Die Millionenfalle, Teil XXIV

Die Millionenfalle, Teil XXIV

Investor Honua kämpft um seine Bonner Millionen und droht mit Prozessen "gegen alle beteiligten Seiten"

Das, was als nächstes zu entscheiden ist, muss nicht immer das Wichtigste sein. So gewann vor Weihnachten plötzlich die auslaufende Frist der Bundesagentur für Arbeit für das Insolvenzgeld der rund 50 Angestellten der WCCB Management GmbH oberste Priorität.

Und der Rat der Stadt Bonn gab kurzerhand für einen Teil der Mitarbeiter mit 800 000 Euro eine befristete Überlebensgarantie, womit die Veranstaltungsaktivitäten in den Bestandsbauten fortgesetzt werden können.

Aufatmen bei den Karnevalisten, denn das Auftaktevent des kalendarischen Frohsinns konnte damit, wie geplant, am Freitagabend in der Beethovenhalle steigen. Das ist dann aber auch alles, was rund um das World Conference Center Bonn (WCCB) geplant werden kann.

Ungeklärt bleiben zu Anfang des neuen Jahres zentrale WCCB-Fragen. Nach Razzien, Verhaftungen und Insolvenzen steht die Zukunft des Bonner Zukunftsprojekts weiter in den Sternen. Nach GA-Informationen auch deshalb, weil Stadt Bonn und Sparkasse KölnBonn vehement darüber streiten, wer denn nun für die Millionen zur Vollendung des Bauwerks ins Risiko gehen soll. Dabei geht es um - geschätzte - weitere rund 40 bis 60 Millionen Euro.

Nachvollziehbar ist, dass eine Bauruine nicht nur die hässlichste, sondern auch teuerste aller Aussichten ist. Das zu vermeiden, verlangt aber eine Abkehr von der Neigung vieler Beteiligten, an den vielen angehäuften Misthaufen vorbei und nur nach vorne zu schauen.

Fernab staatsanwaltlicher Ermittlungen bleibt vor allem das undurchsichtige Zahlenspiel aufzuklären: Wie viele der rund 180 Millionen sind tatsächlich verbaut worden? Absehbar: Viele unangenehme Zahlen werden für Ernüchterung sorgen und in der Summe vermutlich ergeben, was der Bürger als "dickes Ende" fürchtet.

Wie dick das sein könnte, deutet der vertrauliche Zwischenbericht von PriceWaterhouseCoopers (PWC) an. Die von der Stadt beauftragten Experten errechneten einen "indikativen Ertragswert" zwischen 18 und 31 Millionen Euro. Nach Fertigstellung! Das wäre dann auch - plus/minus zehn Millionen - in etwa der Preis, den ein neuer Investor zahlen wird. Und bis zu 60 Millionen für den Fertigbau? Selbst wenn das alles keine belastbaren Endwerte sind, so vermitteln sie eine Ahnung, wie unangenehm es werden könnte.

Einstweilen hat die Stadt Bonn einen Sachstandsbericht (September) und das Städtische Gebäudemanagement (Dezember) einen Rechenschaftsbericht geliefert, wobei der städtische Bericht sich auch eher wie ein Rechtfertigungspapier liest.

Tenor: Der Investor SMI Hyundai Corporation ist auf Herz und Nieren geprüft worden, die Sparkasse habe "belastbare Nachweise" zur Bonität vorgelegt, und die Stadt hatte "ergänzend eine Creditreform-Auskunft mit positiver Einschätzung eingeholt". Zudem seien die Wirtschaftspläne und Betreiberkonzepte von SMI Hyundai vom Wirtschaftsberater Michael Thielbeer bewertet worden, dessen Ergebnisse wiederum von Dritten, etwa von der Bezirksregierung, bestätigt worden seien. Dass wirkt alles wie das verkrampfte Aufrechterhalten einer Fassade, hinter der Morast und Minen liegen.

Ob der städtische Sachstandsbericht die Vergangenheit wirklichkeitsgetreu abbildet oder manche Aussage eher ins Behaupten abgleitet, lässt sich in diesen Tagen nicht klären. Die Sparkasse KölnBonn ist kraft Bankgeheimnis zum Schweigen verpflichtet und kann auf die städtischen Stellungnahmen nichts erwidern, während die Stadt sich hinter den laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen verschanzt.

Der sogenannte gesunde Menschenverstand legt jedoch nahe, dass es das Bonitäts-Gütesiegel neutraler Dritter für den "Investor" SMI Hyundai und sein Aushängeschild in Europa, Man-Ki Kim, entweder nicht gab oder der testierende Dritte nicht neutral war - so wenig wie Thielbeer. Warum musste die Stadt sonst über eine Nebenabrede zu 100 Prozent für den Kredit eines privaten "Investors" bürgen? Gerade die fehlende wirtschaftliche Potenz des Gespanns SMI/Kim, gepaart mit extrem duldsamen Stadtoberen, hatte das WCCB-Projekt in eine verhängnisvolle Abwärtsspirale geführt.

Dass die Vergangenheit bei diesem Projekt keineswegs ruht, nicht ruhen kann, weil einige Akteure weiter um ihre Millionen kämpfen, überrascht nicht. In diesen Kontext passt auch der jüngste "streng vertrauliche" Brief aus Honolulu: Die von Hawaii aus agierende Investmentfirma Honua Investment Management Inc. schreibt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und allen Ratsmitgliedern.

Darin macht Honua-Präsident und -Geschäftsführer Andrew Seung-Tae Jang unmissverständlich klar, dass er eine Hand zu Gespräch und "akzeptabler Lösung" ausstrecke, mit der anderen aber "alle rechtlichen Wege beschreiten wird, einschließlich eines umfassenden Gerichtsverfahrens gegen alle beteiligten Seiten".

Man darf annehmen, dass Honua selbst massiv unter Druck und Rechtfertigung steht, schließlich ist man als Ersatzinvestor für SMI Hyundai eingesprungen und hat sich das WCCB-Abenteuer, gedacht als Anlageobjekt für koreanische Lebensversicherungsgelder des Konzerns Dongbu, rund 30 Millionen US-Dollar kosten lassen. Das Geld sollte sich langfristig vermehren, nun könnte durch die UNCC-Insolvenz alles auf einen Schlag weg sein. Dass können sich weder Honua noch Jang noch Dongbu leisten. Alle sitzen in der Rechtfertigungsfalle.

Honua, wer war das noch? Auch die Investmentfirma war dem Tausendsassa Man-Ki Kim, so erscheint es heute, auf den Leim gegangen. Von ihren vielen Millionen landeten nach Angaben der Stadt nur acht Millionen Euro auf der Baustelle. Der große Rest ging an die andere Investmentfirma Arazim Ltd. (Zypern), von der Kim sich in höchster Eigenkapitalnot zehn Millionen Euro zu 60 Prozent Zinsen geliehen hatte. Im Gegenzug überschrieb Kim Honua 94 Prozent der UNCC-Anteile (WCCB-Bauherr), woraus wiederum ein UNCC-Eigentümerstreitresultierte.

Dieser Streit erscheint nun obsolet und das Geld ist weg, weil die UNCC insolvent ist. Stadt und Sparkasse hatten gemeinsam die Reißleine gezogen, der UNCC die Kredite gekündigt, so die Zahlungsunfähigkeit ausgelöst und damit die UNCC-Gesellschafter quasi enteignet.

Das kann Honua nicht schmecken. Im Gegensatz zu Arazim haben die Investoren aus Hawaii tatsächlich Millionen in Bonn investiert. In seiner Weihnachtspost schreibt Jang von "Täuschungen", "schlechtem Verhalten" und "unfairer Behandlung" durch Stadt und Sparkasse. Auch davon, dass Stadt und Sparkasse versprochen hätten, einen Vergleich zwischen Honua und Arazim in der UNCC-Eigentumsfrage "finanziell zu unterstützen".

Die Frage, ob Honua auf einem steinigen und langen Rechtsweg irgendwelche Erfolgsaussichten hat, kann kein Jurist heute beantworten. Nachvollziehbar ist jedoch, dass der Hauptgesellschafter der UNCC GmbH gefragt werden wollte, bevor sein Geschäftsführer Kim in der deutschen Botschaft in Washington (USA) seine Unterschrift unter einen weiteren 30-Millionen-Euro-Kreditvertrag für das UNCC setzte.

Sollte Jang mit seiner Drohung ernst machen, dürfte mancher Richter den Fall wie eine heiße Kartoffel empfinden; er müsste die ganze Angelegenheit, die Vergangenheit, neu aufrollen. Und die ist verzwickt. Das fängt mit der Frage an, wer eigentlich UNCC-Mehrheitsgesellschafter zum Zeitpunkt der neuerlichen Kreditaufnahme war. Inzwischen scheint der Zwist zwischen Arazim und Honua außergerichtlich beigelegt. Arazim-Anwalt Zvi Tirosh: "Wir haben uns geeinigt." Auf was, bleibt Geschäftsgeheimnis.

Davon abgesehen: War Kim als UNCC-Geschäftsführer überhaupt legitimiert, eine Krediterhöhung um 30 Millionen Euro ohne Zustimmung des Hauptgesellschafters abzuschließen? Einen Kredit, inzwischen 104 Millionen hoch, für den wiederum und letztlich die Stadt per erweiterter Nebenabrede haftet. Was durfte Kim und was nicht? Und wenn er nicht durfte: Was folgt dann rechtlich aus der Tatsache, dass Kim in Washington trotzdem unterschrieben hat?

Das WCCB bleibt ein durch und durch vermintes Gelände, das sich nicht mal eben erkunden lässt. Wahrscheinlich sind einige hochexplosive Minen - Rechnungen, Belege, Kontoauszüge - bereits beiseite geschafft, was Insolvenzverwalter Christopher Seagon mit "große Lücken" umschreibt. Die Suche nach den vielen unverbauten Steuerzahler-Millionen hat begonnen.

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