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"Kulturdemo" durch Bonn: Die Subkultur ruft laut nach Freiraum

"Kulturdemo" durch Bonn : Die Subkultur ruft laut nach Freiraum

"Beethoven war Subkultur", war auf einem der Schilder zu lesen, die am Samstag durch die Stadt getragen wurden. Der Demo-Weg führte vom Kaiserplatz am Bahnhof vorbei und durch die Innenstadt zum Marktplatz, wo die Hauptkundgebung stattfand.

"Beethoven war Subkultur", war auf einem der Schilder zu lesen, die am Samstag durch die Stadt getragen wurden. Heute ist der Komponist zweifellos eines der wichtigsten Bonner Markenzeichen. So weit müssen es die Teilnehmer der zweiten Kulturdemo gewiss nicht bringen, aber sie fordern mehr Entfaltungsspielraum.

Was ist Subkultur? "Das ist Kultur, die noch nicht so etabliert ist", erklärte Elvin Ruic von der Zentrale für Freiraum und Subkultur (ZFS), der die Demonstration zusammen mit Lukas Heß organisiert hatte. Zur Hochkultur müsse sie gar nicht werden, aber Freiraum brauche sie doch. Den wünscht sich zum Beispiel die Initiative "Beton für Bonn", die die Halfpipe in den Rheinauen betreibt und dort auch einen Skate-Park einrichten will.

Viel Potenzial, um Jugendkultur zu fördern

"Aus unserer Sicht ist Bonn einfach zu grau und eintönig", sagte Christian Freiburg. Bonn habe viel Potenzial, Jugendkultur zu fördern. Gut 80 Kreative aus Bonn sahen das auf der Demo ähnlich. Vor allem ist ihnen Bonn zu leise, weshalb sie ihren Weg mit lauter Musik zurücklegten. Die Lärmdebatte wird aus Sicht der Veranstalter noch zu zaghaft geführt. Ruic sprach sich für erweiterte kulturelle Nachtnutzungsbedingungen aus und forderte, dass auch kleinere Kulturveranstaltungen zu den "seltenen Ereignissen" gezählt werden. Von der Stadt verlangte er, dass sie notfalls am obersten Gerichtshof gegen die Landesbestimmungen zu Lärmemissionsgrenzen vorgeht.

"So eine Stadt lebt vom Kulturtourismus", sagte er. Die Menschen sollten sich auch in Bonn wohlfühlen, Besucher sich vielleicht für Bonn als Wohnort entscheiden, und dafür seien kulturelle Veranstaltungen wichtig und sollten nicht wegen der Beschwerden einzelner aus Bonn abgezogen werden. Die Ankündigung einiger OB-Kandidaten, die Klangwelle nach Bonn zurückzuholen, sei deshalb lobenswert. Ob sie das auch schaffen, bleibe abzuwarten.

Viele positive Impulse und Zusammenschlüsse von Initiativen

Seit der ersten Kulturdemo habe sich einiges getan, sagte Ruic. "Es gab viele positive Impulse und Zusammenschlüsse von Initiativen." Durch diese Vernetzung habe man auch ein größeres Gesicht in der Bonner Kulturpolitik. "Unser Anliegen wird mit einer gewissen Ernsthaftigkeit behandelt."

Der Demo-Weg führte vom Kaiserplatz am Bahnhof vorbei und durch die Innenstadt zum Marktplatz, wo die Hauptkundgebung stattfand. Anschließend drehten die Teilnehmer noch eine Runde um das Stadthaus und beendeten die Demo auf dem Friedensplatz. Dort banden sie, dem Motto auf dem Plakat getreu, Beethoven in die Bonner Subkultur ein, indem sie den zweiten Satz aus seiner siebten Sinfonie spielten.