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Protest-Aktion in Zweiergruppen in Bonn: Demonstranten fordern Evakuierung von Flüchtlingslager auf Lesbos

Protest-Aktion in Zweiergruppen in Bonn : Demonstranten fordern Evakuierung von Flüchtlingslager auf Lesbos

Mit einer ungewöhnlichen Protestaktion haben am Samstag mehrere Menschen auf der Hofgartenwiese in Bonn auf die prekäre Lage in dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam gemacht.

Da herkömmliche Demonstrationen mit mehreren Teilnehmern wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht erlaubt sind, musste sich eine Gruppe von Bonner Bürgern am Samstag etwas anderes einfallen lassen, um auf die prekäre Lage in dem Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos aufmerksam machen zu können. Und so legten 16 Gruppen je Personen unter Einhaltung der Infektionsschutzregel auf der Hofgartenwiese in Bonn mit Fahrrädern den Schriftzug „Evacuate Moria“ (“Evakuiert Moria“) und setzten so ein Zeichen für die betroffenen Flüchtlinge.

Nach Angaben der Initiatoren wollten die Teilnehmer der Aktion damit auch die Politik dazu aufrufen, sich schnellstens an der Evakuierug des Flüchtlingslagers zu beteiligen. „Die Menschen in Moria und anderen Geflüchtetenlagern haben keine Zeit, das Ende der Covid-19-Epedemi abzuwarten, bis wir uns entscheiden zu helfen“, sagte Christine Berger. Die Flüchtlinge würden durch die Pandiemie unter noch menschenrechtsunwürdigeren Bedingungen als schon vorher leben. „Die Situation verschärft sich von Tag zu Tag zunehmend. Deutschland und Europa schauen tatenlos dabei zu. Sie müssen endlich handeln und anfangen zu evakuieren. Sofort.“

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wächst die Sorge vor einer humanitären Katastrophe in Moria, wo die hygienischen Bedingungen schlecht sind und die Menschen beengt ausharren müssen. Die Flüchtlinge können keinen ausreichenden Abstand halten oder sich einfach mal die Hände waschen.

Laut der Bonner Protestler gebe es zu wenige Hygieneartikel wie Seife, Mundschutz oder Desinfektionsmittel. Auch der mangelnde Zugang zu Strom und Sanitäranlagen, sowie undichte Abwasserrohre und das unweigerliche Austreten von Fäkalien trage zu schlechten Hygienebedingungen in den Lagern bei. Hinzu komme, dass auf die enorme Zahl an zu versorgenden Geflüchteten lediglich drei Ärzte und acht Krankenschwestern zur Verfügung stehen würden.

Mit Fahrrädern wurde der Schrift „Evacuate Moria“ gelegt. Foto: privat

Mitte März war der erste Covid-19-Fall auf Lesbos bestätigt worden. Sollte das Virus im Lager ausbrechen, werde es unmöglich sein, die Pandemie innerhalb des Lagers einzudämmen, aufzuhalten oder zu behandeln.„Sollte das wirklich passieren, wird es zu einer nie da gewesenen humanitären Katastrophe auf europäischem Boden kommen“, sagte Arik Horne bei der Demo in Bonn. Der Ausbruch von Covid-19 in Moria würde in kürzester Zeit den Tod vieler Menschen bedeuten. „Um dies zu verhindern und das Lager und alle ehrenamtlichen Helfer zu entlasten, müssen wir endlich anfangen, zu evakuieren. 50 Menschen reichen bei Weitem nicht aus.“

Deutschland hatte nach wochenlangen Verhandlungen auf EU-Ebene am vergangenen Wochenende die ersten 47 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von den griechischen Inseln in die Bundesrepublik geholt.