Gespräch zur Beueler Weiberfastnacht: „Die Figur Wäscherprinzessin ist einzigartig“

Gespräch zur Beueler Weiberfastnacht : „Die Figur Wäscherprinzessin ist einzigartig“

Die Beueler Weiberfastnacht feiert in dieser Session 60 Jahre Wäscherprinzessin. Obermöhn Ina Harder, die wortgewandte Galionsfigur der Beueler Möhnen, und Franzi I. (Sprenger), erklären GA-Redakteur Holger Willcke, was hinter dem Zauber der Weiberfastnacht steckt.

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Von 1958 bis heute haben junge Frauen mit ihrem sympathischen Lächeln und ihrer ausgelassenen Fröhlichkeit die Männerwelt und das rheinische Brauchtum verzaubert - und das weit über die Grenzen der Region. Obermöhn Ina Harder, die wortgewandte Galionsfigur der Beueler Möhnen, und Franzi I. (Sprenger), die am Freitag, 12. Januar, von Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan zur 59. Wäscherprinzessin proklamiert wird, erklären GA-Redakteur Holger Willcke, was hinter dem Zauber der Weiberfastnacht steckt.

Warum wollen junge Frauen Wäscherprinzessin werden?

Franzi Sprenger: Für viele Beueler Mädchen, die mit dem Karneval aufgewachsen sind, ist es von jungen Jahren an ein Herzenswunsch, dieses Amt zu bekleiden.

Sie sind aber in Paderborn geboren und haben erst seit wenigen Jahren Kontakt zum Rheinland. Was war für Sie ausschlaggebend?

Sprenger: Ich habe durch die in Beuel weit verzweigte Großfamilie Peffekoven Berührung mit dem Karneval erfahren. Dabei habe ich erlebt, wie Fastelovend und speziell die Weiberfastnacht das Leben vieler Beueler bestimmt und welche Begeisterung dieses Brauchtum verbreiten kann. Dieser Virus hat mich infiziert und nicht mehr losgelassen. Dann wurde 2014 noch eine Wäscherin für die Regentschaft von Susanne II. (Eyhoff) gesucht und meine Freundin Tessa hat mich überredet, gemeinsam mit ihr die Wäscherprinzessin als Wäscherinnen zu begleiten. Dieses Amt hat mein Leben völlig verändert. Von da an wollte ich auch Wäscherprinzessin werden.

Aber was begeistert Sie an dem närrischen Treiben in Beuel?

Sprenger: Der Zusammenhalt der Menschen, das ehrenamtliche Engagement der Vereine und das Eintreten für diese rheinische Tradition.

Wer hat die Symbolfigur erfunden?

Ina Harder: Als Vater der Wäscherprinzessin wird der damalige Beueler Stadtdirektor Franz Brock bezeichnet. Seine Idee stieß Mitte der 1950er Jahre bei Politikern und Vereinen auf große Gegenliebe. Beuels Bürgermeister Hans Steger und Obermöhn Maria Balzer haben dann ab 1958 die neue Tollität auf den Karnevalsbühnen hoffähig gemacht. Aber das Ganze hat im Vergleich zu heute in einem viel kleineren Rahmen stattgefunden.

Wie hieß die erste Wäscherprinzessin?

Harder: Das war Barbara I. (Tiepolt, geborene Beu). Sie ist leider im Januar 2017 gestorben. In den ersten Jahren kamen die Wäscherprinzessinnen aus den Beueler Wäschereibetrieben.

Kennt die Beueler Weiberfastnacht Nachwuchsprobleme?

Harder: Nein, im Gegenteil. In jüngster Zeit haben sich zwei neue Damenkomitees formiert und die Anzahl derer auf 19 anwachsen lassen. Und im Durchschnitt bewerben sich jährlich bis zu drei junge Mädchen für das Amt der Wäscherprinzessin.

Aber die Weiberfastnacht ist in Beuel viel älter als 60 Jahre. Gab es zuvor keine Regenten?

Harder: Vor 1958 gab es Prinzenpaare, und vor dem Zweiten Weltkrieg regierten auch schon mal nur Prinzen oder Prinzenpaare. Unser Brauchtum wurde 1824 von Wäscherinnen aus der Taufe gehoben. In sechs Jahren feiern wir 200 Jahre Beueler Weiberfastnacht. Ein Jubiläum, das die gesamte Stadt Bonn von der Bedeutung her sicherlich ähnlich wie 650 Jahre Pützchens Markt begehen und vermarkten wird.

Was hat die Stadt Bonn mit der Weiberfastnacht zu tun, dort regiert doch alljährlich das Bonner Prinzenpaar?

Harder: Ja, das ist richtig. Das Bonner Prinzenpaar hat sein Hoheitsgebiet in den Stadtbezirken Bonn und Hardtberg, in Bad Godesberg regiert das Bad Godesberger Prinzenpaar, in der Narrenrepublik Liküra regiert die Liküra-Prinzessin die Narren aus Limperich, Küdinghoven und Ramersdorf, und in Beuel heißt das närrische Oberhaupt Wäscherprinzessin. Diese Aufteilung existiert noch aus der Zeit vor der kommunalen Neuordnung im Jahr 1969. Nach der Zusammenführung von Bonn, Beuel und Bad Godesberg zur Stadt Bonn und der Gründung des Stadtbezirks Hardtberg hat keine entsprechende Zusammenlegung des Karnevals in der neuen Stadt Bonn stattgefunden. Bei den vertraglichen Regelungen haben damals die Stadtväter von Beuel darauf bestanden, dass die Traditionen der Beueler Weiberfastnacht und von Pützchens Markt von der neuen Stadt Bonn weiter gepflegt und finanziert werden.

Hat es denn nie Überlegungen gegeben, den Karneval in Bonn zusammenzuführen und unter einem Dach zu organisieren?

Harder: Doch, die gab es. Vor allem der Festausschuss Bonner Karneval hat immer mal wieder einen Vorstoß unternommen. Diese Bemühungen sind jedoch stets gescheitert, weil zu befürchten stand, dass durch einen Zusammenschluss die örtlichen Traditionen verloren gehen.

Wäre eine „Fusion“ im Bonner Karneval heutzutage noch möglich?

Harder: Derzeit ist das nicht vorstellbar. Dafür sind die Interessen und Traditionen doch zu unterschiedlich. Und ich bin ehrlich: So lange ich Obermöhn in Beuel bin, werde ich für die Eigenständigkeit der Beueler Weiberfastnacht eintreten. Aber ich will auch ganz klar sagen, dass es unter den vier Tollitäten keinerlei Konkurrenzgedanken gibt. Bei den drei Festausschüssen und dem Arbeitskreis Beueler Weiberfastnacht ist das Verhältnis untereinander öfters mal angespannt.

Wann beginnen die Vorbereitungen für das Beueler Jubiläum?

Harder: Die ersten Überlegungen gibt es bereits. 2024 haben wir wieder eine ganz kurze Session. Bereits am 8. Februar ist Weiberfastnacht. Deshalb könnte es sein, dass wir ausnahmsweise schon im November 2023 die Wäscherprinzessin proklamieren, damit wir im Jubiläumsjahr alle Auftrittstermine unter einen Hut bekommen.

Zurück zur aktuellen Session: Auf was dürfen sich die Narren freuen?

Sprenger: Es wird einen Jubiläumsorden für die Session der 60. Wäscherprinzessin geben. Er ist limitiert auf 60 Exemplare und kann gegen ein Mindestgebot von 60 Euro ersteigert werden. Interessenbekundungen sind nur über unsere Internetseite www.waescherprinzessin.com möglich. Als preiswertere Lösung bieten wir auch noch einen Sticker an, der für fünf Euro bei meiner Proklamation verkauft werden wird.

Und was gibt es sonst noch Neues?

Sprenger: Der Arbeitskreis Beueler Weiberfastnacht und die Bezirksverwaltungsstelle haben das Bühnenprogramm für den Rathaussturm an Weiberdonnerstag überarbeitet, qualitativ verbessert und auch die Karnevalsfete im Rathaus zeitlich ausgedehnt. Außerdem präsentieren wir einen neuen, frischen Internetauftritt über die Weiberfastnacht und die Figur der Wäscherprinzessin, der auch in die englische und die französische Sprache übersetzt wird.

Wie wird das alles finanziert?

Harder: Wie schon erwähnt, werden die offiziellen Veranstaltungen der Beueler Weiberfastnacht von der Stadt Bonn finanziert. Der Arbeitskreis unterstützt alle Bemühungen. Zum Beispiel haben wir in diesem Jahr den Konvent der Beueler Weiberfastnacht als Gruppierung unseres Fördervereins gegründet. Unter dem Vorsitz von Walter Raderschall kümmern sich acht Personen um die materielle Unterstützung unseres Brauchtums. Unter ihnen ist auch der aktuelle Bonner Prinz, Dirk Vögeli.

In zehn Tagen steht Ihre feierliche Proklamation an. Sind Sie für Ihr Amt gut vorbereitet?

Sprenger: Ich denke schon. Dieser Tag geistert seit der Bekanntgabe meiner Person am 24. April durch meinen Kopf. Mit den Menschen, die mir nahestehen, habe ich alles x-mal durchgespielt. Vor allem meine beiden Wäscherinnen, Linda Braun und Ariane Clever, sind mir dabei eine große Hilfe.

Nehmen Sie ab jetzt bis Aschermittwoch Urlaub?

Sprenger: Nein, aber mit meinem Arbeitgeber, der Volksbank Köln Bonn, habe ich mich darauf geeinigt, dass ich an den Tagen, an denen es möglich ist, vormittags ins Büro gehe und nur halbe Tage frei mache. Mein Arbeitgeber hat sich diesbezüglich sehr flexibel und großzügig gezeigt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ist Ihr Ornat fertig?

Sprenger: Selbstverständlich. Alles, was dazu gehört, liegt parat: blaue Samtjacke, blaues Unterkleid, weißer Spitzenrock und weißes Spitzenhäubchen. Von dem Ornat gibt es nur ein Exem-plar. Sollte es schmutzig werden, muss es über die Nacht in die Waschmaschine. Orden und Sticker sind ebenfalls fertig.

Und mit welchem Motto wollen Sie die Narren begeistern?

Sprenger: Mein Sessionsmotto heißt „Jeck parat op Beueler Art“. Damit will ich ausdrücken, dass wir Beueler auf unsere Art karnevalistisch feiern und unterwegs sind. Die Beueler Weiberfastnacht ist etwas Einzigartiges und mit keiner anderen Karnevalstradition zu vergleichen. Das liegt natürlich an der Symbolfigur der Wäscherprinzessin. Und deshalb bin ich unglaublich stolz und glücklich, in dieser Session Wäscherprinzessin sein zu dürfen.

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