GA-Serie "Bonn baut": Der Uni-Campus: Der neue Campus Poppelsdorf in Bonn

GA-Serie "Bonn baut": Der Uni-Campus : Der neue Campus Poppelsdorf in Bonn

Der Campus Poppelsdorf ist eine der größten Entwicklungsflächen der Universität Bonn. Der erste Bauabschnitt ist gerade fertiggestellt worden. Die Alma Mater baut auf alternative Mobilität und engagiert sich für ein stadtweites Fahrradverleihsystem.

Noch bläst nur der Wind über die frisch verlegten Pflastersteine, und auch die schneeweißen schweren Sitzmöbel in den Grünoasen am Rande des großen Platzes warten darauf, dass Studenten sie endlich in Beschlag nehmen. Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ist der erste Teil des neuen Campus Poppelsdorf mit den drei neuen Gebäudekomplexen fertiggestellt worden. Im April soll er der Bonner Universität offiziell übergeben werden.

Zwischen Carl-Troll-Straße, die die Uni in den vergangenen Jahren schon immens entwickelt hat, Nussallee und Endenicher Allee entsteht seit gut drei Jahren ein neuer Stadtteil. Dort, wo lange Zeit die Versuchsfelder beackert wurden, sind Straßen und Plätze angelegt, die ersten Gebäude stehen, wenn auch noch nicht genutzt, und die nächsten Projekte befinden sich quasi in den Startlöchern.

Kristina Friske, Stellvertreterin des Kanzlers der Universität und für die Liegenschaften der Hochschule zuständige Dezernentin, und Martin Brans, Leiter der Niederlassung Köln des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB), sprechen ganz bescheiden von „Ersatzneubauten“.

Die drei hochmodern ausgerüsteten neuen Häuser mit den auffälligen Fassaden auf dem Campus sind faktisch tatsächlich keine Erweiterung der Uni im engeren Sinne. Hier ziehen Institute ein, die in den vergangenen Jahren ein eher provisorisches Dasein geführt haben – zumindest, was ihre Unterbringung betrifft. Die Informatik, die zurzeit in Teilen des ehemaligen Landesbehördenhauses und an der Römerstraße untergebracht ist, wird endlich wieder zusammengeführt.

O-Ton zum neuen Campus Poppelsdorf

Die freuen sich nicht nur darauf, wieder enger zusammenarbeiten zu können, sondern auch auf die Nähe zu Mathematikern und darauf, überhaupt von der Dichte der Naturwissenschaften profitieren zu können. Außerdem ziehen hier die Institute für Numerische Simulation (INS) und Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft (IEL) ein. Praktisch auf gepackten Koffern sitzen auch die Mitarbeiter des Bonn-Aachen International Center for Information Technology (B-IT). Sie residieren seit 2004 in der ehemaligen nordrhein-westfälischen Landesvertretung an der Dahlmannstraße, in der die Stadt Bonn gerne eine internationale Organisation sähe.

Die drei Neubauten sollten eigentlich schon vor einem halben Jahr übergeben werden. Ganz korrekt: Der Bauträger, die BAM Deutschland AG, übergibt sie dem Eigentümer, der BLB, der sie wiederum dem Nutzer, der Uni Bonn, zur Verfügung stellt. Doch aufgrund vieler, teilweise erheblicher Baumängel konnte die Übergabe bislang nicht stattfinden, so Uni-Sprecher Andreas Archut. „Wir gehen davon aus, dass die sicherheits- und betriebsrelevanten Mängel bis April beseitigt sind, sodass wir dann übergeben können“, sagte Brans. Dann erst kann die Uni mit dem Einbau von Technik und Einrichtungen beginnen. Friske: „Wir wünschen uns einen Echtbetrieb zum Wintersemester.“

Das nächste Neubauobjekt ist in der Planungsphase: Das Allgemeine Verfügungszentrum I (AVZ I) an der Ecke Nussallee/Endenicher Allee wird Ende dieses Jahres seine Betriebsgenehmigung verlieren und soll durch ein neues Gebäude auf dem Campus zwischen Mensa und Hörsaalzentrum ersetzt werden. Im AVZ I befinden sich Kurs- und Praktikumsräume und insbesondere viele Labors etwa der Pharmazeuten, der Lebensmittelchemie, Ernährungsepidemiologie und -physiologie.

Der Campus soll autofrei bleiben. Parkplätze unter Bäumen sind in einem Streifen entlang der Autobahn angelegt. Im Keller des Hörsaalzentrums sind mehr als 500 Fahrradstellplätze. „Wir wollen, dass hier studentisches Leben entsteht“, so Friske. Das war den Planern der Außenanlagen praktisch als oberste Prämisse mitgegeben worden. Und so ist ein weit verzweigtes Wegesystem und ein großer, zentraler Platz westlich der Bibliothek für Medizin, Naturwissenschaften und Landbau entstanden – was aber auch zu Kritik von Anwohnern geführt hat, die finden, dass viel zu viel Fläche versiegelt worden sei, was das Mikroklima beeinflusse, hieß es.

Auf den Plänen für den 260.000 Quadratmeter großen Campus haben BLB und Uni Bonn aber bereits weitere Objekte eingezeichnet. Da ist zum Beispiel ein Lehr- und Forschungszentrum platziert – für den Fall, dass die Uni Bonn eines Tages mal von der Exzellenzinitiative des Bundes profitieren sollte. Angedacht ist auch, den Hochschulsport, der noch an der Römerstraße untergebracht ist, hierher zu verlagern. Schon etwas konkreter sind die Pläne für das Multifunktionale Laborgebäude (MFL): Dabei handelt es sich um einen Ersatzneubau für die Tierwissenschaften. „Wir haben die Finanzierung aus dem Hochschulbau-Konsolidierungsprogramm (HKoP) beantragt.“

Schon 2020 wollen die Wissenschaftler des Zentrums für Molekulare Biodiversitätsforschung (ZMB) des Forschungsmuseums Alexander Koenig ihren Neubau im Campus Poppelsdorf beziehen.