Bonner Beethovenorchester: Der Zuschussbedarf steigt um 1,3 Millionen Euro

Bonner Beethovenorchester : Der Zuschussbedarf steigt um 1,3 Millionen Euro

Auf Bonns Orchester kommt mit dem Beethoven-Jubeljahr 2020 eine künstlerische Herausforderung zu. Das hat Folgen für die Stadtkasse: Der Zuschussbedarf für das Beethoven Orchester steigt im nächsten Jahr um 1,3 Millionen auf 9,3 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung nimmt längst beschlossene Sparmaßnahmen zurück oder verlagert sie in die Zukunft. Im Finanzausschuss erntete sie damit am Donnerstagabend Kritik.

Ein Großteil der Mehrkosten entfällt auf die Interimsnutzung des World Conference Centers Bonn während der zweijährigen Sanierung der Beethovenhalle.

Sie sind aber auch auf das Verhandlungsgeschick des neuen Generalmusikdirektors Dirk Kaftan zurückzuführen, der im August 2017 in Bonn startet: Die Stadt kassiert Kürzungen des künstlerischen Budgets um 136.000 Euro ebenso wieder ein wie die sofortige Streichung von 6 der 106 Musikerstellen, die eine Ersparnis von rund 470.000 Euro bringen soll. Auch über 2019 hinaus wird der Orchesterzuschuss jährlich eine Million Euro höher sein als im aktuellen Haushaltsentwurf vorgesehen.

Der Rat hatte den Stellenabbau schon 2007 beschlossen. Bei der Vertragsverlängerung für Kaftans Vorgänger Blunier stimmten die Fraktionen 2011 zu, den Beschluss auf Eis zu legen. 2016 landete er aber wieder als Sparvorschlag im Haushaltsentwurf des Kämmerers.

OB Sridharan: Sparprozess zieht sich

„Die Umsetzung des Ratsbeschlusses wird nur in einem Prozess möglich sein, den wir vor dem Hintergrund des Beethoven-Jubiläums nicht morgen, sondern übermorgen vollziehen wollen“, argumentiert Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „So steht es im Vertrag mit Herrn Kaftan, dem der Rat im Juni zugestimmt hat.“

Laut Stadtverwaltung bleibt es zwar beim Ziel, auf 100 Musikerstellen zu reduzieren – und zwar so, dass das Orchester in hoher künstlerischer Qualität seine Aufgaben als Konzert- und Opernklangkörper erfüllen kann. Der Abbau werde aber „nicht innerhalb der Vertragslaufzeit des Generalmusikdirektors bis 2022 abgeschlossen werden können“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Derzeit sind drei Stellen vakant; das Orchester beschäftigt dafür Aushilfen. Kaftan muss in den nächsten Jahren entscheiden, welche Planstellen unbesetzt bleiben sollen, wenn Musiker ausscheiden.

Neuer Orchesterchef signalisiert Gesprächsbereitschaft

Der neue Orchesterchef signalisiert Gesprächsbereitschaft über „sinnvolle Sparmaßnahmen“. „Ein Stellenabbau geht nicht im Hauruckverfahren“, so Dirk Kaftan zum GA, „denn wir müssen auch über künstlerische Inhalte reden und im Orchester das Gleichgewicht der Instrumentengruppen wahren.“

Er verweist auf die großen Erwartungen an die Musiker für 2020, für die „gesunde Orchesterstrukturen“ Voraussetzung seien. Kaftan: „Wenn das Orchester nur noch 100 Stellen hat, bringt das verschiedene Konsequenzen mit sich und katapultiert das Orchester in eine niedrigere Leistungsstufe. Es ist fraglich, ob es so seinen bisherigen Output weiter leisten kann.“ Bestimmte Künstler würden sich dann zudem nicht mehr für Bonn interessieren.

Mit einer Großen Anfrage hatte der Bürger Bund Bonn für eine öffentliche Diskussion des Themas im Finanzausschuss gesorgt: Philipp Bender warf der Verwaltung vor, Sparvorgaben des Rates zu missachten. In einer Stadt, die über die Schließung von Stadtteilbüchereien diskutiert habe, seien 470 000 Euro im Jahr alles andere als „Peanuts“.

Politiker fordern schnelleres Sparen

Bärbel Richter (SPD) warnte vor dem möglichen Eindruck bei den Bonnern, dass Theater und Orchester „etwas Unantastbares“ seien. Und Georg Fenninger (CDU) fehlte jedes Verständnis für den verschobenen Stellenabbau. „Das darf nicht erst in fünf Jahren passieren“, forderte er. Bei einer jährlichen Fluktuation von 10 bis 15 Musikern im Orchester müsse eine schnellere Umsetzung machbar sein.

Orchesterdirektor Michael Horn versprach dem Ausschuss, am Ende werde eine „gesunde Orchesterstruktur mit 100 Stellen“ stehen. Jetzt gehe Dirk Kaftan aber laut Vertrag von 106 Stellen aus. Mindestens eine davon wolle der neue Generalmusikdirektor unbesetzt lassen.