Stefan Barz gewinnt Jacques-Berndorf-Förderpreis: Der Tod am Schandpfahl

Stefan Barz gewinnt Jacques-Berndorf-Förderpreis : Der Tod am Schandpfahl

Der erste Fall des jungen Polizisten Jan Grimberg ist kein Mord von der Stange. Ausgerechnet im pittoresken Freilichtmuseum des beschaulichen Eifeldorfes Kommern wird ein Bauunternehmer bestialisch umgebracht - festgekettet an der Gerichtssäule. Und er soll nicht das letzte Opfer gewesen sein, das zunächst gequält und dann elendig zu Tode kommt.

Die Spur, die Grimberg und sein ewig missgelaunter und bärbeißiger Kollege Ralf Steiner verfolgen, führt sie ins Gymnasium. Kommt der Mörder aus dem Kollegium? Ist es vielleicht eine Frau? Autor Stefan Barz führt den Leser geschickt an der Nase herum. Verdächtige gibt es viele, ein wenig Liebe kommt auch vor, aber was den Erstlingskrimi so besonders macht, ist die Figur des Grimberg. Er ist ein Zweifler, einer der lieber noch mal eine Runde dreht, bevor er sich für eine Abfahrt im Kreisel entscheidet. Und einer, der vielleicht lieber Philosophielehrer geworden wäre als Ermittler bei der Polizei. Und schließlich hilft ihm sogar ein toter Philosoph, um auf eine überraschende Spur zu kommen. Stefan Barz, lange Jahre freier Mitarbeiter des General-Anzeigers, lebte und studierte in Bonn und gewann in diesem Jahr den Jacques-Berndorf-Förderpreis. "Ich hatte mich mit einem Entwurf und den ersten 20 Seiten meines Krimis beworben. Als ich den Preis gewann, musste ich innerhalb von vier Monaten das ganze Buch zu Ende bringen", erzählt der 39-Jährige, der dann doch den Journalistenberuf sein ließ und Lehrer wurde. "Vermutlich gibt es tatsächlich so manche Parallelen, aber nicht viele", sagt Barz lachend. "Aber dieses Zögerliche ist auch Teil meiner Biografie."

Barz hatte vorher lediglich ein paar Kurzgeschichten geschrieben. Für seinen Kurzkrimi "Erbsünde" wurde er für den Agatha-Christie-Krimipreis nominiert. Wie ist er überhaupt zum Krimi gekommen? "Vor ein paar Jahren war ich geradezu von einem Tag zum anderen genervt von hochgeistiger Germanistikliteratur. Ich wollte einfach nicht mehr den ?Grünen Heinrich? oder die ?Wahlverwandtschaften? lesen und griff zum Krimi", erzählt der Vater eines nicht mal einjährigen Jungen. "Das Schöne am Krimi schreiben ist, dass es eine konkrete Handlung hat, um die man, menschliche Abgründe analysierend, aktuelle Themen stricken kann." Krimi-Altmeister Jacques Berndorf, der Barz den Preis verlieh, urteilte jedenfalls über das Erstlingswerk: "Das Buch ist gute Unterhaltung." Und verkauft sich offenbar gut: Die erste Auflage ist bereits vergriffen, die zweite auf dem Markt. Für das zweite Buch will sich Barz jedenfalls mehr Zeit lassen. "Erstens möchte ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, und zweitens promoviere ich gerade."

Der Gymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie ist derzeit abgeordnet und lehrt an der Uni Bochum. Mit seiner Familie lebt er in Wuppertal, kommt aber noch einmal die Woche nach Bonn, weil er hier in einer Rockband spielt. "Ich bin gerade dabei, die Konzeption fürs zweite Buch auszuarbeiten", sagt er und verspricht: "Die eine oder andere Figur wird darin wieder vorkommen."

"Schandpfahl" von Stefan Barz ist beim KBV-Verlag in der Reihe "Kriminalroman aus der Eifel" erschienen und kostet 9,50 Euro.

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