Im Dienst von Bildung und Weltkultur: Deutsche UNESCO-Kommission agiert von Bonn aus

Im Dienst von Bildung und Weltkultur : Deutsche UNESCO-Kommission agiert von Bonn aus

Die Deutsche Unesco-Kommission agiert von Bonn aus als Schnittstelle zwischen Staat, Gesellschaft und UN. Zu ihren Schwerpunkten zählen vor allem Bildung und Kultur.

Der Aachener Dom oder die Brühler Schlösser gehören ebenso dazu wie die Pyramiden oder die Akropolis: Das Weltkulturerbe – inzwischen ergänzt um ein Weltnaturerbe und das immaterielle Welterbe – ist wohl das erfolgreichste und bekannteste Programm der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (englisch: Unesco). Wie der Name schon sagt, widmet sich die Unter-Organisation der Vereinten Nationen (UN) den weichen Faktoren im Zusammenleben der Völker. Als einzige der 17 UN-Organisationen sieht sie nationale Kommissionen vor, die als Schnittstelle zwischen den Staaten, der Zivilgesellschaft und der Unesco arbeiten sollen. Die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) wurde am 12. Mai 1950 als rechtsfähiger Verein gegründet und hat ihren Sitz in einer alten Villa gegenüber des LVR-Landesmuseums in der Bonner Südstadt.

Was sind die Hauptaufgaben?

Die DUK ist Deutschlands Mittlerorganisation für multilaterale Politik in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Medien. Sie berät die Bundesregierung, den Bundestag und die übrigen staatlichen Organe in allen Fragen, die sich aus der Mitgliedschaft in der Unesco ergeben. Die DUK setzt zudem in Modellprojekten die Ziele der Unesco in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Erziehung und Medien auch praktisch um, beispielsweise mit dem Internationalen Ozeanographischen Programm oder zu Fragen des Medienpluralismus. Sie informiert in Fachpublikationen über die Themen der Unesco, veranstaltet Tagungen und wirkt an Konferenzen der Unesco mit.

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

Mit einem Netz aus Experten, Institutionen und Verbänden stärkt die DUK durch fachliche Expertise die deutsche Stimme in der Unesco. Das hilft, auch deutsche Interessen – etwa in der Eindämmung von Fluchtursachen – zu forcieren. Nach innen stärkt die DUK Institutionen der Bildung, Kultur und der Wissenschaft den Rücken. Für eine postindustrielle Gesellschaft gelten diese Bereiche als zentrale Erfolgsfaktoren. „Als Staat stehen wir verhältnismäßig gut da“, sagt Generalsekretär Roland Bernecker, „es gibt aber durchaus Druck durch die Globalisierung, die Umweltbelastung und die Migrationsströme zu einer pluraleren Gesellschaft“. Die DUK öffne deshalb auch umgekehrt ein Fenster zur Expertise anderer Staaten und Gesellschaften in diesen Themenfeldern.

Wo liegen aktuelle Schwerpunkte?

Die DUK arbeitet an Konzepten, um Welterbestätten weltweit als Bildungsstätten zu entwickeln. In Biosphären-Reservaten soll die nachhaltige Nutzung ohne Verluste für die geschützten Habitate umgesetzt werden. Und nachdem bereits ein Netzwerk von 250 Unesco-Schulen sich der nachhaltigen Bildung verschrieben hat, sollen die Grundsätze nachhaltiger Bildung bis 2019 zum Inhalt der deutschen Schulpolitik insgesamt werden. Eines der jüngsten Instrumente der DUK ist zudem der 2009 gegründete Freiwilligendienst Kulturweit, bei dem junge Deutsche für sechs oder zwölf Monate die Arbeit deutscher Institutionen in Bildung, Kultur und Forschung im Ausland unterstützen und dabei auch das Leben im Gastland kennenlernen.

Warum sitzt die Institution in Bonn?

Ihren ersten Sitz hatte die DUK in Köln, bevor sie 1976 nach Bonn umzog. „Die vielfachen Verbindungen in die Bundespolitik legten das nahe“, sagt Bernecker. Deshalb hat die Geschäftsstelle heute auch ein Zweitbüro mit etwa 25 Mitarbeitern in Berlin. Der Hauptsitz ist aber in Bonn geblieben. Bernecker findet: „Die Zusammenarbeit beider Standorte klappt insgesamt reibungslos.“

Wie zufrieden ist man mit dem Standort?

„Wir fühlen uns in Bonn sehr wohl“, sagt der Generalsekretär. In Bonn sei die „kritische Masse“ wichtiger Ansprechpartner in den Arbeitsfeldern der DUK erreicht. Und die Entwicklung zur UN-Stadt trage erheblich dazu bei, dass sich das Nachhaltigkeits-Cluster in Bonn weiterentwickele. Zudem gebe es mit den Hochschulen in der Region auch keinen Mangel an Nachwuchs-Mitarbeitern, die in Bonn zudem ein attraktives und lebendiges Lebensumfeld vorfänden und deshalb gerne blieben. Als mittlere Großstadt habe Bonn sich zudem sehr für Konferenzen bewährt. „In Berlin ist das viel schwieriger“, erklärt Bernecker. So beriet im WCCB 2015 die Welterbekommission über die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbeliste. Nicht zuletzt sei von Köln aus mit der Thalys-Direktverbindung der Weg zum Unesco-Hauptsitz in Paris nicht weit.

Mehr von GA BONN