Haribo-Gelände in Grafschaft: Die Suche nach dem Schuldigen

Haribo-Gelände in Grafschaft : Die Suche nach dem Schuldigen

Im Grafschafter Rat hadert man mit der Kostenexplosion am Haribo-Gelände: Dass es bei den Terrassierungsarbeiten des Haribo-Geländes im Innovationspark eine Kostenexplosion von satten 112 Prozent gibt (der GA berichtete), bewegt die Gemüter.

Thomas Schaaf, Fraktionsvorsitzender der CDU im Grafschafter Gemeinderat, sprach von einem "Schock" und SPD-Fraktionschef Hubert Münch forderte eine "Aufarbeitung des gesamten Prozesses", die man dem Steuerzahler schuldig sei.

Obwohl die Erdarbeiten am Haribo-Areal in wenigen Wochen viel schneller abgeschlossen werden als ursprünglich geplant, gab es in der jüngsten Ratssitzung eine bitterböse Überraschung. Bürgermeister Achim Juchem musste mitteilen, dass die Terrassierungsarbeiten nicht vier Millionen Euro, wie es die Ausschreibung erwarten ließ, kosten - und auch nicht 5,6 Millionen Euro, wie im Etat vorgesehen. Stattdessen fällt eine Kostensumme von mindestens 8,5 Millionen Euro an, da der Aushub zumindest zur Hälfte aus Felsgestein bestand. Nach der Ausschreibung war man gar davon ausgegangen, mit vier Millionen Euro hinzukommen. Und man freute sich schon darüber, ein "Polster" von 1,6 Millionen Euro zur Verfügung zu haben. Es kam dann aber völlig anders.

Ein mit Bodenproben beauftragter Gutachter war zunächst zu dem Ergebnis gekommen, es befänden sich lediglich 7000 Kubikmeter Gestein in den abzutransportierenden Massen. Tatsächlich waren es dann aber weit mehr als 300 000 Kubikmeter.

"Wie kann man als Gutachter so etwas trotz einer Vielzahl an Sondierungen nicht erkennen?" fragte Thomas Schaaf, der von einer "unerfreulichen Entwicklung" sprach. Er wies darauf hin, dass der Gemeinde die Kosten allerdings auch dann entstanden wären, "wenn man durch Einsatz verlässlicherer Erkundungstechnik von dem vorhandenen Fels bereits bei der Ausschreibung gewusst hätte".

Soll heißen: Ob Fels oder nicht Fels - gebaut worden wäre so oder so. Dennoch müsse man sich nun fragen, ob denn alle Mehrkosten ausschließlich bei der Gemeinde hängen bleiben müssten. Schaaf: "Das sollte strengstens geprüft werden."

Die SPD sprach von einer "verheerenden Auswirkung". Zu klären sei, "wer hierfür die Verantwortung trägt", sagte Hubert Münch. Trotz mehrfacher Baustellenbesichtigungen habe man erst jetzt von der rasanten Kostenexplosion erfahren. Es stelle sich die Frage, ob die Gemeindespitze nicht schon viel früher über das Debakel hätte informieren müssen. Die "falsche Ausschreibung der Bodenklassenmassen" und die daraus resultierende Kostenexplosion sei entweder auf "die mangelhaften Bodenproben-Entnahmen oder auf falsche Interpretationen der Bodenproben durch das beauftragte Ingenieurbüro zurückzuführen", so Münch.

Die "grobe Falschbeurteilung der Bodenverhältnisse" müsse nun der Steuerzahler abfedern. Der SPD-Politiker: "Es muss untersucht werden, wer hier Fehler gemacht hat, womöglich fahrlässig, wer verantwortlich ist und wer für einen möglichen Schaden haftet." Dies sei man dem Steuerzahler schuldig. Ungeachtet dessen stehe man selbstverständlich ohne jeden Vorbehalt zur Haribo-Ansiedlung. Ob nun das Ende der finanziellen Probleme erreicht sei, müsse abgewartet werden, befand Mathias Heeb von den Grünen: "Wir gehen jedenfalls den gemeinsamen Weg weiter."

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