Fehlplanungen im Verkehr: Dezernent sieht Bonn nicht als Fahrradhauptstadt

Fehlplanungen im Verkehr : Dezernent sieht Bonn nicht als Fahrradhauptstadt

Verkehrsdezernent Helmut Wiesner beklagt die Fehlplanungen der vergangenen Jahrzehnte zur Verkehrswende in Bonn. Von einer Fahrradhauptstadt sei man weit entfernt.

Die Monatskarte für Bus und Bahn kostet in Dresden 62 Euro, in Bonn aber 85. DHL und Telekom würden Mitarbeiter angeblich gerne mit Shuttle-Bussen am Stadtrand abholen, aber es fehlen Park & Ride-Plätze. In 25 Jahren hat Bonn nicht einen Meter Schienenweg ausgebaut oder etwa die viel befahrene Linie 66 in Beuel vom Straßenverkehr entkoppelt, um Verspätungen zu vermeiden.

Viele Anhaltspunkte, warum es mit der Verkehrsbelastung in Bonn nicht besser wird. Die Einlassungen von Zuhörern sind am Sonntagmittag noch das Konkreteste, das bei der Podiumsdiskussion der Beueler SPD im Pantheon zur Verkehrsentwicklung in Bonn zu hören ist. Fachkundig moderiert wird sie vom Journalisten Wolfgang Zimmer.

Ansonsten beharren die Diskutanten überwiegend auf bekannten Positionen: IHK-Verkehrsexperte Stefan Wimmers fordert Verbesserungen für den Autoverkehr in der Innenstadt und beklagt im Handel „Umsatzrückgänge ohne Ende“. Mit einer Mitfahrer-App für Beschäftigte aus Bonner Unternehmen will er kurzfristig die Staus verringern.

Geringe Kosten für Routen

Die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Annette Quaedvlieg, zeigt sich „zornig“, dass ihr Konzept für Radpendler-Routen im Lead-City-Programm des Bundes keinen Eingang fand. Dabei seien drei Routen kurzfristig umsetzbar gewesen und nur 1,5 Millionen Euro teuer.

Und Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn, hält die Verkehrslage in Bonn für gar nicht so schlecht und das Netz der Bus- und Bahnlinien für eines der besten in Deutschland. Für die Tarifgestaltung sei der VRS zuständig und mit dem Thema befasst. Bis dahin möge man doch das neue Tagesticket für fünf Personen nutzen. Das sei dann vergleichbar teuer wie eine Fahrt in Berlin oder Dresden.

Der SPD-Landeschef und Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann sagt dagegen: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird das nichts.“ Innenstädte könnten auch durch zu viele Autos unattraktiv werden.

Weniger Raum für Autos

Bonns Verkehrsdezernent Helmut Wiesner setzt ebenfalls auf diese Karte. Er beklagt Fehlplanungen der vergangenen Jahrzehnte. So sei das Stadthaus am besten mit dem Auto erreichbar, scherzt er: „Dann finden Sie auch den Eingang“. Über die erklärte Absicht Bonns, 2020 Fahrradhauptstadt zu werden, könne er sich nur kaputt lachen, so Wiesner wörtlich.

Um Verbesserungen zu erzielen, müsse das Gemeinwohl vor Einzelinteressen gestellt werden, erklärt Wiesner nicht nur mit Blick auf die Seilbahn. Dem Autoverkehr müsse Raum weggenommen werden, um diesen für andere Verkehrsteilnehmer zur Verfügung zu stellen. Allerdings brauche es dafür politische Mehrheiten im Stadtrat. Als Vorhaben der nächsten Zeit nennt er Pläne für breitere Radwege in den Rheinauen in Bonn und Beuel, die geplante Pendler-Route von Bornheim über Alfter nach Bonn und einen Radweg über die Nordbrücke und auf dem neuen Tausendfüßler. Alles hänge aber an EU-Mitteln, Bundeszuschüssen oder dem Land NRW.

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