Gedenktag: "Das Thema Sterben ist ständig präsent"

Gedenktag : "Das Thema Sterben ist ständig präsent"

"Auch die Melanie." Tom schüttelt traurig den Kopf und wird nachdenklich. "Sie hat es wirklich nicht leicht gehabt. Vieles hätte ihr erspart werden können." Melanie, gerade einmal Anfang 30, lebt nicht mehr.

Jetzt hängt das Bild der jungen Frau mit den lockigen Haaren und den schwarz umrandeten Augen an einer liebevoll dekorierten Trauerwand. Anlässlich des bundesweiten Gedenktages für verstorbene Drogenkonsumenten erinnerte die Aids Initiative Bonn am Montag mit der Trauerwand und einem Infostand an das Schicksal dieser Menschen.

"Auch wenn die Polizei von 16 Drogentoten im Jahr 2013 ausgeht, die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher", schätzt Jürgen Repschläger vom Vorstand der Initiative. Denn in der Statistik wird nur aufgeführt, wer eindeutig an einer Überdosis gestorben ist. "Die an Hepatitis oder Aids gestorben sind, werden nicht erfasst", ergänzt Christa Skomorowsky von der Bonner Initiative, die in der Stadt rund 80 HIV-positive oder an Aids erkrankte Dogensüchtige betreut.

Mindestens einmal in der Woche gehen die 35 ehrenamtlichen Mitglieder dort hin, wo sich die Abhängigen treffen. Mit dem Verteilen von Infomaterial und Kondomen versuchen sie, die Konsumenten für die Gefahren zu sensibilisieren. Und sie helfen beim Umgang mit Behörden und medizinischen Einrichtungen. "Leider ist das Thema Sterben und Tod stets präsent", sagt Skomorowsky. Und so gehören auch Sterbebegleitung und die Suche nach einem Hospizplatz zu den Aufgaben der Initiative.

Zwar lassen sich Suchtprobleme nicht einfach lösen, aber die alltägliche Situation der Betroffenen ließe sich laut Repschläger angenehmer gestalten. "Die Stadt ist für alle da. Auch für diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen es schaffen, den Drogenkonsum aus den Hinterhöfen zu holen. Denn durch die ständige Vertreibung der Konsumenten werden Kriminalität und auch die Todesgefahr nur gesteigert", appelliert er an die Politik.

Deshalb fordert die Initiative, mehr Drogenkonsumräume zu schaffen, um die Süchtigen von der Straße zu holen. In "Druckräumen" würden sie Schutz und Hilfe finden, und die Abgabe steriler Spritzen würde eine Ansteckung verhindern. "Durch eine kontrollierte und legalisierte Abgabe kann man die Todesrate deutlich senken", glaubt Repschläger.

Mittlerweile fordern Wissenschaftler, das Betäubungsmittelgesetzt in Deutschland zu überarbeiten. Eine entsprechende Resolution an den Bundestag wurde bereits eingereicht. "Mit der Verdrängung der Szene kann man das Problem nicht lösen", so Repschläger.

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