Unifest auf der Hofgartenwiese: Die Absolventen kommen mächtig ins Schwitzen

Unifest auf der Hofgartenwiese : Die Absolventen kommen mächtig ins Schwitzen

Selters statt Sekt? "Hauptsache kalt", sagt Laura Wollensak lachend und lässt sich ihre Vorfreude nicht nehmen. Die junge Psychologin ist eine von 1100 Studenten, die am Samstag beim Bonner Universitätsfest auf der Hofgartenwiese verabschiedet werden - traditionell in Talar, Barett und mit den Farben ihrer Fakultät.

"Ich bin bestens vorbereitet", erzählt die 23-Jährige. "Die Hitze wird mir nichts ausmachen." Denn bei Temperaturen von nahe 40 Grad werden die jungen Akademiker unter ihren schweren Roben kräftig ins Schwitzen kommen. "Kein Problem, ich nehme genug Wasser mit", sagt Wollensak.

Für den besonderen Anlass hat sie ihre Garderobe ganz genau ausgewählt. "Schlicht aber chic", beschreibt sie ihr Outfit. "Ich werde ein luftiges, trägerloses Sommerkleid tragen." Begleitet wird die Masterabsolventin von ihren Eltern und ihrem Freund. Und für die beiden Männer hat sie bereits "Anzugserleichterung" befohlen. "Sie werden wahrscheinlich nur ein weißes Hemd tragen und sowohl Jackett als auch Krawatte im Schrank lassen."

"Modetechnisch" hat sich Tobias Schwirtz bisher noch nicht festgelegt. Der 27-jährige Arzt könnte sich allerdings mit dem Gedanken anfreunden, nur Shorts unter dem ehrwürdigen Talar zu tragen. "Aber Flipflops gehen gar nicht", meint er. Bevor er sich festlegen will, wird er das Garderobenproblem noch einmal mit seinen Kommilitonen erörtern. "Das hängt natürlich auch davon ab, wie lang die Robe ist und wie viel man von den Beinen sehen wird." Blanke Waden und nackte Füßen wären für diesen Anlass nicht das Richtige. "Wir werden uns eine gemeinsame Strategie überlegen. Entweder wir sind alle elegant oder alle locker-lässig-luftig gekleidet", sagt der Mediziner, der im September seine Facharztausbildung beginnt.

Als Arzt weiß er natürlich, dass man bei den extremen Temperaturen mehr trinken muss als an anderen Tagen. Auch seine Eltern, die aus Jülich anreisen, und seine Freundin werden sich der Hitze anpassen. "Mein Vater trägt keinen Anzug", weiß er, "Hemd und Hose reichen aus." Auf solche Äußerlichkeiten legt Schwirtz auch keinen großen Wert.

[kein Linktext vorhanden]"Ich freue mich vielmehr, dass meine Familie an diesem besonderen Tag da ist und ich mich dafür bedanken kann, dass sie mir diesen Weg ermöglicht und mich sieben Jahre lang unterstützt haben." Dass es morgen wahrscheinlich eher Mineralwasser statt Sekt gibt, das ist kein Problem für ihn. "Wir haben nach den bestandenen Prüfungen im Mai und Juni wirklich sehr viel gefeiert und schon öfters angestoßen. Da können wir morgen darauf verzichten." Einen Funken Hoffnung hat er jedoch.

Einen Masterplan hat auch Lucas Knappe ausgearbeitet: Wasser, Sonnenbrille und Traubenzucker wird der Jurist dabei haben, wenn er mit seiner Fakultät ins Festzelt einzieht. Viele Jahre lang hat der 25-Jährige, der jetzt promoviert, auf dieses Ereignis hingearbeitet, Seminare besucht, Klausuren geschrieben. Deshalb stellt sich ihm auch nicht die Frage nach luftiger Kleidung. "Das ist schon ein ganz besonderer Tag. Deshalb werde ich mich entsprechend kleiden. Dazu gehören eine Anzugshose und ein weißes Hemd. Ob ich allerdings auch eine Krawatte umlegen werde, das entscheide ich erst am Morgen." Hauptsache Wasser, Wasser, Wasser.

"Zwischendurch etwas Traubenzucker, dann hält man durch", ist er sicher. Im Festzelt werden seine Eltern und seine Freundin dabei sein. Eigentlich hätte er auch gerne seine Großeltern zur Absolventenfeier mitgenommen. "Da wir jedoch nur drei Karten hatten, hätte ich sie nicht dabei haben können." Das ist jetzt kein Thema mehr. "Bei diesem Wetter wären sie sowieso nicht mitgekommen."

Selbst der Rektor wird sich morgen etwas luftiger kleiden. Er trägt traditionell einen goldbestickten Radmantel - allerdings in der etwas dünneren Sommerversion, die sein Vorvorgänger angeschafft hat.