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Trauer um Niklas P.: Der Schock sitzt tief

Trauer um Niklas P. : Der Schock sitzt tief

Der 17-jährige Bad Breisiger ist in der Nacht zu Freitag seinen schweren Verletzungen erlegen. Bad Godesberger legen Blumen nieder und trauern gemeinsam. Totengeläut im Stadtbezirk wird am Samstag wiederholt.

Der 17-jährige Niklas P., der vor einer Woche in Bad Godesberg niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden ist, ist in der Nacht zu Freitag seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Mordkommission ermittelt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft weiter auf Hochtouren. „Wir haben erste Hinweise auf mehrere Personen, denen wir nachgehen“, sagte ein Polizeisprecher.

Weitere Angaben mache man derzeit nicht, „um die Ermittlungen nicht zu gefährden“. Nur soviel: Die Flugblattaktion sei erfolgreich gewesen, durch die Verteilung, Zeugenbefragungen und Kontakte vor Ort habe man gute Hinweise bekommen.

Wie berichtet, hatten drei junge Männer Niklas P. und seine Freunde in der Nacht zum 7. Mai äußerst brutal attackiert. Sie schlugen den 17-Jährigen nieder; als er am Boden lag, ließen sie nicht von ihm ab. Mit massiven Schlägen und Tritten gegen den Kopf verletzten sie ihn lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.

Bei Bad Godesbergern saß der Schock tief. In unmittelbarer Tatortnähe, an dem Rondell Rheinallee/Ecke Rüngsdorfer Straße wurden bis in den Abend über Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. „Für Niklas. Findet die Schläger“ ist auf einem Zettel zu lesen. Dechant Wolfgang Picken stellte nach Absprache mit der Familie des 17-Jährigen ein Holzkreuz mit dem Namen des Opfers auf.

Immer wieder kamen Jugendliche und Erwachsene zusammen, hielten inne und trauerten gemeinsam. Unter den Jugendlichen befanden sich einige Schüler, die mit der Schwester des 17-Jährigen die Oberstufe eines Bad Godesberger Gymnasiums besuchen. An der Schule selbst standen und stehen Lehrer für Gespräche zur Verfügung, sagte der Direktor. Die Schüler seien hilflos und entsetzt, die Betroffenheit sei groß.

Trauerglocken läuten am Samstag um 12 Uhr

Um 12 Uhr läuteten die Totenglocken der katholischen und evangelischen Kirchen in Bad Godesberg, das Geläut wird am Samstag zur gleichen Uhrzeit wiederholt. In der Kirche Sankt Marien liegt ein Kondolenzbuch aus, das der Familie ausgehändigt werden soll. Nachmittags wurde auf Initiative des Vereins Stadtmarketing um den Vorsitzenden Günter Gottmann die Flagge auf der Godesburg auf Halbmast gesetzt. Am Samstag wird in der Pfingstnacht, die um 22 Uhr in der Herz Jesu Kirche an der Beethovenallee beginnt, Niklas und seiner Familie im Gebet gedacht. Auch in den evangelischen Kirchen werden der 17-Jährige und seine Angehörigen in die Gebete eingeschlossen.

Niklas P. besuchte bis 2013 in Remagen die Realschule. Danach wechselte er auf die Berufsbildende Schule (BBS) in Bad Neuenahr und belegte dort den kaufmännischen Zweig. Nach einem Jahr begann der Bad Breisiger eine Lehre zum Großhandelskaufmann bei einem Baumarkt in Sinzig, die er abbrach.

In Bad Breisig zeigte man sich am Freitag erschüttert. Bürgermeister Bernd Weidenbach sprach von einer „furchtbaren Nachricht“. Karl Maron, Leiter der Realschule in Remagen: „Auch wenn Niklas seit drei Jahren nicht mehr auf unserer Schule ist, werden wir eine wie auch immer geartete Gedenkfeier veranstalten.“ In die Planung werde die Schülervertretung eingebunden. Da viele Klassen auf Klassenfahrt seien, stünden erst in den nächsten Tagen Details fest. Der Leiter der Berufsschule in Bad Neuenahr, Hans-Werner Rick, sagte: „Wir sind erschüttert.“

Zunehmende Gewaltbereitschaft

„Ich bin unendlich traurig über den Tod von Niklas“, sagte die Bad Godesberger Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke. „Dass mitten in Bad Godesberg ein so brutales Verbrechen verübt werden konnte, ist entsetzlich.“ Mit Blick auf die für den Samstagnachmittag geplante Demo sagte sie: „Wie pietätlos und unverfroren, dass rechtsextreme Kräfte diesen tragischen Tod, noch dazu am Tatort, für ihre Zwecke instrumentalisieren möchten.“ Es sei unerträglich, dass das jugendliche Opfer für die politische Propaganda missbraucht werde, meinte auch Rolf Beu (Grüne). „Damit wird Niklas zum zweiten Mal Opfer, diesmal der Rassisten.“

Man beobachte seit Jahren eine zunehmende Gewaltbereitschaft unter manchen Jugendlichen in Bad Godesberg, sagte Dechant Picken. „Die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung sinkt, und die Brutalität wächst. Hier schwelt ein Aggressionspotenzial, das immer unberechenbarer und zur Gefahr für alle Bürger wird.“ Niklas tragischer Tod sei ein Hinweis darauf, dass gesellschaftliche Prozesse in die falsche Richtung liefen und Sozialpolitik versage.

„Man ist geschockt, dass so unvermittelt ein solcher Gewaltexzess von Jugendlichen ausgeht“, erklärte Oliver Ploch, Pfarrer der Thomas-Kirchengemeinde. Es sei wichtig, dass man sich als Kirche noch stärker um die Jugendlichen kümmere. „Wir dürfen das Feld nicht denjenigen überlassen, die Gewalt für tolerabel halten.“

Täterbeschreibungen

Zu den drei Tätern ist bislang folgendes bekannt:

1. Person

- 17-21 Jahre
- zwischen 1,80m - 1,85m
- brauner, dunkler Hauttyp
- stämmige Statur
- schwarze Haare, Seite kurz, oben länger, nach hinten gegelt
- schwarze Jacke (u.U. Lederjacke)
- Jeanshose
- weiße Schuhe
- sprach akzentfrei deutsch

2. Person

- 17 - 20 Jahre
- kurze schwarze Haare
- ca. 1,80m - 1,85m groß
- brauner Hauttyp
- normale Statur
- weiße Jogginghose
- weißer Pullover (Adidas oder Nike), ggfs. mit Reißverschluss
- weiße oder graue Kappe
- führte unter Umständen eine schwarze Tasche mit
- sprach akzentfrei Deutsch

3. Person

- älter als 18 Jahre
- lange Haare
- schwarze lockige Haare, an den Seiten kurz rasiert, nach oben und winkelartig nach hinten frisiert
- schmale Statur
- schwarzer Vollbart
- schwarze Lederjacke
- Jeans
- kleiner als die anderen beiden Tatverdächtigen
- massives Schuhwerk

Die Ermittler bitten um Hinweise und fragen: Wer hat das Tatgeschehen oder die drei Tatverdächtigen beobachtet und/oder kann Angaben zur Identität der Verdächtigen machen? Hinweise zu dem Fall nimmt die Mordkommission unter der Rufnummer 0228 - 150 entgegen.