Ab 2016 aufwendige Grundsanierung: Die Bonner Nordbrücke und ihr Vielseilsystem

Ab 2016 aufwendige Grundsanierung : Die Bonner Nordbrücke und ihr Vielseilsystem

Vertreter der "Werkstatt Baukultur Bonn" erklärt Bürgern besondere Bauwerke und lenkt den Blick auf die Ästhetik.

Im Sekundentakt dröhnt und donnert es. Ohrenbetäubender Lärm macht sich breit. Aber auch dem kann Alexander Kleinschrodt etwas Positives abgewinnen. "Das ist nur der Übergang der Vorlandbrücke auf die Rheinquerung", erklärt er nüchtern und schaut fasziniert auf die rund 20 Meter hohe Konstruktion über seinem Kopf.

Kleinschrodt gehört zur "Werkstatt Baukultur Bonn". Diese Gruppe von Absolventen und Studenten am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn befasst sich mit baukulturellen Fragen, Architektur, Städtebau und Denkmalpflege. Neben Themen wie der Bonner Südstadt und dem Regierungsviertel stehen Bauten und Anlagen der Nachkriegsmoderne im Mittelpunkt verschiedener Führungen.

Diesmal stand bei Alexander Kleinschrodt die Nordbrücke im Mittelpunkt einer Exkursion. "Während die Nordbrücke gerade in Bezug auf vergangene und zukünftige Bauarbeiten ein Ärgernis für viele Verkehrsteilnehmer ist, möchte ich auf Aspekte von Gestaltung und Ästhetik des Bauwerks hinweisen", begrüßte er die Teilnehmer seiner Führung in Höhe des Römerbades.

Mehr als 100.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Friedrich-Ebert-Brücke, wie sie offiziell heißt. Damit hatte man allerdings nicht gerechnet, als 1964 mit dem Bau begonnen wurde. Zwar ist sie immer noch eine bedeutende Verbindung der rechtsrheinischen Region mit der Stadt, für den enormen Anstieg des Schwerlastverkehrs war sie allerdings nie konzipiert. Am 28. Juni 1967 wurde die Nordbrücke für den Verkehr freigegeben.

Nach den Plänen von Hellmut Homberg wurde die Querung aus Tragwerk und Überbau errichtet. Die Trennpfeiler, zwischen Strom- und Vorlandbrücke gelegen, wurden mittels eines Spundwandkastens verankert und dann als 33 Meter hohe Stahlbetonhohlpfeiler mit einer Breite von 5,50 Meter gebaut.

Für den Bau der Strompfeiler wurden Stahlverbundsenkkästen von einer Werft erst schwimmend zur Baustelle bewegt und dann ausbetoniert und abgesenkt. Aus massivem Stahlbeton gegossen wurden sie mit Granitmauerwerk verblendet. "Die Vorlandbrücken sind eine Art Rampe. Darüber erreichen die Fahrzeuge erst die eigentliche Brücke", so der Kunsthistoriker. Anders als andere Bauwerke verfügen Brücken nicht über Fassaden. "Ihre Konstruktion ist das einzige Gestaltungselement", erklärte Kleinschrodt.

Insgesamt ist die Friedrich-Ebert-Brücke inklusive der beiden Vorlandbrücken rund 1290 Meter lang. Die Strombrücke war die erste moderne Schrägseilbrücke, bei der ein Vielseilsystem verwendet wurde. "Es gibt genau 80 Seile, die am Tragwerk und nicht an der Straße befestigt sind", so Kleinschrodt weiter, der auf eine optische Besonderheit hinwies. "Wenn man sich am Rhein entlang immer weiter entfernt, dann kann man nach einiger Zeit nicht mehr die einzelnen Seile erkennen. Dieses Phänomen nennt man auch den Schleiereffekt."

Trotz der Beeinträchtigungen, mit denen die Autofahrer auf und rund um die Nordbrücke in Zukunft wieder rechnen müssen, ist sie für Alexander Kleinschrodt etwas ganz Besonderes. "Dieses Bauwerk hat weltweit Maßstäbe gesetzt." Als Beispiel nannte er das Viadukt von Millau in Frankreich. 2004 eingeweiht, ist es mit 2460 Metern die längste Schrägseilbrücke der Welt. "Der berühmte Norman Foster war für die Gestaltung zuständig und hat sich dabei ganz offensichtlich an der Bonner Nordbrücke orientiert", meinte Kleinschrodt.

Sanierung der Brücke

Ab 2016 steht eine aufwendige Grundsanierung der Nordbrücke an. Geplant ist unter anderem, die Stahlkonstruktion deutlich zu verstärken. Auch der Schutzanstrich soll dann komplett erneuert werden, ebenso Schrammborde und die Kappen, auf denen unter anderem Lärmschutzwände befestigt werden. Für diese Arbeiten hat der Landesbetrieb Straßen NRW eine Bauzeit von rund dreieinhalb Jahren veranschlagt.

Termine

Jeweils samstags um 13 Uhr starten die kostenlosen Führungen der Werkstatt Baukultur Bonn.

18. Oktober: "Das Bundesviertel" (Treffpunkt Kunstmuseum);

25. Oktober: "Die Beethovenhalle und ihre Parkanlage" (Haupteingang);

1. November: "Bonner Straßennamen" (Ecke Bonngasse/Marktplatz);

8. November: "Das Viktoriabad" (Ecke Stocken-/Franziskanerstraße).

Weitere Infos auf www.baukultur-bonn.de.

Siehe auch das GA-Special zu den jüngsten Arbeiten auf der Bonner Nordbrücke und ihre Begleitumstände.

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