Verein für Gefährdetenhilfe Bonn: Der Wunsch, nicht übersehen zu werden

Verein für Gefährdetenhilfe Bonn : Der Wunsch, nicht übersehen zu werden

Heiner T. war obdachlos, bis ihm der Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) einen Raum zum Wohnen besorgte. "Das hat mein Leben verändert, ich wollte nun etwas zurückgeben", erzählte er bei der Vorstellung des VfG-Kalenders, bei dem er eines von zwölf Motiven ist.

Das Motto ist "Besser wäre es, ..." und stellt die Lebenssituationen von Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten dar.

Die Themenfelder umfassen beispielsweise den Wunsch, im Leben nicht übersehen und missachtet zu werden. Es geht um soziale Absicherung, ein richtiges Zuhause, eine warme Mahlzeit, einen gesicherten Lebensunterhalt und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bei Heiner T. ist es die Sehnsucht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und nicht einsam zu sein. "Alleine sein ist das Schlimmste", sagte er. Das Foto im Monat August zeigt ihn auf der grünen Wiese im Hofgarten, um ihn herum sitzen einige Leute, die jedoch in ihre eigenen Gespräche vertieft sind. Anstatt die Protagonisten der Fotos direkt in der Umgebung abzulichten, wurden sie vorher fotografiert und ihre lebensgroßen Schwarz-Weiß-Porträts dann positioniert.

"Das hat einen künstlerischen Anspruch und zeigt gleichzeitig, dass die Betroffenen manchmal wie Fremdkörper wahrgenommen werden", sagte Susanne Fredebeul vom VfG, der den Kalender mittlerweile im neunten Jahr herausgibt. Die Schauplätze sind ungewöhnlich, aber auch alltäglich und wurden erst durch die Kooperation anderer Einrichtungen möglich. Ein Mann steht im Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt in Siegburg, ein anderer schiebt einen leeren Einkaufswagen durch den Supermarkt. In der U-Bahnhaltestelle an der Heuss-Allee liegt ein Porträt quer auf einer Sitzbank. Bei der Kalendervorstellung standen die Bilder zwischen den Statuen im Akademischen Kunstmuseum.

Der Zweck des 1977 gegründeten Vereins ist die gemeinnützige Unterstützung von Menschen in schwierigen Verhältnissen in Bonn und der Umgebung. Dazu zählen Obdachlose, Arbeitslose, Haftentlassene, Suchtkranke und Kinder suchtmittelabhängiger Eltern. oni

Den Kalender gibt es in der VfG-Geschäftsstelle am Dickobskreuz 6. Er kann aber auch unter der Telefonnummer 0228/985660 und per E-Mail an fredebeul@vfg-bonn.de bestellt werden.