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Die Fahrbahn gehört den Joggern

Die Fahrbahn gehört den Joggern

Seit Sonntag ist die Kennedybrücke gesperrt - Probleme könnte es am Montag geben

Bonn. Es ist ein einmaliges Schauspiel, das sich seit Sonntag auf der Kennedybrücke abspielt. Wo sich sonst eine tägliche Blechlawine entlangschiebt, herrscht gähnende Leere. Nur ein paar Jogger, Spaziergänger oder Fahrradfahrer nutzen die Fahrbahn - leicht verhalten, als würden sie der Sache nicht so recht trauen.

Seit Sonntag, fünf Uhr morgens, ist die Brücke für den Bahn-, Bus- und Autoverkehr gesperrt. Bis nächsten Samstag (etwa 4 Uhr) dauert die Sperrung, die laut Stadt notwendig ist, um die neuen Seitenträger mit dem alten Mittelbau zu verschweißen.

Umwege und HilfeWer nicht über die Brücke gehen will oder kann, soll nach den Plänen der Stadtwerke mit der Bahnlinie 62 bis nach Ramersdorf und dann mit der Linie 66 über die Südbrücke fahren. Die betroffenen Buslinien fahren in Beuel bis an den Adenauer-Platz, in Bonn bis zum Hauptbahnhof.

Mitglieder des Vereins für Behindertensport helfen mobilitätseingeschränkten Fahrgästen über die Brücke. Für den kostenlosen Service müssen die betroffenen Fahrgäste dem Busfahrer bei ihrer Abfahrt Bescheid geben.

Autofahrer müssen über die Nord- und Südbrücke ausweichen. Dies führte am Sonntag laut Autobahnpolizei allerdings nicht zu Stau. Problematischer könnte es am Montag werden, einem regulären Arbeitstag - auch wenn Schulferien sind und viele "zwischen den Jahren" Urlaub haben.

Unter den Fußgängern ist auch Henning Thonfeld mit seinem Sohn Lukas. "Wir sind extra hierhin gekommen, um zu sehen, was los ist", sagt der Beueler. Sein Sohn blickt enttäuscht drein: Keine Bauarbeiter zu sehen - trotz der mittlerweile seit Stunden andauernder Sperrung. "Warum die Brücke an einem Sonntag dicht gemacht, aber dann nicht gearbeitet wird, verstehe ich nicht so richtig", sagt der Vater kopfschüttelnd.

Bauleiter Michael Arz erklärt auf GA-Nachfrage, was auf der Baustelle passiert: "Wir beginnen nicht sofort mit den Schweißarbeiten, sondern gleichen zunächst noch einmal den Abstand zwischen Neubau und Altbau mit unseren Berechnungen ab." Die Sperrung sei auf jeden Fall nötig. "Der motorisierte Verkehr löst zu starke Erschütterungen aus für unsere Berechnungen und für die Schweißarbeiten."

Fotos Bilder von der
Sanierung der KennedybrückeDie neuen Seitenträger hängen, salopp gesagt, noch etwas durch. Sie liegen 25 Zentimeter tiefer als der Mittelbau, wie man auch vom Fußgängerweg aus erkennen kann. Nur an den Brückenköpfen und in der Mitte liegen sie auf der selben Höhe. Dort, an den sogenannten "Koppelstellen", verschweißen Bauarbeiter am Montag die Elemente miteinander.

Dann drücken sie am Dienstag die Seitenträger mit hydraulischen Pressen hoch, Millimeter für Millimeter. Bis Samstag verschweißen sie die Brückenteile so, dass sie danach wieder den kompletten Verkehr aushalten. "Währenddessen können Fußgänger und Radfahrer aber weiter über die Brücke, sie merken davon nichts", sagt Bauleiter Arz.

Derweil diskutieren an den Haltestationen vor der Brücke Stadtwerke-Mitarbeiter mit den Fahrgästen. Immer wieder erklären sie, warum die Brücke gesperrt ist. Auch SWB-Mitarbeiter Willi Diederichs, der seit fünf Uhr morgens vor Ort ist: "Die ersten, die zu Fuß über die Brücke mussten, waren ein paar verdutzte Jugendliche. Sie hatten noch etwas länger in der Disko gefeiert", sagt er.

Den Umweg, mit der Linie 66 über die Südbrücke zu fahren, nehme fast niemand. "Wenn die Leute einmal hier an der Brücke stehen, ist es den meisten zu kompliziert mehrmals umzusteigen. Sie gehen dann lieber ein Stückchen zu Fuß."