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Bonner Marienhospital: Der kleinste Herzschrittmacher der Welt

Bonner Marienhospital : Der kleinste Herzschrittmacher der Welt

Er ist nur wenig größer als eine Arzneikapsel und wiegt so viel wie eine Zwei-Euro-Münze: Im Bonner Marienhospital wird der kleinste Herzschrittmacher der Welt eingesetzt. Der ist so klein, dass eine herkömmliche Operation nicht mehr notwendig ist. Allerdings eignet sich der neue Herzschrittmacher bislang nur für wenige Patienten.

Bisher werden Herzschrittmacher in eine Hauttasche unter dem Schlüsselbein verpflanzt. Das neue Gerät wird stattdessen per Katheter über die Blutbahn bis an das Herz geführt. Es entfällt eine aufwendige Operation, lediglich ein kleiner Schnitt in der Leiste des Patienten ist notwendig. Am Bonner Marienhospital haben Heyder Omran, Chefarzt der Kardiologie, und Dieter Bimmel, Bereichsleiter der Herzschrittmachertherapie, Mitte Januar den ersten Herzschrittmacher der winzigen Bauart verpflanzt. „Auch für uns war das beeindruckend, weil der Patient am Tag der Entlassung wieder die volle Lebensqualität hat“, sagt Bimmel. Eine aufwendige Wundtherapie entfalle durch das neue Verfahren.

Laut Omran hat der neue Schrittmacher, die Kardiokapsel, fast nur Vorteile. Das Infektionsrisiko sinke deutlich. Es bleibe keine sichtbare Narbe und keine Ausbuchtung im Brustbereich zurück. Zudem sei der Patient nicht mehr in seiner Bewegung eingeschränkt und könne auch Sportarten wie Tennis oder Golf ausüben. Einzige Nachteile: Das neue Verfahren ist noch drei Mal so teuer und der Schrittmacher lässt sich nicht mehr ohne aufwendige OP entfernen.

Neuer Schrittmacher verbraucht weniger Strom

Doch mit der Kardiokapsel entfällt die größte Schwachstelle konventioneller Herzschrittmacher, die Elektrode. Dabei handelt es sich um ein 50 bis 70 Zentimeter langes Kabel, das die Stromimpulse an den Herzmuskel eines Patienten weiterleitet, dessen Herz, einfach ausgedrückt, zu langsam schlägt. Doch diese Kabelelektrode ist laut Bimmel trotz aller Zuverlässigkeit für 85 Prozent aller Ausfälle von Herzschrittmachern verantwortlich. Sie sei das technisch anfälligste Bauteil.

Zudem ist sie mitverantwortlich dafür, dass herkömmliche Schrittmacher wesentlich größer sind, denn durch das Kabel wird der Stromimpuls auf seinem Weg schwächer. Dadurch verbrauchen die alten Geräte mehr Strom, ein vielfach größerer Akku ist deshalb nötig. Trotzdem haben beide Systeme eine vergleichbare Lebensdauer von zehn Jahren.

Erstmals wurde die Kardiokapsel 2013 im österreichischen Linz implantiert. Inzwischen ist das Verfahren in einer Studie mit 800 Patienten erprobt und offiziell zugelassen. „Für uns ist das eine Revolution in der Herzschrittmachertherapie“, sagt Omran. Allerdings eignet sich das neue Verfahren noch nicht für jeden Patienten. Bislang empfehlen Ärzte es für Menschen älter als 70 Jahre, die noch keinen Herzschrittmacher haben und die an Vorhofflimmern leiden und dadurch einen Ein-Kammer-Herzschrittmacher brauchen. Laut Omran und Bimmel werde aber bereits an Geräten gearbeitet, die sich für einen größeren Patientenkreis eignen.