Wohnen auf dem Hardtberg: „Die A 565 ist für mich wie Meeresrauschen“

Wohnen auf dem Hardtberg : „Die A 565 ist für mich wie Meeresrauschen“

Wolfgang Fröschner wohnt seit fünf Jahren gleich neben der Autobahn und erzählt von der damit verbundenen Situation. Bereut hat er den Schritt nicht. Die SPD fordert derweil durchgängig Tempo 80 im Bonner Stadtgebiet.

Wer zieht schon gerne neben eine Autobahn? Wolfgang Fröschner hat es 2012 getan und bereut es bis heute nicht, das erste Haus hinter der Lärmschutzwand an der Kapellenstraße in Endenich gekauft zu haben. Nachts schaffte es der 68-Jährige, Ruhe zu finden. Und zu der täglichen Lärmbelastung sagt er: „Das ist für mich wie Meeresrauschen.“

Alles gut also? Nicht ganz: „Wenn die A 565 hier jetzt auf drei Spuren verbreitert wird und mir quasi durch den Keller gelegt wird, hört der Spaß auf.“ Sein Garten, in dem er im Sommer gerne sitzt, ist nur zehn Meter von der Lärmschutzwand entfernt. Die Einschränkungen durch die laufenden Bauarbeiten, wenn besonders die Bagger für Krach sorgen, hält Fröschner für erträglich. „Aber ich hoffe, dass sie nicht zu nah an meinen Garten kommen.“

Beim GA-Dialog „Hardtberger Treff“ haben sich vor zweieinhalb Wochen alle Politiker auf dem Podium für mehr Lärmschutz ausgesprochen und ein Tempolimit von 80 km/h befürwortet. Die SPD lässt den Worten jetzt Taten folgen und beantragt für die März-Sitzung des Bonner Planungsausschusses: Auf den Autobahnen im Bonner Stadtgebiet soll nicht schneller als Tempo 80 gefahren werden dürfen, dies soll auch mit stationären Messgeräten überwacht werden.

„Die Bundesautobahn 565 führt in weiten Teilen durch das Bonner Stadtgebiet. Zu beiden Seiten verläuft sie mitten durch Wohngebiete“, erklärte Gabi Mayer, verkehrspolitische Sprecherin der SPD, dazu. „In letzter Zeit mehren sich die Beschwerden, dass der Lärm an diesen Stellen wächst und unerträglich wird.“ Das sagen GA-Leser zum Lärm von der A 565

Die SPD erwartet von der Einführung von Tempo 80 auf diesen Abschnitten eine Entspannung der Situation. Dies müsse aber der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW veranlassen. „Daher bitten wir die Stadtverwaltung, mit Straßen NRW zu diesem Thema Kontakt aufzunehmen und Verbesserungen für die Bonner zu erreichen.“

Wolfgang Fröschner hätte trotzdem nicht viel davon. Autos dürfen im Abschnitt vor seinem Haus bereits jetzt nur Tempo 80 und in Gegenrichtung wegen der laufenden Baustelle Tempo 60 fahren. Er sagt: „Ich kannte den Geräuschpegel, bevor ich hier eingezogen bin. Und er hat mich nicht gestört.“ Seine Eltern wohnen in Tannenbusch, ebenfalls gleich an der Autobahn.

Und: Fröschner bezeichnet sich als Autofan, was vielleicht nicht gerade typisch für einen A 565-Anwohner ist. „Ich fahre gerne Auto. Aber mir tun besonders die Leute leid, die hier jeden Tag im Stau stehen müssen.“

Im Berufsverkehr sei hier ein Dauerstau auf der A 565, der von der Brücke vor seinem Haus besonders gut zu beobachten ist. Denn dort ist ein Stück weiter auch der Abzweig nach Poppelsdorf. Und in diesem Flaschenhals ist der Stau ein ständiger Begleiter in der Rushhour.

Lärm macht krank, darauf verweist die SPD. „Lärm ist inzwischen für die Menschen eine der bedeutendsten Gesundheitsbelastungen, aber auch für die Umwelt ein erhebliches Problem“, sagt Stephan Eickschen, SPD-Sprecher im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz.

Deshalb appelliert er: „Wir sollten jede Möglichkeit nutzen, Lärm zu verhindern oder wenigstens einzudämmen.“ Geschwindigkeitsbegrenzungen seien dabei ein gutes Mittel. „Diese müssen aber konsequent kontrolliert und bei Übertretungen auch geahndet werden“, so Eickschen. „Hierzu müssen gemeinsam mit der Polizei geeignete Stellen gefunden und mit Geschwindigkeitsmessanlagen versehen werden.“

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