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Sanierung der Nordbrücke: Das sind die Alternativen für Pendler

Sanierung der Nordbrücke : Das sind die Alternativen für Pendler

Die Region bereitet sich auf das Verkehrschaos durch die Sanierung der Bonner Nordbrücke vor. Alternativen gibt es wenige. Insgesamt stellen sich Pendler auf längere Fahrzeiten ein.

124.000 Menschen pendeln täglich nach Bonn zur Arbeit - allein 58.000 davon aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Aus Bonn hingegen pendeln 52.000 Berufstätige aus - ein großer Teil von ihnen in den Kreis. Wer über den Rhein nach Bonn oder zurück will, kommt um die Friedrich-Ebert-Brücke (Nordbrücke) meist nicht herum - und die ohnehin überlastete Rheinquerung wird ab morgen Abend, wenn der Landesbetrieb Straßenbau offiziell mit der Sanierung der Brücke beginnt, zum Nadelöhr für Pendler. Wie bereiten sich Unternehmen und Arbeitnehmer vor, welche Empfehlungen und möglichen Alternativen gibt es? Ein Überblick.

Der Kreis: Das Straßenverkehrsamt des Rhein-Sieg-Kreises appelliert an die Bürger, in der Sanierungsphase nach Möglichkeit aufs Fahrrad oder den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umzusteigen, Fahrgemeinschaften zu bilden und mit dem Arbeitgeber flexiblere Zeiten zu besprechen.

Bei der Kreisverwaltung selbst dürfen die Mitarbeiter bereits um 6 Uhr beginnen. Harald Pütz koordiniert als Leiter der Abteilung Verkehrssicherung/ Bußgeldstelle das Thema Brückensanierung. Er weist darauf hin, dass Bewohner im Linksrheinischen während der Sommerferien verstärkt Dienstleistungen des Kreises dort nutzen sollten, etwa den Bürgerservice in Rheinbach, die Außenstelle des Straßenverkehrsamtes sowie das Jugendhilfezentrum in Meckenheim.

"Wenn jemand etwas im Kreishaus erledigen muss, sollte er versuchen, das in verkehrsärmeren Zeiten zu tun, ebenso wie unsere Mitarbeiter Außentermine möglichst außerhalb der Rushhour wahrnehmen sollen", erklärt Pütz. Einen mobilen Staumelder wie den der Stadt Bonn gibt es eigens für den Kreis nicht. Eine Bluetooth-Erfassungsstelle wie auf der Bonner Reuterstraße steht aber laut Pütz auch auf Kreisgebiet: an der L 269 in Niederkassel. Die Daten laufen in Bonn zusammen und können auf www.bonn.de abgerufen werden.

IHK: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg begrüßt es, dass die Reuterstraße während der Sanierung für Lastwagen als mögliche Ausweichroute geöffnet wird. Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Kurt Schmitz-Temming fordert unter anderem auch die Öffnung der Kennedybrücke für Lkw. Unternehmen werden gebeten, bei möglichem Mehrschichtenbetrieb Anfangs- und Endzeiten außerhalb der Verkehrs-Spitzen zu legen und Alternativen zum Auto zu prüfen.

Kreishandwerkerschaft: Auch die Kreishandwerkerschaft empfiehlt Betrieben, flexible Zeiten einzuführen und die Aufträge zu entzerren: "Die Mitarbeiter sollten, wenn es möglich ist, nicht alle zwischen 7 und 8 Uhr morgens zum Kunden fahren", sagt Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher. Wirklich wirksame Alternativen oder Umgehungen gibt es aus seiner Sicht nicht: "Ich habe selten einer Situation so resignativ gegenübergestanden. Da hilft nur, eine Kerze aufzustellen."

ADFC: Über seine gemeinsame Aktion mit der AOK "Mit dem Rad zur Arbeit" versucht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Rhein-Sieg, an Arbeitnehmer heranzutreten und sie für den Umstieg aufs Fahrrad zu gewinnen. "Wir haben bisher den Eindruck, dass die Resonanz in diesem Jahr höher ist als sonst", sagt Sprecher Axel Mörer-Funk. Grund dafür könnten die Brückensanierungen sein. Gerade im Kreis würden viele aber immer noch von weiten Strecken abgeschreckt. "Die Lösung könnte sein, nur einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen und den Rest mit Auto, Fähre oder ÖPNV."

Mondorfer Fähre: Während der anstehenden Sanierung dürfte die Rheinfähre Mondorf für viele zur Alternative werden. Deshalb hat der Betreiber, die Lux Werft- und Schiffahrt GmbH, aufgerüstet: Seit dieser Woche fährt eine deutlich größere Fähre als bisher zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf: "Wir haben die 'Sankt Johannes' aus Linz für die Zeit der Bauarbeiten auf der Nordbrücke angemietet", berichtet Ingo Schneider-Lux. Die "Sankt Johannes" kann 30 bis 32 Autos transportieren und damit etwa das Dreifache der Fähre Mondorf.

Zudem werden die Abfahrtszeiten ab Freitag um eine halbe Stunde auf 6 Uhr vorgezogen. Die Fähre verkehrt bis 20 Uhr. Die Preise, betont Schneider-Lux, würden nicht erhöht. Ein Einzelfahrschein kostet einen Euro, mit Fahrrad 1,50 Euro, die Zehnerkarte acht beziehungsweise zwölf Euro. Fährmann Werner Mauel, der die Rheinfähre seit 1994 steuert, hat in den vergangenen Tagen festgestellt, dass viele vom Auto aufs Schiff umsteigen: "Wir haben auf jeden Fall mehr Fahrgäste." Viele hätten ihn gefragt, ob die Fähre nun öfter verkehre.

"Die Leute haben Bammel", so Werner Mauel. Auf ihn und seine Kollegen käme nun viel Arbeit zu. "Aber das werden wir schon meistern." Mauel und seine Kollegen erhalten dabei finanzielle Unterstützung durch die Stadt Niederkassel, wie deren Bürgermeister Stephan Vehreschild ankündigte. Er habe auch die Städte Troisdorf und Bonn gebeten, die Fährmänner zu unterstützen.

Die Kreistagsabgeordnete: Wenn sich morgen Nachmittag der Kreistag konstituiert, hat die SPD-Abgeordnete Susanne Sicher den längsten Anfahrtsweg. Die Rechtsanwältin muss von ihrer Kanzlei in Euskirchen je nach Route mindestens 43 Kilometer bis zum Kreishaus in Siegburg fahren.

Bei ruhiger Verkehrslage bedeutet das rund 40 Minuten Fahrt - die jedoch wird es während der Bauarbeiten nicht geben. "Ich stelle mich auf deutlich längere Fahrzeiten ein", sagt Susanne Sicher. Bereits am Samstag, als sie vom Kreisparteitag der SPD in Troisdorf zurückfuhr, sei "die Rückreise sehr unangenehm" gewesen.

Einen konkreten Alternativplan habe sie noch nicht, so Sicher. "Es ist möglich, dass wir Fahrgemeinschaften bilden oder auf die Fähre umsteigen", sagt die 55-Jährige.

Der Unternehmer: Einen Alternativplan gibt es auch für Lothar Klatt, Speditionsleiter bei der Spedition Hoss GmbH & Co. KG in Siegburg, nicht: "Da müssten wir uns schon eine Pontonbrücke über den Rhein bauen", sagt er. Von der einzelnen Palette bis zu 28 Tonnen Ladung fahren die Mitarbeiter des Unternehmens täglich vor allem im Bereich von rund 50 Kilometern um Siegburg.

Vor allem mit den Kunden im Gebiet Alfter, Meckenheim und Bonn sei er derzeit in Gesprächen, berichtet Klatt. "Wir bereiten sie darauf vor, dass diese Baustelle massive Auswirkungen haben wird." Bei Hoss hatte man auf die "4:0-Lösung" mit zwei Spuren auf jeder Seite der Nordbrücke gehofft. Stattdessen wird es nun pro Richtung nur eine Spur geben. "In der Rushhour fahren rund 10 000 Fahrzeuge Richtung Bonn, das sind aneinandergereiht etwa 50 Kilometer", sagt Klatt. "Wenn jetzt aus drei Spuren eine gemacht wird, wird die Nordbrücke zum Dauerparkplatz."

Wie viele Unternehmer sei er enttäuscht von dem, was die Politik unternommen habe: "Außer Appellen ist da nichts passiert."

Die Umsteigerin: Wer im Krankenhaus arbeitet, muss pünktlich sein. Deshalb war für Irene Bähr, Ärztin am Troisdorfer Krankenhaus, klar: Wenn es losgeht mit der Sanierung der Nordbrücke, ist das Auto nicht mehr das Mittel der Wahl, um von ihrem Wohnort in Bonn über den Rhein zur Arbeit zu kommen. "Ich habe daher einige Kollegen mobilisiert, gemeinsam mit dem Fahrrad zu fahren", berichtet Bähr.

Doch schon bald wurden dem Fahrvergnügen Grenzen gesetzt - zwischen Troisdorf-Bergheim und Friedrich-Wilhelms-Hütte, kurz vor der Autobahnbrücke, ist für Radler auf dem Siegdeich Schluss. Bis etwa Ende Oktober müssen sie einen 2,5 Kilometer langen Umweg über Sieglar nehmen, weil der Deich saniert wird. Grund sei der Hochwasserschutz, so Troisdorfs Pressesprecher Peter Sonnet.

Dass ausgerechnet jetzt gebaut wird, bedeute für sie eine längere Fahrzeit von mindestens zehn Minuten, sagt Irene Bähr. "Erst wird man motiviert, das Fahrrad zu nehmen, dann wird ausgerechnet in dieser Phase der Weg gesperrt - in meinen Augen eine Fehlplanung."

Die Arbeiten wegen der Sanierung der Nordbrücke zu verschieben, sei nicht in Frage gekommen, sagt Peter Sonnet - zum einen, weil die Deichstabilisierung schon über Jahre hinweg geplant sei. "Zum anderen ist eine Überschwemmung immer noch schlimmer, als im Stau zu stehen."

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