Kommentar zum Bonner Nahverkehr: Die Zeit drängt

Kommentar zum Bonner Nahverkehr : Die Zeit drängt

Die weiterhin hohen Verspätungen im öffentlichen Bonner Nahverkehr sind mehr als ein Ärgernis. Die Aufgaben für die Zukunft sind gewaltig. Das Nahverkehr muss wieder zuverlässiger werden.

Die Stadtwerke Bus und Bahn räumten schon im Oktober ein, dass unter kurzfristigen Krankmeldungen bei den Fahrern die Zuverlässigkeit leidet. In der kalten Jahreszeit machen nun vor allem Staus und zähfließender Verkehr den Verkehrsbetrieben zu schaffen. Das macht die Sache aber nicht besser. Der Bonner Nahverkehr steht sicher nicht vor dem Zusammenbruch, das zu sagen, wäre übertrieben. Aber die Lage ist alles andere als rosig angesichts der hehren Ziel für die Zukunft: Den SWB ist es zwar gelungen, rund 70 neue Fahrer einzustellen, aber die Suche nach Mitarbeitern bleibt schwierig. Parallel bereitet man gerade den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis mit Millionenförderungen des Bundes für das Projekt Lead City vor.

Es werden also weitere Fahrer gebraucht, um einen Personalpuffer aufzubauen. An den Straßenbahnen nagt der Zahn der Zeit; Betriebsausfälle konnten Anfang des Jahres nur mit Bussen als Ersatz bewältigt werden. Die Lead-City-Investitionen werden im August 2019 für zunächst zwei Jahre wirksam. Neue Straßenbahnen sind bestellt, die ersten sollen aber erst ab 2020 sukzessive bis 2022 ausgeliefert werden.

Und in eben dieser so wichtigen Phase kündigt Oberbürgermeister Ashok Sridharan seinen baldigen Rücktritt aus dem Betriebsrat der SWB Bus und Bahn an, um der Stadtkämmerin die Aufgaben zu übertragen. Die SWB haben auf politischen Wunsch hin die ersten liniengenauen Analysen der Busse an die Stadt geliefert. Allein kommt das Planungsamt nicht dazu, die enthaltenen Vorschläge für ein schnelleres Durchkommen zu überarbeiten und der Politik zur Abstimmung vorzulegen. Viele Baustellen – und die Zeit drängt. Stadt und Stadtwerke müssen in den kommenden Monaten am Image des öffentlichen Nahverkehrs arbeiten und gerade Umsteigewilligen zeigen, dass sie die große Aufgabe bewältigen können. Der einfachste Weg, dies zu erreichen, ist eine höhere Zuverlässigkeit.

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