Bundesverkehrswegeplan für Bonn: Die IHK lässt bei der Südtangente nicht locker

Bundesverkehrswegeplan für Bonn : Die IHK lässt bei der Südtangente nicht locker

Der neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) erhitzt die Gemüter in der Region. Die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) ist „sehr unzufrieden“ mit dem am 16. März veröffentlichten Entwurf für die Verkehrswege in der Region. Die IHK-Vollversammlung hat dazu ihr Papier „Unternehmensstandort Bonn/ Rhein-Sieg – Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur“ herausgebracht.

Die IHK hält dabei weiter an der Südtangente mit Venusbergtunnel und Ennertaufstieg fest und kämpft für die Realisierung des Verkehrsprojektes. Die Bonner Südtangente hat laut BVWP bis zum Jahr 2030 keine Chance auf eine Realisierung. „Gemeinsam mit anderen Wirtschaftsverbänden, aber auch mit Unterstützung der Politik werden wir uns dafür einsetzen, dass die Südtangente noch in die Kategorie 'Vordringlicher Bedarf mit Planungsrecht' gehoben wird“, erklärte IHK-Präsident Wolfgang Grießl.

„Aus Sicht der regionalen Wirtschaft kann nur dieses Projekt die vielen Verkehrsprobleme in der Region lösen und für eine erhebliche Entlastung im Verkehr sorgen“, so Grießl. Zur Untermauerung seiner These erinnerte er an den Nutzen-Kosten-Faktor der Südtangente, der mit einem Wert von 6,6 sehr hoch sei.

Beispiel Reuterstraße

Als ein praktisches Beispiel für die verkehrspolitischen Probleme innerhalb der Bundesstadt nannte Grießl die Reuterstraße in der Südstadt. „Täglich fahren dort 40.000 Autos rein und raus. Anfang der 1970er Jahre war das Gebiet um die Reuterstraße ein sehr gutes Wohngebiet, der Wohnraum war dort sehr teuer“, so der IHK-Präsident. Auch ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei keine Lösung, dieser würde die Stadt nur sehr geringfügig entlasten. „Unsere Probleme können wir dadurch nicht beseitigen – für einen Ausbau des ÖPNV ist die IHK dennoch“, so Grießl. Denjenigen, die gegen die Südtangente seien, empfahl Grießl, einen Tag an der Reuterstraße zu verbringen. „Danach würden sie anders denken“, ist der IHK-Präsident sicher.

Dass die Südtangente auch bei den Bürgern umstritten ist, wurde bei einer Veranstaltung von Bonns SPD-Bundestagsabgeordnetem Ulrich Kelber beim Bonner Tennis- und Hockeyverein deutlich. Zusammen mit Sebastian Hartmann, SPD-Bundestagsabgeordneter aus dem Rhein-Sieg-Kreis und Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, erläuterte Kelber den BVWP.

Buh-Rufe und Kopfschütteln

Professor Stephan Wimmer, Abteilungsleiter Industrie, Handel, Verkehr, Tourismus, Kultur bei der IHK, beobachtete die SPD-Veranstaltung aus dem Besucherbereich und erklärte dort ebenfalls, dass die IHK für die Südtangente sei. Vom Publikum wurde dies mit Buh-Rufen und Kopfschütteln quittiert. „Dass Sie für die Südtangente sind, wirft kein gutes Licht auf Sie. So spielt man nur die Spielchen der letzten 45 Jahre weiter“, so Ulrich Kelber. Den beiden SPD-Politikern ging es vor allem darum, dass sich die Bürger nun intensiv mit dem Entwurf des BVWP auseinandersetzen und ihre Änderungswünsche äußern. Dazu habe die Allgemeinheit rund sechs Wochen Zeit.

„Oftmals scheitern Projekte nicht am Geld, sondern einfach daran, dass es keine Planungskapazitäten – sprich Fachkräfte – gibt“, erklärte SPD-Verkehrsexperte Sebastian Hartmann. Diesen Gedanken griff auch Hubertus Hille, IHK-Hauptgeschäftsführer, auf, der von der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis in Sachen Südtangente einen „Schulterschluss“ fordert. „Man kann nur etwas erreichen, wenn man gemeinsam auftritt. Wir brauchen ein gemeinsames Signal aus der Region“, so Hille.

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