Bonn-Buch mit historischen Fotografien: Die Geschichte hinter den Bildern

Bonn-Buch mit historischen Fotografien : Die Geschichte hinter den Bildern

Das Buch „Bonn. Von der Rheinreise zu den Ostverträgen. Fotografien 1850 bis 1970“ wurde jetzt im Haus der Bildung vorgestellt. Die historischen Bonn-Fotografien von 1850 bis 1970 stießen auf großes Interesse.

Es war zwar kein Sofa, auf dem sich am Donnerstagabend die Gäste im Haus der Bildung niederließen, und auch Kaffee und Kuchen gab es nicht. Und doch mag sich manch einer der weit mehr als 150 Gäste gefühlt haben wie bei einem Familientreffen, bei dem irgendwann das Fotoalbum aufgeschlagen wird.

Das Album umfasst in diesem Fall knapp 400 Fotos, die Greven-Verlag, Stadtarchiv und General-Anzeiger auf 288 Buchseiten zusammengefasst haben. „Bonn. Von der Rheinreise zu den Ostverträgen. Fotografien 1850 bis 1970“, so heißt die Neuerscheinung, die nach dem Ende der Präsentation von vielen Zuhörern bereits freudig nach Hause getragen wurde.

Zunächst aber hatten diejenigen das Wort, deren mehrjähriger Vorarbeit das Werk überhaupt zu verdanken ist. Auf dem Podium kam GA-Chefredakteur Helge Matthiesen mit Rolf Sachsse als dem Autor des Buches, mit Verlagschef Damian van Melis sowie Bonns Stadtarchivar Norbert Schloßmacher mit der Frage nach „dem bestimmten“ Bonn-Motiv ins Gespräch – um sogleich und auch nach spontanen Zurufen aus dem Auditorium gemeinsam festzustellen, dass eine einheitliche Aussage hierzu unmöglich ist.

Vom Rathaus über das Beethoven-Denkmal, den Bahnhof, das Münster und das Schloss bis zum Blick auf das Siebengebirge reicht das Spektrum der eingängigen Motive. Ein zumindest beim Stadtarchiv besonders oft nachgefragter Klassiker, so verriet Schloßmacher, sei die alte, im Krieg zerstörte Rheinbrücke. Zum Thema Unwiederbringlichkeit sorgte der Fotohistoriker Rolf Sachsse mit der Feststellung für bittere Erheiterung, in Bonn seien viele schöne Ecken fotografiert worden – bevor man sie wenig später abgerissen habe.

An dieser Stelle dürfte nicht zuletzt Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller besonders gut zugehört haben. Die Vertreterin der Stadt hatte Helge Matthiesen eingangs symbolisch das erste Exemplar überreicht. Sie freue sich auf die Lektüre, sagte die Repräsentantin, zumal sie exakt zu jener Zeit zum Studium nach Bonn gekommen sei, in der das Buch endet.

Wie viele historisch wertvolle Aufnahmen in Privathäusern schlummern, weiß niemand. Doch schon die bekannten Bestände sind von prägnanter Dimension: Allein das Stadtarchiv hütet rund sechseinhalb Millionen Bilder. Insgesamt rund 30 000 Fotografien unterschiedlicher Provenienz habe er während der Recherche in der Hand gehabt, erzählte Sachse.

Nach einem Jahr sei dann eine Auswahl von etwa 2000 Bildern übriggeblieben, die in Zusammenarbeit mit dem Verlag dann weiter zugespitzt werden musste. Dessen Anspruch skizzierte Damian van Melis: „Wir wollten einen Band schaffen, der erzählerisch sowohl die Stadt als auch das Medium Fotografie gut repräsentiert“, sagte er. Dem Buch liege das Selbstverständnis des „Ewigkeitsmediums“ zugrunde, das auch in 150 Jahren noch funktioniere.

Und so erfährt der Leser im Textteil des aufwendig und großformatig gestalteten Bandes vieles über die Geschichte „hinter“ den Bildern. So wie jenes Bonner Motiv von dem älteren Herrn, umgeben von einer Traube signifikant jüngeren Frauen – Konrad Adenauer im Kreise seiner Sekretärinnen am Rande seines Abschiedsempfangs. Familienfotos eben.

Das Buch „Bonn. Von der Rheinreise zu den Ostverträgen. Fotografien 1850 bis 1970“ kostet 39,90 Euro und ist in den Zweigstellen des General-Anzeigers erhältlich.