Kommentar zum Aus für Mr. Music: Der letzte Mohikaner

Kommentar zum Aus für Mr. Music : Der letzte Mohikaner

Nach 25 Jahren macht der Bonner Platten- und CD-Laden Mr. Music im Sommer Schluss. Die Schließung ist mehr als bedauerlich. Ein Kommentar von GA-Redakteur Philipp Königs.

Die umfangreichen Bauarbeiten am Hauptbahnhof fordern ihre ersten Opfer. Wenn es Geschäfte wie nun Mr. Music trifft, blutet einem das Herz.Das hat mehrere Gründe: Zunächst einmal erinnert man sich an die Zeit, in der man einen ganzen Monat auf die neue Peter-Gabriel-CD hinsparen musste (Kosten: 19,90 Mark). Und zum zweiten ist das Team ein unfassbar sympathischer Haufen von Musikbegeisterten. Da schwingt also eine Menge Nostalgie mit.

Die angekündigte Schließung ist aber letztlich ein weiteres Beispiel für den Untergang einer ganzen Branche. Der Handel mit Tonträgern lief früher über die Ladentheke, nicht über Breitbandkabel und Online-Anbieter. Ein paar Meter neben Mr. Music hatte früher Music Land in der Poststraße sein Geschäft. Es gab Oxford-CD, Citymusic und Elpi. Selbst der Trend, zur früheren Vinylplatte zu greifen, ernährt die Musikgeschäfte nicht ausreichend. Beim Verkauf von Konzerttickets halten große Veranstalter viele Karten zurück und verkaufen sie selbst, um mehr Gewinn zu erwirtschaften.

Mr. Music war der letzte Mohikaner. Die angekündigte Schließung ist mehr als bedauerlich. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, wenn Stadtbaurat Wiesner von der bevorstehenden Aufwertung der Maximilianstraße spricht, lautet: Was wird diese Aufwertung umgemünzt an Miete kosten? Werden sich inhabergeführte Geschäfte einen Standort in Bonn weiterhin leisten können? Es wäre zu wünschen, dass sich in einer Stadt wie unserer neben dem Einheitsbrei der sogenannten Weltmarken auch individuelle Geschäfte weiterhin ansiedeln können.

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