Macke-Viertel-Fest: Die ganze Vielfalt eines Stadtteils

Macke-Viertel-Fest : Die ganze Vielfalt eines Stadtteils

Waltraud Caspari-Philips liegt im Innenhof des Kult 41 auf dem ausgerollten Blatt einer schier endlos wirkenden Papierrolle. Die Schuhe hat sie ausgezogen, mit einem Pinsel malt die Künstlerin immer wieder schwarze Striche in Fünferblöcken auf das Papier.

Im Hintergrund spielt die Trommelgruppe "Kloppmob". Bislang hat Caspari-Philips schätzungsweise 15.000 Striche gezeichnet. Sie ist eine der vielen Künstlerinnen und Künstler, die sich am Samstag beim Macke-Viertel-Fest präsentierten. Ein Fest, das nicht nur Künstler miteinander verbindet, sondern auch die Nachbarn. Es wird geklönt, gelacht und die neuesten Entwicklungen im Macke-Viertel untereinander ausgetauscht. Es sind vor allem kulturelle, religiöse und nachbarschaftliche sowie gemeinnützige Einrichtungen des Bonner Stadtteiles, die um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen.

"Ich habe mein Werk 'Flüchtlingsstrom' genannt. Für jeden Flüchtling auf dieser Erde möchte ich einen Strich zeichnen, um die Dimensionen zu verdeutlichen. Aktuell sind es 50 Millionen Flüchtlinge weltweit", so Caspari-Philips. Mit dem Werk begonnen hat sie im vergangenen September bei der Veranstaltung "Kunstorte" am Frankenbad. "Damals noch hauptsächlich wegen der syrischen Flüchtlinge, aber leider ist das Thema ja noch immer sehr aktuell", so die Künstlerin.

Durch ihr auffälliges Werk kommt Caspari-Philips immer wieder ins Gespräch mit Besuchern. "Dieses Fest finde ich sehr schön, weil dann auch Leute ins Kult 41 kommen, die eher nicht zum klassischen Publikum gehören", freut sich Caspari-Philips.

Hat man sich an den verlockenden Ständen von Ditib, der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Bonn, die allerhand türkische Spezialitäten bieten, vorbeigekämpft und entsprechend gestärkt, erreicht man die Fabrik 45.

"Träum weiter" heißt die aktuelle Ausstellung dort und zeigt, wie unterschiedlich Kunst sein kann. Die Künstler Annika Dürig, Zoe Toms und Bernd Hagemann stellen dort ihre Werke aus. Mit ihren knalligen Farben und frechen Kompositionen erweckt vor allem Annika Dürig die Aufmerksamkeit der Besucher. "Die Bilder von ihr sind fantastisch, vor allem total modern", findet Makeda Michalke. Michalke, Leadsängerin der Bonner Band "Steal a taxi", gab zuvor ein Akustik-Konzert in der Fabrik 45.

"Das Fest ist heute gut besucht und spricht vor allem Familien an, die etwas alternativer eingestellt sind", erklärt Natascia Cuschié von der Fabrik 45. "Damit, dass mit unserem Fest gleichzeitig auch 'Rhein in Flammen' stattfindet, haben wir kein Problem - im Gegenteil. Bevor viele in die Rheinaue gehen, kommen sie zu uns", so Cuschié. Während sich in der Fabrik 45 Kinder mit den Künstlern kreativ betätigen, versuchen sich nur einen Steinwurf weiter junge Künstler bei einer Druckwerkstatt im Bonner Kunstverein.

Vor dem Kunstverein porträtiert die britische Künstlerin Luisa Dominguez Besucher, im Frauenmuseum erzählen Zeitzeugen von ihren Familienfesten während des Krieges, in der Seniorenbegegnungsstätte Blumenhof (SenTaBlu) singt Curt Delander Lieder von Zarah Leander - hinzu kommen unzählige Ausstellungen und nicht zu vergessen sind die vielen Strick-Art-Objekte der SenTaBlu, die den öffentlichen Raum schmücken. Für jeden Geschmack wurde etwas beim Macke-Viertel-Fest geboten - das Angebot war so vielfältig, wie der Stadtteil es selbst ist.

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