Ein Stück Kino-Geschichte: Diese Kinos gab es früher in der Bonner Innenstadt

Ein Stück Kino-Geschichte : Diese Kinos gab es früher in der Bonner Innenstadt

Ein Rundgang mit dem Kinemathekgründer und Filmwissenschaftler Stefan Drößler durch die Bonner Innenstadt zeigt, wie viele Kinos es in der Vergangenheit gab. Der Historiker ist auch Gründer der Bonner Stummfilmtage.

Mit dem Filmwissenschaftler Stefan Drößler stellte Norbert Volpert von den Bonner StattReisen „ein Stück Bonner Stadtgeschichte“– wie er ihn nannte – vor, obwohl der Initiator der Bonner Stummfilmtage bereits seit 20 Jahren in München lebt.

Dem StattReisen-Verein war es zu seinem 30. Jubiläum gelungen, mit Drößler den Gründer der Bonner Kinemathek und heutigen Direktor des Münchener Kino-Museums in einer Riege von 30 prominenten Jubiläums-Stadtführern dafür zu gewinnen, einen zweistündigen Stadtrundgang durch die Bonner Kinogeschichte anzubieten. Mehr als 80 Interessierte trafen sich an der Stelle, wo noch bis 2001 das Gangolf-Kino zu finden war. Heute ist in dem Gebäude ein Bio-Markt untergebracht.

„Ich habe es als eine Schande empfunden, als das Gangolf geschlossen wurde“, erinnerte sich Drößler. Der Käufer des Gangolfs habe damals den Bestandsschutz mit dem „einfachen Trick“ umgehen können, das Kino für tot zu erklären und ein Internet-Café mit dem Argument zu eröffnen, das er es als „modernes Kino der Zukunft“ bezeichnete. Drei Jahre später zählte das Café allerdings schon zur Vergangenheit. Wo gegenüber seit 1910 das Victoria-Theater zu finden war, eröffnete 1954 in dem heutigen Volksbankbau das Woki, das sich schon früh mit einem anspruchsvollen Programm behaupten konnte.

Der damalige Betreiber des heutigen Wokis am Bertha-von-Suttner-Platz, das damals noch Universum hieß, kaufte den Namen des Gangolf-Wokis, weil er darauf baute, von dem guten Image des Kinos profitieren zu können. „In den 50er Jahren gab es noch die Akis und die Wokis“, erklärte Drößler die Abkürzungen für Aktualitäten- und Wochenschau-Kinos, die sich meist in Bahnhofsnähe befanden und einen Non-Stopp-Einlass gewährten. Das Programm lief dort in Endlosschleife. Neben der Leinwand war meist eine große Uhr, damit man die Abfahrtszeit der Bahn nicht verpasste. Das Woki am Bahnhof wurde zu einem der drei umsatzstärksten Kinos in ganz Deutschland.

Hansa-Kino war in der heutigen Kaiserpassage

„Man hatte im Woki ein raffiniertes Programmkonzept“, beschrieb Drößler den Erfolg mit einem täglichen Non-Stopp-Programm von neun bis 19 Uhr. „Abends lief dann Filmkunst wie ‚Alexis Zorbas‘ oder ‚Tod in Venedig‘.“ Die Filmklassiker seien immer ausverkauft gewesen. Mit Ablauf des 30-jährigen Mietvertrags kam das Ende des Wokis in der Gangolfstraße. „Kaum einer weiß“, so Drößler, dass die Kaiserpassage einmal ein Kino war. 1978 eröffnet und durch die Passagenerweiterung 1999 zurückgedrängt. Noch heute kann der Filmhistoriker in der Passage die Balkone des ehemaligen Hansa-Kinos erkennen, das 1999 zugunsten der Geschäftsmeile ausziehen musste.

„Am Münsterplatz gab es keine Kinos“, sagte Drößler auf dem Weg zum Marktplatz, wo er viele Details über den Versuch, das Metropol-Kino zu retten, erzählte. Ursprünglich stand dort das Hotel zur Sonne mit einem Varieté, das zum Sonnen-Kinema wurde. 1926 wurde es abgerissen und an gleicher Stelle das Metropol gebaut, das dann drei Jahre später als modernstes Kino Deutschlands eröffnen konnte. 1913 waren in direkter Nachbarschaft schon die Stern-Lichtspiele in Betrieb – zunächst in einem Festsaal des Stern-Hotels. „Es war das erste seriöse Kino für die bürgerlichen Schichten“, beschrieb Drößler das Theater, in dem 1929 mit ‚Atlantis‘ der erste deutsche Tonfilm vorgeführt wurde.

Direkt daneben befand sich bis 2013 mit dem Filmstudio das bisher letzte Bonner Kino, das geschlossen wurde. Rund 100 Jahre zuvor wurde ebenfalls in der Nachbarschaft zum Stern-Hotel das Union-Theater am Markt 30 geschlossen. In der Bonngasse fünf machte Drößler auf das erste Kino Bonns aufmerksam, das 1907 als Universell-Theater eröffnet und schon fünf Jahre später wieder schließen musste. Acht Tage nach der Premiere war es ausgebrannt, was dazu führte, dass auf der Friedrichstraße 23 das Kosmos-Kino aufmachte.

"Die große Zeit des Kinos ist leider vorbei"

„Wolkenkratzer am Bertha-von-Suttner-Platz“ nannte man das 1956 eröffnete Universum, das heutige Woki, das als Besonderheit über eine Wasserorgel vor der Leinwand verfügte. „Man suchte zu der Zeit nach etwas, das dem aufkommenden Fernsehen etwas entgegensetzen konnte“, beschrieb Drößler die Orgel, die zehn Minuten lang vor jedem Film mit buntem Lichtspiel zum Einsatz kam.

Sehr schmucklos sei das Apollo in der Maxstraße gewesen, in dem es jedoch als Besonderheit Raucherlogen hinter Glas gab. Ganz im Gegenteil zu dem 1922 eröffneten Atrium – Modernes Theater in der Sternstraße 54.

„Die große Zeit des Kinos ist leider vorbei“, schließt Drößler fast wehmütig seinen Rundgang durch die Bonner Innenstadt. Mit vielen Hundert Plätzen seien die Kinos damals soziale Orte gewesen, in denen man zusammenkam. Das habe alles nichts mehr mit den heutigen Multiplexen zu tun, sagte Drößler, die er eher als „ferngesteuerte Abspielstätten“ sieht.