McDonald's war die Miete zu hoch: Diese Läden in der Bonner Innenstadt schließen

McDonald's war die Miete zu hoch : Diese Läden in der Bonner Innenstadt schließen

Die Burger-Filiale am Markt ist geschlossen. H&M macht an der Remigiusstraße zu. Signa sucht im Viktoriakarree neue Mieter.

24 Jahre lang haben die Bonner bei McDonald's am Markt Pommes und Burger bestellt. Nun hat die kleine Filiale für immer geschlossen. Und noch ein Laden, der vor allem junge Kundschaft anzieht, macht Ende des Jahres zu: Es ist die H&M-Filiale an der Remigiusstraße. Schon mehr als zehn Jahre ist der Schweden-Textiler in den Räumen der früheren Gaststätte „Zum Bären“ zu Hause. Veränderungen bahnen sich offensichtlich auch im Viktoriakarree an.

Ob Touristen, Einkaufsbummler, Rathausbesucher oder Berufstätige, die sich in der Mittagspause schnell was zum Essen holen wollten: Stets knubbelte es sich in dem winzigen Verkaufsraum des Schnellrestaurants am Markt. „Wir haben Ketchup im Blut und Tränen in den Augen, weil wir am Markt 9 Tschö sagen müssen“, ist auf großen Lettern an der Eingangstür zu lesen.

Miete war McDonald's zu hoch

Hans Hahne, der sechs McDonald's-Filialen in Bonn und der Region betreibt, bedauert die Schließung. Es gebe mehrere Gründe, warum er das Geschäft dort nicht aufrechterhalten konnte, erzählte er. „Die Ladenfläche war zu klein, um dort unsere neue Konzeption umsetzen zu können.“ Neu sind beispielsweise Computer-Terminals, an denen Kunden ihre Bestellung eingeben können. „Ich habe inzwischen alle meine Filialen umgestellt“, sagte Hahne. Als zweiten entscheidenden Grund nannte er die aus seiner Sicht zu hohe Mietpreisforderungen seines Vermieters. „Da war für mich die Schmerzensgrenze erreicht“, räumte der Gastronom freimütig ein.

Eine Entwicklung, die in der Vergangenheit auch andere Geschäftsleute in der City zur Schließung gezwungen hatte. „Wir sind selbst Vermieter einer Immobilie und ich kann verstehen, dass ein Vermieter nichts zu verschenken hat“, sagte Karina Kröber vom Verein City Marketing. Andererseits müsse sich jeder Hausbesitzer bewusst machen, dass der Schuss nach hinten losgehen könne. „Irgendwann bleiben die Mieter weg, auch Filialisten, und die Innenstädte werden unattraktiv. Mietverträge sollten deshalb immer mit Weitsicht geschlossen werden“, rät Kröber.

Ob die Schließung von H&M an der Remigiusstraße/Ecke Acherstraße auch mit zu hohen Mietforderungen des Eigentümers der Immobilie zu tun hat, ließ eine Sprecherin der Modekette offen. In dem Gebäude war einst die älteste Bonner Gaststätte „Im Bären“ beheimatet. Sie schloss 2003 nach mehr als 300 Jahren Schankbetrieb. „Die Umsatzentwicklung in diesem Geschäft ist seit mehreren Jahren rückläufig“, sagte die Sprecherin.

Auch der Puppenkönig in der Gangolfstraße hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt. Das Traditionsgeschäft wird im November nach mehr als 100 Jahren in Bonn schließen. Das hatte der Eigentümer Anfang Januar bestätigt. Das Fachgeschäft P+M Elektronik schloss Ende Dezember. Es war 40 Jahre lang Ziel von Technik-Fans.

Nach dem Protest der Bürgerbewegung werden neue Pläne abgestimmt

Ob es demnächst Neueröffnungen im Viktoriakarree entlang der Rathausgasse zu feiern gibt, ist noch offen: Jedenfalls hat der Eigentümer der Gebäude, das Immobilienunternehmen Signa, einen Immobilienmakler mit der Vermietung der leer stehenden Ladenlokale beauftragt, wie großflächige Plakate an den oftmals mit Graffiti beschmierten Schaufensterscheiben verkünden.

Signa, ein Unternehmen des österreichischen Karstadt- und Kaufhofbesitzers René Benko, wollte im Viktoriakarree ein Einkaufszentrum und eine Bibliothek für die Universität errichten. Die Bürgerinitiative Viva Viktoria startete ein Bürgerbegehren, um den Verkauf der städtischen Flächen des Viktoriakarrees zu stoppen. Der Stadtrat, der die Flächen ursprünglich an Signa verkaufen wollte, trat 2015 mit Mehrheit dem Bürgerbegehren bei. Eine Bürgerwerkstatt erarbeitete anschließend, wie berichtet, neue Pläne, die laut Stadt Bonn zurzeit mit Signa und anderen Eigentümern von Immobilien im Karree abgestimmt würden. Von Signa war am Freitag zum aktuellen Stand keine Stellungnahme zu erhalten.

Dennoch gibt es in Bonn auch Neueröffnungen. Ab April öffnet das Unternehmen „mey“ mit Sitz in Albstadt an der Bonngasse nahe der Sternstraße einen Store für Damen- und Herrenwäsche. Quasi nahtlos ineinander übergegangen ist der Wechsel von der Modeboutique Wunderhaus zum Store „American Vintage“ am Remigiusplatz – gleich neben Samen Schmitz.

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