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GA trauert um Heinz Engels: Der Fotograf der Bonner Republik

GA trauert um Heinz Engels : Der Fotograf der Bonner Republik

Wenn einer die junge Bundesrepublik für die Ewigkeit festhielt, dann er. Queen Elisabeth II. winkend auf der Bonner Rathaustreppe, Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl und alle Großen der politischen Bühne: Heinz Engels hatte sie alle vor der Linse. Der Mann, der scheinbar ewig für den GA als Pressefotograf unterwegs war, ist tot: Er starb im Alter von 87 Jahren in einem Bonner Pflegeheim.

Er war schon zu Lebzeiten eine Legende: Engels war immer zur Stelle, begleitete große Staatsempfänge, aber auch kleine Ereignisse in Bonn – vor allem für den General-Anzeiger, dem er 60 Jahre lang als Freier Fotograf treu war. Seine letzten Fotos wurden Anfang 2010 im GA gedruckt, da war er schon 80 und nicht mehr gut zu Fuß.

Ob roter Teppich mit Promis, Demonstration am Rathaus oder Fassanstich bei der Kirmes: Engels stand immer bereit, bedankte sich für jeden Auftrag bei der Redaktion. Sein Markenzeichen war die auffällige blonde Mähne, die wirklich echt war bis zum Schluss. „Der Mann mit dem Goldhelm“, titulierte das ZDF im Film „Herr Bundeskanzler, bitte hierher sehen“. Manche verglichen seine Haartracht mit der von Günter Netzer.

In Bonn war er bekannt wie ein bunter Hund. Wenn es hieß: „Da ist der Engels“, wussten die Leute, der GA ist da. Oft kam er zum Termin mit einer Leiter in der Hand, die er immer im Kofferraum seines roten Honda Civic hatte, um den besten Blick für seine Bilder zu haben.

Fotograf aus Leidenschaft

Er war Fotograf aus Leidenschaft. Aufgewachsen bei seiner Großmutter, absolvierte er 1949 eine Lehre bei Foto Bartholomäi am Münsterplatz. Auch sein Vater Franz war Fotograf, das Verhältnis zu ihm aber zerrüttet. Engels wohnte in Friesdorf und war verheiratet. Die Ehe blieb zu seinem Leidwesen jedoch kinderlos.

Der GA trauert um Heinz Engels

Technik interessierte ihn stark, er war der erste (und zugleich älteste) GA-Fotograf, der auf Digitalkameras umstieg. Er „photoshopte“ schon, als es das Programm noch gar nicht gab, nicht immer erfolgreich. Viele seiner Fotos gingen um die Welt. Zum Beispiel, als er für den „Spiegel“ Adenauer überredete, den Hut zu nehmen und dabei auf die Linse drückte.

Wegen Engels gab es sogar zwei aktuelle Stunden im Bundestag. Einmal „schoss“ er mit dem Tele auf die geheimen Notstandsgesetze, dann erwischte er die Abgeordneten am Siebenschläfertag, nämlich gelangweilt, dösend und schlafend. Als die Regierung nach Berlin zog, blieb Engels in Bonn. Reisen war nie seine Sache, außer nach Cala Fornells auf Mallorca, wo er mindestens einmal im Jahr Urlaub machte und auch ein kleines Boot liegen hatte.

Mehr als 65 000 Negative hat er dem Bonner Stadtarchiv vermacht – ein riesiger Schatz. Zu seinem 80. Geburtstag organisierte die Stadt eine Ausstellung. Titel: „Fotos: Heinz Engels“. Er wird vielen Kollegen fehlen. Die Beisetzung findet auf Wunsch der Angehörigen im kleinen Familienkreis statt.