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Entwicklung in Auerberg: Der Nachwuchs bleibt auf der Strecke

Entwicklung in Auerberg : Der Nachwuchs bleibt auf der Strecke

In Auerberg entstehen derzeit viele neue Wohnungen. "Auerberg ist ein toller Stadtteil", meint auch Norbert Neu, der Vorsitzende des Ortsausschusses. Doch es gibt auch Probleme: Vor allem zu wenig Plätze in Kitas und OGS.

Lange überlegen muss Norbert Neu nicht. "Ich lebe sehr gerne hier. Auerberg ist ein lebens- und liebenswerter Stadtteil", findet der Vorsitzende des Ortsausschusses Auerberg. Die Nähe zum Rhein, das "Grüne C" in Buschdorf sowie die schnelle Anbindung an Autobahnen und die Bonner Innenstadt würden den Ort zu einer guten Adresse machen. "Auerberg ist ein toller Stadtteil", zieht er seine persönliche Bilanz.

Das könnte sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern. "Denn wenn wir jetzt nicht die richtigen Weichen stellen, dann wird sich unser Stadtteil zu einem Problemort entwickeln", befürchtet er. Zwar sieht er die Notwendigkeit, neuen Wohnraum in Bonn zu schaffen. "Aber wenn man immer mehr Familien hier hinlockt, dann muss man auch die notwendigen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche schaffen." Das würde bisher jedoch sträflich vernachlässigt.

Unterstützung bekommt er von Herbert Hirtz vom Stadtteilarbeitskreis Auerberg. "Es gibt bisher keine erkennbaren Planungen und Konzepte, wie sich die soziale Infrastruktur an dem Zuwachs von Kindern und Jugendlichen orientiert, um positive Lebensverhältnisse nachhaltig zu ermöglichen", erklärt Hirtz. Verstanden als eine Art "Frühwarnsystem" hat sich der Arbeitskreis bereits an den Oberbürgermeister, die Ratsfraktionen, sowie die Bezirksvertretung und verschiedene Ausschüsse gewandt, um entsprechende Denkanstöße zu geben.

Derzeit entstehen in der Neuen Mitte rund 120 Wohneinheiten, im Wohnquartier "Bonner Sieben" werden 132 Wohneinheiten errichtet. Noch einmal 69 Eigentumswohnungen werden zudem in unmittelbarer Nähe des Geschäftszentrums gebaut. "Sind alle bezogen, werden wir hier rund 1000 neue Bürger haben", so Neu.

Zudem gebe es Pläne, weitere 700 Wohnungen in den nächsten Jahren zu errichten. "Aber schon jetzt gibt es zu wenige Plätze in Tagesstätten und Schulen. Immer wieder werden Kinder in wohnortnahen Einrichtungen abgewiesen. Die vorhandene Infrastruktur hinkt bereits jetzt dem Bedarf hinterher", kritisieren beide. Die Folge: Derzeit würden viele Kinder zu Einrichtungen in Nachbarorte gebracht. "Und das bei gesellschaftlichen Veränderungen und der damit einhergehenden Berufstätigkeit beider Elternteile", so Neu. Zudem sei es für Kinder schwer, soziale Kontakte aufzubauen, wenn man dafür stets in einen anderen Stadtteil fahren muss.

Ebenfalls katastrophal ist nach Ansicht der beiden das Freizeitangebot. "Unsere Spielplätze sind in einem absolut schlechten Zustand", beobachtet Herbert Hirtz. Auch die Anzahl von Grünflächen sei viel zu gering.

Jugendliche, die aus dem Kindergarten- und Spielplatzalter längst herausgewachsen sind, würden im Auerberg zunehmend sich selbst überlassen. Zwar gebe es einen städtischen Jugendtreff, doch "das pädagogische Angebot für Kinder und Jugendliche bleibt hier aufgrund der unzumutbaren räumlichen Unterbringung in Containern aus", so Hirtz. Das Evangelische Jugendforum sei ebenfalls am Ende seiner Kapazität. Die Folge: Die Jugendlichen suchen Ausweichmöglichkeiten und treffen sich beispielsweise an Bushaltestellen. "Dass sich so Frust anstaut, ist doch verständlich", meint Neu. "Wenn nicht sofort geeignete Maßnahmen ergriffen werden, befürchten wir, dass sich die Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen zuspitzen und sich die Situation im Stadtteil weiter verschärft", bangt der Stadtteilarbeitskreis. Er will jedoch nicht nur Kritik üben, sondern bietet Hilfe an. "Wir sind bereit, nach guten Lösungen und präventiven Wegen zu suchen, um die Situation für Kinder und Jugendliche in Auerberg nachhaltig zu verbessern", so Hirtz.

Und - im Hinblick auf die rege Bautätigkeit im Ort - fordert Neu ein städtebauliches Konzept "mit Augenmaß und Weitsicht". "Noch mehr Sozialwohnungen verkraften wir hier nicht."