Seltener Vorfall am Rheinufer: Deswegen strandete der Rettungshubschrauber in Bonn

Seltener Vorfall am Rheinufer : Deswegen strandete der Rettungshubschrauber in Bonn

Kein gewöhnlicher Anblick für die Passanten in Bonn-Castell: Am Sonntag musste ein Hubschrauber am Rheinufer eine Zwischenlandung einlegen. Danach konnte er nicht wieder starten. Das sind die Gründe.

Spontanität will gelernt sein – und anscheinend hat die Besatzung des Rettungshubschraubers, der am Sonntagnachmittag am Bonner Rheinufer gestrandet war, das verinnerlicht. Nach zwei Notfällen war der orangefarbene Hubschrauber „Christoph 3“ nach einer geplanten Landung auf Höhe des Römerkrans nicht mehr angesprungen. Die Besatzung nutzte die Zeit, um die Passanten über ihre Arbeit zu informieren. Besonders Kinder, die auf den Sitzen im Inneren Platz nehmen durften, freute das.

Kai Nohe ist seit 2004 Hubschrauberpilot für die Bundespolizei. Er hatte den Hubschrauber nach der Landung von einem Kollegen übernommen. „So etwas passiert eigentlich selten. Der Anlasser ist mir noch nie kaputtgegangen“, meinte er. Etwa 80 Hubschrauber gebe es in der Region – der defekte sei aber eine „spezielle Konstellation“. Er werde von der Bundespolizei in Hangelar betrieben und gehöre dem Innenministerium.

An Bord des Hubschraubers war auch Benjamin Balzien, der seit vier Jahren Notarzt ist. „Der Einsatz und der Flug wurden nicht durch den Defekt beeinträchtigt“, sagte er. Deshalb sei auch keine Notlandung nötig gewesen, weil der Anlasser erst beim versuchten Start nicht mehr funktioniert habe. Zuvor hatte die Besatzung einer 26-Jährigen noch das Leben gerettet: Sie lag krampfend am Rheinufer und war durch Zufall entdeckt worden. Die Hubschrauber-Besatzung suchte mit Unterstützung von rund 50 Rettern am Boden nach einer Person, die von einer Brücke gesprungen sein sollte. Nachdem die Frau zunächst am Rheinufer versorgt worden war wurde sie mit einer Drehleiter der Feuerwehr über die steile Uferböschung auf den angrenzenden Radweg gehoben und dann ins Krankenhaus gebracht.

Als die Crew danach wieder starten wollte, streikte die Maschine. Der Besatzung war schnell klar, dass der Weiterflug sich um längere Zeit verzögern würde. „Meistens ist man als Pilot alleine, da kann man nicht viel ausrichten“, sagte Nohe. Der nächste Schritt musste also sein, die Mechaniker aus der Wochenendbereitschaft zu holen. Glücklicherweise kommen die aus Hangelar, wo nicht nur die Bundespolizei eine Kaserne betreibt, sonder auch der ADAC neben dem Flugplatz seine Rettungshubschrauber wartet. Trotzdem musste die dreiköpfige Besatzung fast fünf Stunden lang auf Unterstützung warten.

In der Zwischenzeit wurde Notfallsanitäter Frank Behling zum Kinderheld. Wer wollte, durfte in den Hubschrauber einsteigen – so wurde der Sonntagsspaziergang am Rhein zur echten Attraktion. Für die Besatzung sind Gespräche mit den Bürgern nichts Neues. „Das kennen wir schon“, sagte Nohe. Wenn Hubschrauber im öffentlichen Raum landeten, würden schnell Fragen gestellt. „Am häufigsten wird gefragt, wie lange man beispielsweise von hier zum Kölner Flughafen braucht“, sagte er und lachte. Die Antwort: nur fünf Minuten.

Zum Schluss war es ein langer Tag für die Besatzung. Mehrere starke Regenschauer erschwerten die Wartezeit zusätzlich. Gegen Abend fiel auf, dass noch weitere Teile fehlten – also mussten die Mechaniker die Reparatur für eine weitere Stunde unterbrechen. Gegen 20.15 Uhr war es dann aber so weit: Die vier großen Rotorblätter setzten sich in Bewegung, erst langsam, und dann immer schneller. Der Testlauf funktionierte problemlos.

Dann ging alles ganz schnell: Der Startplatz auf der Promenade wurde weiträumig abgesperrt, die Rotorblätter setzten sich erneut in Bewegung. Kurz vor dem Abheben ertönte eine Warnsirene, der Pilot hob den Daumen – einige Sekunden später hob der Helikopter ab. Mittlerweile hatten sich mehrere Dutzend Passanten versammelt und mussten lachend vor den Wasserspritzern flüchten, die der Wind aus den Pfützen aufwirbelte.

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