Kommentar zur Lärmkarte in Bonn: Der Krach bleibt

Kommentar zur Lärmkarte in Bonn : Der Krach bleibt

Eine interaktive Lärmkarte, die die Bonner Stadtverwaltung nach EU-Vorgaben erstellt hat, zeigt, dass Bonn eine laute Stadt bleibt. Unser Autor meint: Es braucht ein generelles Umdenken. Neue Asphaltdecken reichen dafür nicht.

Die Bürger in Bonn sind wieder gefragt. Mit guten Ideen sollen sie dem Lärm in der Stadt begegnen. Was auf den ersten Blick gut klingt, ist letztlich eine Mogelpackung. Die bisherigen Ergebnisse der Bonner „Lärmaktionsplanung“ sind derart dürftig, dass die Verwaltung sie nicht öffentlich präsentiert hat.

In zwei Runden ist außer wohlfeilen Gutachten und einigen wenigen Freilandversuchen offenbar nichts geschehen, um dem Krach in der Stadt den Kampf anzusagen. Der Verdacht steht im Raum, dass hier für viel Steuergeld ein paar Alibi-Gutachten und -Projekte finanziert werden, um den EU-Regularien zu entsprechen. Ein ernsthaftes Interesse an substanziellen Veränderungen gibt es in Stadtrat und Verwaltung offensichtlich nicht.

Wie anders soll man die Vorgabe für die dritte Runde der Aktionsplanung verstehen, sich künftig auf ohnehin ruhigere Wohn- und Freizeitgebiete konzentrieren zu wollen. In reinen Wohngebieten hält sich der Schwerlastverkehr gewöhnlich in Grenzen. Und wirklich schnell kommt man dort auch nicht voran. Hier noch ein paar Poller aufzustellen, tut also niemandem weh. Aber es nützt auch für das Gesamtbild fast gar nichts.

Die Ratsvertreter sollten sich daran erinnern, dass sie auch für das Wohl ihrer schlechter gestellten Mitbürger gewählt wurden, die sich kein Häuschen im Grünen leisten können. Es gibt tatsächlich Menschen, die entlang der Reuterstraße oder anderer viel befahrener Achsen leben oder leben müssen. Auch sie haben ein Anrecht auf ein Umfeld, das nicht krank macht.

Dass man hier selbst Durchfahrtsverbote für den Schwerlastverkehr noch auf die lange Bank eines konzertierten Projektes im Rheinland schiebt, ist wirklich traurig. Während die Stadt gegen Bahnlärm politisch wenig in der Hand hat, kann sie beim Straßenverkehr durchaus selbst lenkend eingreifen. Dazu braucht es ein generelles Umdenken. Neue Asphaltdecken reichen dafür nicht.

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