentierten. Gleich zu Beginn erklärte Coletta Manemann als Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn, dass die Präventionsprojekte weder etwas mit Polizei oder Landeskriminalamt, noch mit Verfassungs- oder Staatsschutz zu tun haben. Als es 2012 die ersten Ausschreitungen mit extremistischem Salafismus in Bonn gegeben hatte, habe man erst einmal überlegen müssen, wie man damit überhaupt umgehen solle. „Vieles ist noch im Aufbau und wir haben schon eine Menge an Erfahrungen gesammelt“, sagte Manemann.

Viele Muslime aus Tannenbusch, Auerberg und Dransdorf

Auch Mokhtar Bennoune sei „zu Anfang ins kalte Wasser geschmissen geworden“, wie er sagte. Seit 2014 ist er Ansprechpartner im Programm „Wegweiser“, das sich an das soziale Umfeld von gefährdeten Jugendlichen und an Betroffene selbst richtet. „Das Anfrageaufkommen ist sehr hoch“, sagte Bennoune. Es komme zu etwa 60 Prozent von Muslimen aus Tannenbusch, Auerberg und Dransdorf. „Mehr oder weniger als Einzelkämpfer“ arbeitet eigenen Angaben zufolge Islamwissenschaftler Kaan Orhon in Bonn für die Beratungsstelle „Hayat“, die sich ursprünglich in Berlin als Ausstiegsinitiative für hochradikalisierte Neonazis gegründet hatte. Er werde meist kontaktiert, „wenn die ideologische Festigung bereits besteht und ‚das Kind schon in den Brunnen gefallen ist‘.“ Dabei berät und begleitet er auch im terroristischen Zusammenhang verurteilte Straftäter, die auf Bewährung aus der Haft entlassen worden sind.

Präventionsarbeit in Bad Godesberg leistet das Projekt „Ma’an – Miteinander“ der Otto-Benecke-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem muslimischen Haus der Generationen-Verein. Projektleiter Bernd Loschnig bildet Mentoren aus, die in ihrer Community eine Gegenstimme bilden können. Das Besondere sei, dass man aus einer Moschee-Gemeinde heraus arbeitet. „Ma’an“ leistet sein Angebot in dem Mehlemer Gebetshaus des Vereins „Haus der Generationen“, wo sich die Klientel aufhalte. Diese Vorgehensweise sei in Deutschland einzigartig und trage in Berlin auch die Bezeichnung „Bonner Modell“. „Denn die große Schwierigkeit bei Prävention“, sagte der Projektleiter, „ist ja immer die Frage, wie man an die Zielgruppe kommt.“

In einem kurzen Abriss schilderte Suhel El Khatib von „18-Grad-Wende“, wie es zur Radikalisierung eines muslimischen Jugendlichen gekommen ist. Wenig Zuwendung, Familienprobleme, Alkohol, Drogen, Shisha und Laptop – so lauteten die genannten Zutaten für die Gefahr einer Radikalisierung durch extremistische Salafisten. El Khatib bildet unter jungen Zugewanderten Mentoren und Multiplikatoren aus, die Muslime ermutigen, wieder selbstbestimmt als Teil unserer Gesellschaft zu handeln.

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