Interreligiöses Friedensgebet: Dialog zwischen Christen und Moslems

Interreligiöses Friedensgebet : Dialog zwischen Christen und Moslems

Bombardierung, Zerstörung, Hunger und unsagbares Leid: Selbst diejenigen, die nach einer abenteuerlichen Flucht aus Syrien und anderen Krisengebieten der Erde sicher in Bonn angekommen sind, leiden Tag für Tag.

Viele haben noch Familie und Freunde vor Ort. Die Angst um Angehörige sowie die Ungewissheit über die eigene Zukunft sind zermürbend. Trost finden sie oftmals in ihrem Glauben. Um Flüchtlinge in dieser Situation aufzufangen und den Dialog sowie das Verständnis untereinander zu vertiefen, treffen sich jetzt Christen und Moslems immer freitags zu einem interreligiösen Friedensgebet.

„Wir sind alle Menschen und Geschöpfe Gottes. Es ist uns wichtig, dass wir über Religionen hinweg ins Gespräch kommen. Denn wir glauben alle an einen Gott“, erklärt der gebürtige Iraner Hossein Pur Khassalian, der gemeinsam mit Lukas Rölli die Aktion ins Leben gerufen hat. Dafür wird man sich zum Ende der Woche jeweils in verschiedenen katholischen und evangelischen Kirchen, aber auch in Flüchtlingsunterkünften und Moscheen zum gemeinsamen Beten treffen. Beide Männer engagieren sich schon seit einiger Zeit in der Flüchtlingshilfe, heute sind sie vorrangig in der Unterkunft in der ehemaligen Diplomatenschule auf dem Venusberg aktiv. Lange vor der großen Flüchtlingswelle haben sie sich für den Dialog zwischen Moslems und Christen eingesetzt.

Am Freitagabend werden ab 20.30 Uhr wieder Koran, Bibel und ein Bild mit dem Friedensengel von Paul Klee auf dem Altar der Auferstehungskirche am Haager Weg liegen. Ein großes blaues Tuch soll das Meer symbolisieren, das alle auf ihrer Flucht passieren mussten. Jeder ist eingeladen, eine Kerze zu entzünden und auf dem Tuch abzustellen. „Damit wollen wir ein Licht im Meer der Verzweiflung entzünden“, erklärt Pur Khassalian.

Die gemeinsame Andacht wird mit einer Sure aus dem Koran eröffnet. „Wir werden auch Texte und Gebete von Franz von Assisi lesen. Unterbrochen werden die Gebete immer wieder durch stille Momente“, erklärt Lukas Rölli, der Wert darauf legt, dass Elemente aus beiden Religionen gleichberechtigt eingebaut werden. „In diesen Augenblicken wird uns klar, dass uns die Hoffnung auf Gottes Hilfe verbindet“, so Rölli.

Für Pur Khassalian soll das gemeinsame Gebet allerdings mehr sein als Zwiesprache mit Gott. „Die Flüchtlinge sollen die christliche Religion kennenlernen und wir wollen zeigen, dass der Islam friedlich und nicht fanatisch ist.“ Dadurch sollen Vorurteile ab- und Vertrauen aufgebaut werden. „Ob wir christliche oder muslimische Gebete sprechen, der Dialog mit Gott verbindet uns.“ Und so ganz nebenher würde man auf diesem Weg den neuen Nachbarn auch die deutsche Sprache näherbringen.

Beide wünschen sich, dass sie mit ihrem interreligiösen Friedensgebet eine Welle anstoßen, die irgendwann ganz Bonn erfasst. „Wir sind am Ziel, wenn wir eines Tages im Bonner Münster, der Kreuzkirche oder der Moschee ein volles Haus haben. Denn nur im Dialog kann Vertrauen aufgebaut und verhindert werden, dass Misstrauen in Hass umschlägt“, so Rölli.

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