Sitzungskarneval in Bonn: Die „Kindernasen“ werden immer besser

Sitzungskarneval in Bonn : Die „Kindernasen“ werden immer besser

Schärfer, satirischer, noch besser: Die siebte Ausgabe von „Papperlapapp“ bot viele hinreißende Gags. Viel gelacht wurde am Wochenende aber auch bei den „Dänen“ und den „Walzbrödern“.

Ob in Dottendorf, der Mensa Nassestraße oder der Harmonie: Am Wochenende haben die Narren in Bonn kräftig gefeiert.

Die KG Dänemark Rut-Wiess feiert ihren 90.

Seit 90 Jahren sorgt die KG Dänemark Rut-Wiess in Dottendorf in der fünften Jahreszeit für Stimmung. Grund genug, den runden Geburtstag mit einer großen Sitzung zum Jubiläum zu feiern. „Erstmalig feiern wir in der Montessori-Schule, hier ist es einfach wunderbar“, sagte Literat Paul Walbröl am Samstagabend.

Ja, wunderbar war es und nicht so zugig wie sonst im Zelt. Wunderbar geschmückt, ein wunderbares Publikum und vor allem ein tolles Programm konnten die Dottendorfer Jecken auf die Beine stellen. „Heute Morgen ist uns erst bewusst geworden, dass wir ganze zehn Jahre älter sind als die Beueler Stadtsoldaten“, sagte nicht ganz ohne Stolz Sitzungspräsident Holger Roggendorf. Die KG Dänemark Rut-Wiess wurde 1926 von Jacob Stuch, Karl Wolf und der Gastwirtin G. Schmitz gegründet. Seitdem gab es nur vier Sitzungspräsidenten. Christoph Weinreis, der von 1987 bis 2012 dem Elferrat vorstand, wurde bei der Jubiläumssitzung zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Während Patrick Reinhard für die Saalmusik sorgte, zogen die hohen Herren der KG ein und hatten für die Besucherinnen jede Menge Strüßje dabei. Anschließend sorgten die „Jeckediz“ für die ersten, musikalischen Höhepunkte, ehe Tino Seelbach als „dä Kölsche Tenor“ mit seinem Gesang begeistern konnte. Bruce Kapusta brachte Trompetenklänge nach Dottendorf und „Die zwei Jeflappte“ konnten mit ihrem Zwiegespräch so einige Lacher erzeugen.

Außerdem präsentierte sich auch das Godesberger Prinzenpaar, und die KG „Für uns Pänz“ konnte mit ihren Tanzeinlagen die Jecken von den Bierbänken locken. „De Botzedresser“ und die „Funky Marys“ sorgten für ordentliche, kölsche Musik, die „Glückspilze“ hielten ein Zwiegespräch ab. Nächster Termin der „Dänen“ ist beim Kessenicher Zoch das Biwak in der Mechenstraße 11.

Die Fidelen Walzbröder feiern, als gäbe es kein Morgen

Gelacht und geschunkelt, als würde es keinen Morgen geben, wurde am Samstagabend bei den Fidelen Walzbröder der Kolpingsfamilie Bonn-Zentral in der Mensa Nassestraße. Zusammen mit dem Kadettencorps der Bonner Stadtsoldaten zog der Elferrat in den festlich geschmückten Saal ein – natürlich unter tosendem Applaus der vielen kostümierten Jecken. Kaum ging „Ne Kappesbuer“ von der Bühne, und das Publikum war noch von seinen Witzen begeistert, betraten mit „Willi und Ernst“ aus Koblenz zwei alte Show-Hasen die Bühne. Die beiden „Rentner aus Leidenschaft“ sorgten bei den Jecken für viele Lacher, was sicherlich daran lag, dass beide „medikamentös gut eingestellt“ waren.

Willi zeigte dem Publikum, wie man in Köln nun Frauen kennenlernt: Nämlich mit „einer Armlänge Abstand“. Ganz so ernst nimmt Willi den Abstand aber nicht, wie man an seinen zahlreichen Flirtversuchen mit Damen aus dem Publikum erkennen konnte. Dass beide eine gewisse Schwäche für die „Apotheken-Umschau“ haben, wurde offensichtlich – so oft, wie sie die „Rentner-Bravo“ zitierten. Schultheiß Andreas König konnte an diesem Abend „De Zeitungsbote us de Kuhl“, „DieDrei.1“, „Druckluft“, „Sibbeschuss“, das Tanzcorps Dürscheder Mellsäck, Prinz und Bonna, Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher und die Vorsitzende der Kolpingsfamilie Bonn-Zentral, Heide Werker, begrüßen.

Bissiger Humor vom karnevalistischen Nachwuchs

Schärfer, satirischer, besser: Die siebte Ausgabe der Bonner Kindernasensitzung Papperlapapp, die gestern Mittag in der Harmonie ihre Premiere feierte, hat einmal mehr mit brillanten Texten, klugen Gags und jeder Menge Spaß zu überzeugen gewusst. Im Kampf gegen die Verrohung der Sitten und die Idiotie von Rechts zog das Ensemble unter der Leitung von Babette Dörmer, Juliane Urmes und Tim Düwel alle Register. Der „wilde Westen“ braucht Hilfssheriffs, soviel ist klar – und die Papperlapappen bewarben sich mit viel Elan und starken Songs.

Dabei erwiesen sie sich als erstaunlich erwachsen, wenn es um wirklich schwierige Themen ging. Und als ungemein kreativ. Die Flüchtlingsproblematik etwa war mehrfach Thema, sowohl in einer starken Analyse von Emma Dietl und Papperlapapp-Präsidentin Marlene Sieverdingbeck (die mit der kratzbürstigen Emilia Brunetti übrigens eine erfreulich souveräne Co-Moderatorin an die Seite bekam) als auch in einer herausragend bissigen Nummer über pädagogisch wertvolles Spielzeug, in der ein Schuhkarton mit 1000 Playmobil-Figuren als adäquate Darstellung von Flüchtlingsunterkünften herhalten musste.

Mit Pegida setzten sich die Pänz ebenfalls auseinander – und fanden in ganz speziellen Yoga-Übungen einen ersten Lösungsansatz. Begeistert aufgenommen wurden auch ein immer wiederkehrender Goldgräber, die sechs „Pindianer“, die gelben, chaotischen Mini-Bonns (Cousins der Minions, die es selbst mit Lärm-Motzkis aufnehmen können) sowie sämtliche Sänger, allen voran die Alaaf Brothers, die im Saal für Stimmung sorgten.

Weitere Termine von Papperlapapp

Sonntag, 31. Januar, jeweils 12 und 17 Uhr; Mittwoch, 3. Februar, und Dienstag, 9. Februar, jeweils 17.30 Uhr. Karten für 14,50, ermäßigt 9,50 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und auf bonnticket.de.